30 M├Ąrz 2021

Staatengemeinschaft will mit 5,3 Milliarden Euro in Syrien helfen

Weitere rund 5,3 Milliarden Euro stellt die Staatengemeinschaft bereit, um die katastrophalen Folgen des seit zehn Jahren andauernden Syrien-Konflikts abzumildern. Unter den Gebern ist auch die Schweiz.

Die Schweiz stellte f├╝r 2021 weitere 60 Millionen Franken zur Verf├╝gung, wie EDA-Staatssekret├Ąr Johannes Matyassy am Dienstagabend mitteilte. Seit 2011 habe die Schweiz ├╝ber eine halbe Milliarde Franken bereitgestellt, um der vom Konflikt betroffenen Zivilbev├Âlkerung zu helfen.

Deutschland wiederum sicherte an der Online-Geberkonferenz 1,7 Milliarden Euro zu. Dies sei die gr├Âsste zugesagte Summe seit vier Jahren, erkl├Ąrte Bundesaussenminister Heiko Maas. Unter anderem auch die USA, Grossbritannien und die EU-Kommission sagten an der Konferenz hohe Summen zu.

So sollen aus dem EU-Haushalt 2022 weitere 560 Millionen Euro zur Verf├╝gung gestellt werden – also noch einmal genauso viel wie im laufenden Jahr. Die USA k├╝ndigten neue Hilfen in H├Âhe von 596 Millionen Dollar (rund 508 Mio. Euro) an, Grossbritannien einen Beitrag von 205 Millionen Pfund (rund 240 Mio. Euro).

Zu der von der EU und den Vereinten Nationen veranstalteten Syrien-Geberkonferenz hatten sich Vertreter von mehr als 60 Staaten und Organisationen angemeldet. Die bei der Online-Veranstaltung gesammelten Gelder sind unter anderem f├╝r Nahrungsmittel, medizinische Hilfen und Schulbildung f├╝r Kinder vorgesehen.

Sie sollen ├╝ber Hilfsorganisationen direkt in das B├╝rgerkriegsland fliessen oder L├Ąndern in der Region zugute kommen, die viele Fl├╝chtlinge aus Syrien aufgenommen haben. Allein die T├╝rkei beherbergt nach eigenen Angaben rund 3,7 Millionen Menschen aus dem Nachbarstaat.

Der Konflikt in Syrien dauert mittlerweile seit 2011 an. Zwar ist die Gewalt zuletzt zur├╝ckgegangen, doch bei den Bem├╝hungen um eine politische L├Âsung gibt es derzeit keine nennenswerten Fortschritte. Die Regierung von Pr├Ąsident Baschar al-Assad beherrscht mittlerweile wieder den gr├Âssten Teil des Landes, darunter die wichtigsten St├Ądte. Daneben gibt es noch Gebiete unter Kontrolle verschiedener Rebellengruppen sowie der Kurdenmiliz YPG.

Nach Uno-Angaben litten zuletzt 12,4 Millionen Menschen und damit fast 60 Prozent der Bev├Âlkerung unter Hunger. Die Zahl der Menschen, die ohne Ern├Ąhrungshilfe nicht ├╝berleben k├Ânnen, verdoppelte sich innerhalb eines Jahres. Der Assad-Regierung fehlt Geld, um den Wiederaufbau selbst zu bezahlen.

Pr├Ąsident Baschar al-Assad und seine internationalen Unterst├╝tzer m├╝ssten endlich begreifen, dass sich auf Grundlage der aktuellen Situation keine Zukunft aufbauen lasse, sagte Maas am Dienstag. In den vergangenen zehn Jahren habe die H├Ąlfte der syrischen Bev├Âlkerung fliehen m├╝ssen. 90 Prozent der Menschen lebten mittlerweile in Armut und 2,4 Millionen Kinder k├Ânnten keine Schule besuchen.

Hilfsorganisationen halten aber auch die internationale Gemeinschaft f├╝r mitverantwortlich. So fordert Caritas-Pr├Ąsident Peter Neher, gezielte Wiederaufbaumassnahmen auch in Gebieten unter Kontrolle der Assad-F├╝hrung zuzulassen. Die humanit├Ąre Lage in dem B├╝rgerkriegsland sei eine Katastrophe, sagte er anl├Ąsslich der Geberkonferenz der Deutschen Presse-Agentur. Gezielte Wiederaufbaumassnahmen k├Ânnten das Leben der Menschen verbessern, „ohne dass man das als Freibrief f├╝r das Regime sehen kann“.

Der Syrien-Koordinator der Welthungerhilfe, Konstantin Witschel, rief dazu auf, Wege zu finden, dass die Menschen selbst f├╝r ihr Einkommen sorgen k├Ânnen. Heute seien viele zu 100 Prozent von humanit├Ąrer Hilfe abh├Ąngig. Das habe auch katastrophale psychologische Folgen.

„Es muss darum gehen, ihnen eine Perspektive jenseits eines Lebens in einem Vertriebenenlager zu geben“, sagte Witschel. Eine Generation von Kindern ohne Perspektive wachse heran. „Wir k├Ânnen nicht ├╝ber Jahrzehnte riesige Fl├╝chtlingscamps erhalten.“

Bei der Konferenz im vergangenen Jahr waren nach Zahlen der EU f├╝r 2020 insgesamt rund 4,4 Milliarden Euro und f├╝r die Zeit danach rund 2 Milliarden Euro an Spenden zugesagt worden. Nach j├╝ngsten Zahlen wurden f├╝r 2020 am Ende sogar 6,8 Milliarden Euro zur Verf├╝gung gestellt – und damit etwa 54 Prozent mehr als zun├Ąchst angek├╝ndigt.

Nach Angaben von EU-Kommissar Janez Lenarcic sollen 3,6 Milliarden Euro des Gesamtspendenbetrags von 5,3 Milliarden Euro bereits 2021 fliessen. Die restlichen 1,7 Milliarden Euro wurden demnach f├╝r 2022 und die Folgejahre zugesagt. Weitere 5,9 Milliarden Euro sollen in Form von Krediten zu Vorzugsbedingungen fliessen.

(text:sda/bild:unsplash)