21 April 2022

TV-Showdown vor Frankreichwahl – Macron und Le Pen im F├╝hrungsstreit

Aus dem grossen TV-Duell vor der Frankreichwahl ist Pr├Ąsident Emmanuel Macron nach ersten Umfragen als Gewinner mit klarem Vorsprung vor der rechten Herausforderin Marine Le Pen hervorgegangen. Nach der mehr als zweieinhalbst├╝ndigen Debatte am Mittwochabend hielten zwei von drei Zuschauern den Mitte-Politiker f├╝r den ├╝berzeugenderen Kandidaten, wie eine Umfrage des Instituts Elabe ergab. Mit Spannung war erwartet worden, ob die beiden Kontrahenten sich wie im Duell vor der Pr├Ąsidentschaftswahl 2017 Beschimpfungen und pers├Ânliche Angriffe leisten w├╝rden. Die Debatte blieb aber ├╝berwiegend sachlich, auch wenn beide hart gegen den Gegner austeilten.

Weshalb das Duell so wichtig war: Ein eher knappes Rennen wird f├╝r die Stichwahl am Sonntag vorausgesagt, die W├Ąhlerschaft ist gespalten und viele besonders linke W├Ąhler wollen eigentlich keinem der beiden ihre Stimme geben. Sie wollen eine ganz andere Politik. Um diese Gruppe buhlen beide Bewerber.

Was auf dem Spiel stand: Bei dem Duell 2017 hatte Le Pen sich gr├╝ndlich blamiert. F├╝r sie galt es daher vor allem, seri├Âser und pr├Ąsidialer zu wirken. Sie zeigte sich nun vor allem zu Beginn des Duells betont freundlich, strahlte in die Kameras und fiel Macron nicht ins Wort. Macron musste in der Debatte um jeden Preis vermeiden, arrogant und elit├Ąr zu wirken. Statt ├╝ber Le Pens Antworten zu lachen, gab er sich ernst und mimte den nachdenklichen Zuh├Ârer. Auch gestand er Unzul├Ąnglichkeiten in seiner Amtszeit ein.

Was das Netz interessierte: Macrons Zuh├Ârerposen – aufgest├╝tzter Kopf, den Mund leicht schmollend – wurden sogleich in etliche Memes umgewandelt. Le Pen hielt einen ausgedruckten Tweet hoch und sorgte damit f├╝r Belustigung. In den sozialen Netzwerken wurde der Zettel sogleich umgestaltet und etwa „W├Ąhlt am Sonntag Macron“ darauf geschrieben.

Worum es inhaltlich ging: Acht Themen waren ausgew├Ąhlt worden, zu denen Macron und Le Pen sich positionieren sollten. Akribisch wurde die Redezeit der beiden dabei im Blick gehalten.

Europa: W├Ąhrend Macron sich zur deutsch-franz├Âsischen Kooperation und zur Verankerung Frankreichs in der Europ├Ąischen Union bekannte, stellte Le Pen klar, dass sie die EU gr├╝ndlich ├Ąndern will. Ihr geht es dabei um mehr nationale Kompetenzen. Macron warf ihr vor, noch immer aus der EU austreten zu wollen, dies aber nicht offen zu sagen.

Ukraine-Krieg: Le Pen und Macron waren sich weitgehend einig, dass es weiterhin Hilfen f├╝r Kiew geben solle. Le Pen sprach sich aber gegen einen Importstopp f├╝r russisches Gas aus, Macron setzt auf Energieunabh├Ąngigkeit von Russland. Macron warf seiner Kontrahentin zudem vor, von Kremlchef Wladimir Putin abh├Ąngig zu sein.

Umwelt und Energie: Frankreich ist ein Atomland, Macron sprach sich f├╝r den Bau weiterer Kraftwerke aus, will zugleich aber erneuerbare Energien voranbringen, insbesondere Offshore-Windparks. Le Pen hingegen h├Ąlt Windr├Ąder f├╝r ├Âkologisch und ├Âkonomisch unsinnig, will bereits existierende Anlagen abbauen lassen und setzt auf Atomkraft.

Kaufkraft: Das Schl├╝sselthema des Wahlkampfs war Aufmacher der Debatte. Obwohl Le Pen das Thema seit Wochen geschickt besetzte, konnte sie sich in der Debatte nicht eindeutig gegen Macron durchsetzten. Sie schlug unter anderem eine Mehrwertsteuersenkung auf Energie sowie einen Wegfall der Steuern auf 100 Grundprodukte des t├Ąglichen Bedarfs vor. Macron setzte darauf, die Arbeitslosigkeit weiter zu senken und Gas- und Strompreise weiterhin zu deckeln.

Streitthema Rente: Aus deutscher Sicht gehen die Menschen in Frankreich vergleichsweise fr├╝h in Rente, Le Pen will am Renteneintrittsalter von 62 Jahren festhalten. Wer schon jung ins Berufsleben einsteige, solle mit 60 in Rente d├╝rfen. Macron will das Rentenalter mit einigen Ausnahmen auf 65 Jahre anheben. Bei wachsender Lebenserwartung m├╝sse das Rentensystem gegenfinanziert werden, argumentiert er.

Und ewig Zank ums Kopftuch: In der Schule und in der ├Âffentlichen Verwaltung ist das Kopftuch in Frankreich aus Neutralit├Ątsgr├╝nden verboten. Le Pen forderte nun ein Kopftuchverbot ├╝berall im ├Âffentlichen Raum. Macron h├Ąlt das mit der Religionsfreiheit und der Verfassung f├╝r unvereinbar – und f├╝rchtet einen B├╝rgerkrieg, wenn man tats├Ąchlich das Kopftuch in den Wohnvierteln verbieten w├╝rde.

Grosse Worte: „Sagen Sie keine Dummheiten!“ und „Erteilen Sie mir keine Lektionen!“ waren nur einige der pr├Ągnanten S├Ątze, die im Duell fielen. Besonders eindringlich wurden beide Bewerber zum Schluss. Macron machte die Wahl auch zu einer Abstimmung ├╝ber Europa, Klima, den Laizismus – „also ein Referendum f├╝r oder gegen das, was wir grunds├Ątzlich sind“. Le Pen hingegen versprach eine „R├╝ckkehr des gesunden Menschenverstands“, sollte sie gewinnen.

(text:sda/bild:keystone)