15 MĂ€rz 2023

Sorge um Eskalation zwischen USA und Russland

Ein militĂ€rischer Zwischenfall zwischen den USA und Russland ĂŒber dem Schwarzen Meer hat Sorgen vor einer weiteren Eskalation geweckt.

Eine unbemannte US-MilitĂ€rdrohne war nach Angaben des US-MilitĂ€rs am Dienstag in internationalem Luftraum ĂŒber dem Schwarzen Meer mit einem russischen Kampfjet kollidiert und danach abgestĂŒrzt. Die Amerikaner gaben den Russen die Schuld fĂŒr den Vorfall, Moskau wies das von sich und erhob seinerseits VorwĂŒrfe gegen Washington.

Die US-Regierung erwĂ€gt nun, Bildmaterial von dem Vorfall zu veröffentlichen, um fĂŒr AufklĂ€rung zu sorgen. Russland wiederum will versuchen, die TrĂŒmmer zu bergen, um offenzulegen, was Washington bei der Drohnen-Mission eigentlich vorgehabt habe.

Angesichts des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine ist die Lage besonders angespannt und die Angst gross, dass sich der Krieg ausweiten und auch die USA und Russland in eine direkte militĂ€rische Konfrontation geraten könnten. Washington unterstĂŒtzt die Ukraine im ganz grossen Stil mit Waffen und militĂ€rischer AusrĂŒstung, nicht aber mit eigenen Soldaten.

Der Ort, an dem die US-Drohne und der russische Kampfjet aufeinandertrafen, liegt in unmittelbarer Nachbarschaft des Kriegsgebietes: Das Schwarze Meer grenzt an Russland und die Ukraine.

Was sagt die US-Regierung zu dem Zwischenfall?

Vom US-MilitĂ€r hiess es, die amerikanische Drohne vom Typ MQ-9 sei in internationalem Luftraum ĂŒber dem Schwarzen Meer geflogen, als zwei russische Kampfjets ein Abfangmanöver begonnen hĂ€tten. Einer der Kampfjets habe dabei den Propeller der US-Drohne getroffen. Diese sei danach nicht mehr manövrierfĂ€hig gewesen.

US-KrĂ€fte hĂ€tten sie daher ins Meer stĂŒrzen lassen mĂŒssen. Durch den Crash habe man die Drohne komplett verloren. Die USA beklagten ein “unprofessionelles”, “unsicheres” und “rĂŒcksichtsloses” Handeln der russischen Piloten. Die beiden Jets hĂ€tten sich 30 bis 40 Minuten in der NĂ€he der Drohne aufgehalten und bereits vor der Kollision Treibstoff ĂŒber dieser abgelassen, auch seien sie mehrfach direkt vor ihr hergeflogen.

Wie stellt Moskau den Vorfall dar?

Russlands Verteidigungsministerium wies jede Verantwortung fĂŒr den Absturz von sich. “Die russischen Kampfflugzeuge haben keine Bordwaffen eingesetzt, sind nicht in Kontakt mit dem unbemannten Flugapparat geraten und kehrten sicher zu ihrem Heimatflughafen zurĂŒck”, hiess es in einer von der Staatsagentur Tass verbreiteten Mitteilung.

Jets vom Typ Su-27 der Luftwaffe seien aufgestiegen, um einen unbekannten Eindringling ĂŒber dem Schwarzen Meer zu identifizieren. Der Bordfunk sei ausgeschaltet gewesen, und die Drohne habe Kurs auf Russlands Grenze genommen, hiess es. Bei einem scharfen Ausweichmanöver habe sie rapide an Höhe verloren und sei abgestĂŒrzt.

Was passiert mit den TrĂŒmmern der Drohne?

Das US-Verteidigungsministerium Àusserte sich zu einer möglichen Bergung zunÀchst nicht. Der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrates, John Kirby, betonte, die USA hÀtten Vorkehrungen getroffen, damit die Drohne nicht in fremde HÀnde gerate.

Russland kĂŒndigte am Mittwoch an, es wolle die Drohne finden und bergen. Der SekretĂ€r des Nationalen Sicherheitsrates, Nikolai Patruschew, sagte im russischen Staatsfernsehen, zwar betonten die USA immer wieder, dass sie nicht Kriegspartei seien, der Fall zeige aber ihre Beteiligung an den Kampfhandlungen. Die USA dĂŒrften russische BergungsbemĂŒhungen wiederum als Provokation verstehen.

Diplomatische Spannungen

Das US-Aussenministerium hatte nach dem Vorfall am Dienstag Russlands Botschafter in Washington, Anatoli Antonow, einbestellt, um ihm ĂŒber den Unmut der amerikanischen Regierung zu informieren. Antonow erhob am Mittwoch dann seinerseits öffentliche VorwĂŒrfe gegen die US-Regierung und beschuldigte sie, Geheimdienstinformationen zu sammeln, “die spĂ€ter vom Kiewer Regime genutzt werden, um unsere StreitkrĂ€fte und unser Territorium anzugreifen”.

Russland hatte zu Beginn des Kriegs im Schwarzen Meer einseitig neue Sperrzonen festgelegt und nach eigenen Angaben auch die internationale Gemeinschaft darĂŒber informiert. Die “inakzeptablen Aktionen des US-MilitĂ€rs in unmittelbarer NĂ€he zu unseren Grenzen” gĂ€ben Anlass zur Sorge, sagte Antonow. “Wir wissen sehr wohl, fĂŒr welche Aufgaben solche AufklĂ€rungs- und Kampfdrohnen eingesetzt werden.”

Von Drohnen und Abfangmanövern

Die MQ-9-Drohne wird in erster Linie zur AufklĂ€rung genutzt, kann aber auch PrĂ€zisionsangriffe durchfĂŒhren. Sie wird aus der Ferne gesteuert. Das Pentagon wollte zunĂ€chst keine genaueren Angaben dazu machen, was genau die Mission der Drohne in diesem Fall gewesen sei und ob sie bewaffnet war oder nicht.

Abfangmanöver haben nicht unbedingt zum Ziel, ein Flugzeug abzudrÀngen oder zur Landung zu zwingen, sondern dienen oft dazu, um etwa durch Sichtkontakt festzustellen, ob von einem verdÀchtigen FluggerÀt eine Gefahr ausgeht. Kirby betonte, solche Abfangmanöver seien nicht ungewöhnlich. Dieser Fall steche allerdings heraus durch das unsichere und unprofessionelle Vorgehen der russischen Seite.

US-Verteidigungsminister Lloyd Austin beklagte: “Der gefĂ€hrliche Vorfall ist Teil eines Musters aggressiven, riskanten und unsicheren Handelns russischer Piloten in internationalem Luftraum.” Es sei an Russland, seine MilitĂ€rflugzeuge auf sichere und professionelle Weise zu handhaben, sagte Austin und betonte, die USA wĂŒrden weiterhin dort fliegen und operieren, wo das internationale Recht das zulasse.

Das US-MilitĂ€r mahnte, die “aggressiven Handlungen” der Russen seien gefĂ€hrlich und könnten zu “unbeabsichtigten Eskalationen” fĂŒhren. Auch Kirby mahnte: “Wir wollen nicht, dass dieser Krieg ĂŒber das hinaus eskaliert, was er dem ukrainischen Volk bereits angetan hat.”

(text&bild:sda)