12 Februar 2021

TrickbetrĂŒgerin in Bern zu Freiheitsstrafe verurteilt

Das Wirtschaftsstrafgericht in Bern hat am Freitag eine Frau wegen Trickbetrugs zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 36 Monaten verurteilt. Die Frau soll zusammen mit unbekannten MittÀtern Seniorinnen um ihr Erspartes betrogen haben.

Die mutmasslich aus der TĂŒrkei operierende Bande ging immer nach der gleichen Masche vor. Mitglieder riefen Ă€ltere Seniorinnen an und gaben sich als Polizisten oder StaatsanwĂ€lte aus. Sie machten den Seniorinnen weis, ihr Vermögen sei bedroht und sie sollten es zum Schutz oder zur AufklĂ€rung des Falls der Polizei ĂŒbergeben.

So gelang es ihnen, die unter Druck gesetzten Seniorinnen in die Falle zu locken. Die Anklage ging am Freitag von einer Deliktsumme von rund 300’000 Franken aus. Es handelt sich um den bislang grössten solchen Fall im Kanton Bern.

Die Angeklagte war aus Sicht des Gerichts kein kleines RĂ€dchen im System, sondern ein wichtiger Teil des Betrugskonstrukts. Sie habe es auf schnelles Geld abgesehen und egoistisch gehandelt.

Die Frau holte jeweils das in BriefkÀsten, auf Friedhöfen oder anderswo deponierte Geld ab und leitete es an die HintermÀnner weiter.

Die Angeschuldigte sah sich am Freitag vor Gericht eher als Opfer denn als TÀterin. Sie habe nicht gewusst, dass das Geld, das sie in der Schweiz an den ihr mitgeteilten Adressen abholte, von betrogenen Seniorinnen stammte, beteuerte sie. Sie sei von den HintermÀnnern dieses Betrugskonstrukts ebenso hintergangen worden wie die Opfer.

Doch das nahm ihr das Gericht nicht ab. Die Frau habe durchaus gewusst, worauf sie sich eingelassen habe oder habe einen kriminellen Hintergrund des GeschÀfts zumindest in Kauf genommen.

Die Vorsitzende des Wirtschaftsstrafgerichts verwies in der UrteilsbegrĂŒndung unter anderem auf den Umstand, dass die Angeklagte nur sehr zögerlich Fakten eingestanden und immer wieder verschiedene Varianten zu Protokoll gegeben habe. WĂ€re sie selber Opfer gewesen, hĂ€tte sie das kaum getan, sondern wĂ€re an einer AufklĂ€rung des Falls interessiert gewesen.

Innert vier Monaten sei sie dreimal fĂŒr mehrere Wochen in die Schweiz gereist, um Geld einzusammeln. Bei den von den Seniorinnen deponierten Geldern ging es um BetrĂ€ge von einigen tausend Franken bis zu mehreren zehntausend Franken.

Das Wirtschaftsstrafgericht verurteilte die Angeklagte wegen mehrfachen gewerbsmĂ€ssigen Betrugs und GeldwĂ€scherei zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 36 Monaten.18 Monate davon sind zu vollziehen. FĂŒr eine teilbedingte Strafe sprach fĂŒr das Gericht der Umstand, dass die Angeklagte keine Vorstrafen aufwies. Die Frau befindet sich im vorzeitigen Strafvollzug.

DarĂŒber hinaus sprach das Gericht auch eine bedingte Geldstrafe und einen Landesverweis von sieben Jahren aus.

Mit diesem Urteil bewegt sich das Gericht tendenziell auf der Linie des Staatsanwalts. Dieser hatte eine Freiheitsstrafe von 42 Monaten verlangt.

Ganz anders der Verteidiger: Er verlangte in allen Punkten einen Freispruch. Seine Mandantin habe nicht gewusst, worauf sie sich da eingelassen habe, argumentierte er. Die Frau sei auf der alleruntersten Stufe des Betrugskonstrukts gestanden und von den HintermÀnnern ihrerseits hintergangen worden. Das Urteil ist noch nicht rechtskrÀftig und kann noch an die nÀchsthöhere Instanz weitergezogen werden.

Immer wieder fallen Seniorinnen und Senioren in der Schweiz auf TelefontrickbetrĂŒger herein. Die Berner Kantonspolizei warnt denn auch regelmĂ€ssig vor „falschen Polizisten“ und gibt Verhaltenstipps fĂŒr den Verdachtsfall ab.

(SDA/Bild: Unsplash)