11 August 2021

Streik legt in Deutschland grosse Teile des Bahnverkehrs lahm

Monatelang drohte sie, nun macht die Gewerkschaft Deutscher LokomotivfĂŒhrer ernst: Der angekĂŒndigte Bahnstreik lĂ€uft. Und er trifft viele Ferienreisende.

FĂŒr deutsche Bahnreisende und Pendler haben zwei harte Tage begonnen. Ein Streik der LokfĂŒhrergewerkschaft GDL hat offenkundig begonnen und legt den Personenverkehr der Deutschen Bahn weitgehend lahm. Der Ersatzplan sei angelaufen, teilte ein Bahnsprecher am frĂŒhen Mittwochmorgen mit. “Erste Auswirkungen des Streiks sind spĂŒrbar”, sagte er.

Obwohl die GDL in der Nacht fĂŒr AuskĂŒnfte nicht erreichbar war, standen am Mittwochmorgen die PersonenzĂŒge in vielen Bahnhöfen still, Bahnsteige waren leer, wie Fotos zeigten. “Zug fĂ€llt aus”, war vielfach an den Anzeigetafeln zu verschiedenen Reisezielen zu sehen. Der Ausstand soll bereits um 02.00 Uhr begonnen haben. Schon seit Dienstagabend bestreikt die Gewerkschaft den GĂŒterverkehr.

Tausende FahrgĂ€ste mĂŒssen improvisieren, es gelten ErsatzfahrplĂ€ne. Im Fernverkehr soll noch etwa jeder vierte Zug fahren. Auch im Regionalverkehr und bei den S-Bahnen dĂŒrfte es teils erhebliche AusfĂ€lle geben. Der Streik soll in der Nacht zu Freitag enden.

Die Bahn bat FahrgĂ€ste, nicht zwingend notwendige Reisen zu verschieben. Wegen des Coronavirus rief sie auch zu RĂŒcksichtnahme in den ZĂŒgen auf. Der Ausstand trifft die FahrgĂ€ste mitten in der reisestarken Urlaubszeit: In 11 der 16 deutschen BundeslĂ€nder sind Schulferien. Betroffen sind auch grenzĂŒberschreitende Verbindungen und der Nachreiseverkehr.

Bahn-Personalvorstand Martin Seiler bezeichnete den Streik als “völlig unangemessen und ĂŒberzogen”. GDL-Chef Claus Weselsky verwies auf den ungelösten Tarifkonflikt. “Mit diesem ersten Signal muss dem Management klar werden, dass mit uns nicht gut Kirschen essen ist.”

Der Fahrgastverband Pro Bahn mahnte eine verlĂ€ssliche Information der Bahnkunden an. “Nichts ist Ă€rgerlicher als bei einem Streik auf einen Zug zu warten, der dann nicht verkehrt.” Der Verein rief die Bahn und die GDL dazu auf, in einer Schlichtung eine Lösung fĂŒr ihren Konflikt zu finden.

Die LokfĂŒhrergewerkschaft kĂ€mpft um mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen fĂŒr ihre Mitglieder bei der Deutschen Bahn. Anders als die grössere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) will sie in diesem Jahr keine Nullrunde bei den GehĂ€ltern akzeptieren. So will die GDL auch bei den Mitarbeitern im Machtkampf mit der EVG punkten.

Nicht bestreikt werden Konkurrenten der Deutschen Bahn. Sie haben im Regional- und GĂŒterverkehr betrĂ€chtliche Marktanteile. Allerdings sind auch bei ihnen EinschrĂ€nkungen möglich, wenn sich auch Fahrdienstleiter dem GDL-Streik anschliessen. Es ist der erste Streik bei der Bahn seit Dezember 2018, als die EVG ihre Mitglieder zum Arbeitskampf aufrief. Die GDL legte zuletzt vor sechs Jahren die Arbeit nieder.

Sie fordert unter anderem Lohnerhöhungen wie im öffentlichen Dienst von rund 3,2 Prozent sowie eine deutliche Corona-PrÀmie im laufenden Jahr. Die Laufzeit des Tarifvertrags soll 28 Monate betragen. Auch um Betriebsrenten wird gerungen.

Wegen Milliardenverlusten in der Pandemie will die Bahn die Erhöhung auf spĂ€tere Stufenzeitpunkte verteilen, bei einer Vertragslaufzeit von 40 Monaten. Hinzu kĂ€men Leistungen zur Altersvorsorge und der Ausschluss betriebsbedingter KĂŒndigungen.

(text:sda/bild:beo)