8 April 2021

Tamedia fusioniert in Bern zwei Redaktionen und streicht 20 Stellen

Die Z├╝rcher Tamedia legt in Bern die Redaktionen von „Berner Zeitung“ und „Bund“ zusammen und streicht voraussichtlich 20 Vollzeitstellen. Die beiden Titel sollen aber eigenst├Ąndig bleiben. Das hat das zur TX Group geh├Ârende Unternehmen am Donnerstag bekanntgegeben.

Laut einer Mitteilung wird die Neuorganisation in den kommenden Monaten unter Einbezug der Redaktionen n├Ąher definiert. Der Stellenabbau werde von den Ergebnissen dieser Konsultation abh├Ąngen. Er soll soweit wie m├Âglich ├╝ber die nat├╝rliche Fluktuation erfolgen. Andernfalls kommt ein Sozialplan zur Anwendung.

Tamedia will trotz Zusammenf├╝hrung der beiden Redaktionen die zwei Titel „Berner Zeitung“ und „Bund“ als separate Angebote weiterf├╝hren. Die beiden Zeitungen sollen je ihr eigenes Publikum ansprechen.

Der „Bund“ soll seinen Meinungs- und Debattenteil st├Ąrken und die breitere Ausland- sowie Kulturberichterstattung aufweisen, w├Ąhrend die „Berner Zeitung“ auf eine umfassendere Regionalberichterstattung sowie den Sport setzt.

Zur Chefredaktion der neuen Redaktion geh├Âren Simon B├Ąrtschi (Gesamtleitung, Chefredaktor „Berner Zeitung“), Patrick Feuz (Chefredaktor „Der Bund“), Regula Fuchs (Kultur, Aus- und Weiterbildung) sowie Wolf R├Âcken (Tagesleitungen und Newsmanagement).

Dar├╝ber hinaus will Tamedia unter der Leitung von Patrick Feuz das Thema Meinungen und Debatte f├╝r die urbanen Titel „Der Bund“, „Basler Zeitung“ und „Tages-Anzeiger“ neu konzipieren.

Laut der Gewerkschaft Syndicom bedeutet der Abbau von 20 Stellen die Streichung von rund einem Drittel der heute insgesamt 70 Vollzeitstellen bei den beiden Zeitungen. Der Abbau erfolge „ohne Not“. Denn Tamedia habe im vergangenen „Krisenjahr“ auf Stufe Ebitda einen Gewinn von elf Millionen Franken erzielt.

Syndicom fordert, dass Tamedia die Entlassungen auf ein Minimum reduziert und f├╝r den nicht vermeidbaren Teil des Abbaus „zu einem fairen Sozialplan Hand bietet“.

Ende Oktober des vergangenen Jahres hatte Tamedia angek├╝ndigt, dass „Bund“ und „Berner Zeitung“ k├╝nftig enger zusammenarbeiten m├╝ssen. Zuvor hatte die TX Group bekanntgegeben, nach einem Verlust von 106 Millionen Franken im ersten Halbjahr 2020 gelte es, mehrere Dutzend journalistische Stellen abzubauen.

Das werde das Ende des sogenannten „Berner Modells“ bedeuten, prognostizierten die Gewerkschaften und andere Beobachter damals. Gemeint ist mit „Berner Modell“, dass zwei Zeitungen unabh├Ąngig voneinander beispielsweise ├╝ber wichtige politische Themen oder bedeutende kulturelle Ereignisse berichten und somit eine Meinungs- und Themenvielfalt herrscht.

Im Februar dieses Jahres hiess es dann, die in Bern ans├Ąssige Bewegung „Courage civil“ pr├╝fe, in der Bundesstadt ein neues Online-Magazin zu gr├╝nden. Es gelte, einen „Einheitsbrei“ zu vermeiden.

(text:sda/bild:pixabay)