14 Juli 2021

Swisscom-Chef entschuldigt sich fĂŒr Notruf-Netzpanne

Urs Schaeppi, Konzernchef der Swisscom, hat sich fĂŒr den stundenlangen Ausfall der Notfall-Rufnummern in der Schweiz am vergangenen Freitag bei den Feuerwehrleuten und allen betroffenen Personen entschuldigt.

Der Netzausfall habe ihn erschĂŒttert, sagte Schaeppi in einem Interview mit der “Neuen ZĂŒrcher Zeitung” (Mittwochausgabe). Swisscom werde alles daran setzen, solche AusfĂ€lle kĂŒnftig zu verhindern. Das Thema habe Top-PrioritĂ€t.

Viele Massnahmen, die die Swisscom nach den Pannen im Vorjahr getroffen habe, hĂ€tten Wirkung gezeigt. Schaeppi erinnerte daran, dass die Swisscom jede Woche 4000 Netzwartungen ausfĂŒhre. Obwohl die NetzstabilitĂ€t höchste PrioritĂ€t habe, könne es zu AusfĂ€llen kommen.

Auf die Frage, was die Ursache fĂŒr die jĂŒngste Panne gewesen sei, sagte Schaeppi, die Swisscom habe ein Netzelement einer Telefonie- Plattform fĂŒr GeschĂ€ftskunden gewartet. Ein Software-Update habe zu einem Fehlverhalten gefĂŒhrt und einen Dominoeffekt ausgelöst.

Die Swisscom habe aber auch den Lieferanten der Netzkomponente einbeziehen mĂŒssen. Darum habe die Störung so lange gedauert. Das Notrufsystem habe an sich funktioniert. Doch weil die Notrufstellen auch Festnetz-GeschĂ€ftskunden sind, seien auch sie betroffen gewesen.

Schaeppi widersprach der These, Sparprogramme hÀtten sich negativ auf die NetzqualitÀt ausgewirkt. Die Swisscom investiere jÀhrlich etwa 20 Prozent des Umsatzes in die Infrastruktur. Allein in der Schweiz seien dies 1,6 Milliarden Franken.

Die Swisscom-Netze gehörten zu den besten der Welt. “Wir brauchen ein technologisches und organisatorisches Referenzmodell, um die Notrufsysteme robuster zu machen”, sagte Schaeppi. Daher sei die vom Bakom vorgeschlagene Idee der SystemfĂŒhrerschaft richtig.

Christophe Aeschlimann, Leiter Netzwerke bei der Swisscom und Mitglied der GeschĂ€ftsleitung, wies in einem Interview mit der Westschweizer Tageszeitung “Le Temps” auf die KomplexitĂ€t des Systems hin. Die Swisscom arbeite wegen des Föderalismus mit Dutzenden von verschiedenen Alarmzentralen in der Schweiz zusammen.

Das alles zu koordinieren sei nicht einfach. Die Swisscom sei ein Telekom-Anbieter, der von den Alarmzentralen ausgewĂ€hlt worden sei, um Anrufe weiterzuleiten. Es sei daher klar, dass die Swisscom sich eine klare Zuweisung von Verantwortlichkeiten wĂŒnsche. Denn heute gebe es keine Gesamtaufsicht des Systems durch den Staat.

(text:sda/bild:unsplash)