16 Juni 2022

Selenskyj tritt bei G7 und Nato auf – Die Nacht im ├ťberblick

Der ukrainische Pr├Ąsident Wolodymyr Selenskyj wird die Interessen seines kriegsgeplagten Landes bei den Gipfeln von G7 und Nato Ende Juni vertreten. Er habe dankbar die Einladungen zu den Spitzentreffen angenommen, teilte Selenskyj am Mittwochabend auf Twitter mit.

Unklar blieb zun├Ąchst, ob der ukrainische Staatschef daf├╝r sein Land verlassen wird oder wie bei anderen Treffen per Video zugeschaltet wird. Selenskyj sah insgesamt grosse Fortschritte bei der internationalen Unterst├╝tzung f├╝r sein Land, wie er in seiner abendlichen Videoansprache sagte.

Die milit├Ąrische Lage – vor allem in der Ostukraine – blieb dagegen ├Ąusserst gespannt. „Der erbitterte Kampf um das Gebiet Luhansk geht weiter“, teilte der ukrainische Oberkommandierende Walerij Saluschnyj mit. Die russischen Truppen griffen dort aus neun Richtungen zugleich an, schrieb er auf Facebook.

Viele internationale Kontakte der Ukraine

Selenskyj listete in seinem abendlichen Video alle internationalen Kontakte vom Mittwoch auf: Telefonate mit US-Pr├Ąsident Joe Biden und dem britischen Premierminister Boris Johnson, ein Treffen mit den Regierungschefs aus Albanien und Montenegro, Edi Rama und Dritan Abazovic. Von dem Treffen der US-gef├╝hrten Ukraine-Kontaktgruppe am Mittwoch in Br├╝ssel gehe das Signal aus, dass Waffenlieferungen verstetigt werden, sagte Selenskyj.

Biden k├╝ndigte nach dem Telefonat mit Selenskyj weitere Waffenlieferungen im Umfang von einer Milliarde US-Dollar an. Ausserdem stellten die USA weitere 225 Millionen US-Dollar (rund 217 Millionen Euro) an humanit├Ąrer Unterst├╝tzung f├╝r das Land bereit.

Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) sagte die Lieferung von drei Mehrfachraketenwerfern vom Typ Mars II zu. Dies ist allerdings ein System weniger als erwartet. Anfang Juni hatte es am Rande einer Generaldebatte im Bundestag noch aus Regierungskreisen geheissen, Deutschland werde vier Mehrfachraketenwerfer liefern.

Selenskyj sagte, zur Gruppe der sieben f├╝hrenden westlichen Industrienationen habe Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) ihn eingeladen. Die Einladung zur Nato komme von Generalsekret├Ąr Jens Stoltenberg. Das G7-Treffen soll vom 26. bis 28. Juni in dem alpinen Luxushotel Schloss Elmau in Bayern stattfinden. Zu den G7 geh├Âren neben den USA und Deutschland noch Japan, Grossbritannien, Frankreich, Italien und Kanada, ausserdem ist die EU bei allen Treffen vertreten.

Direkt im Anschluss beginnt in der spanischen Hauptstadt Madrid der Nato-Gipfel, bei dem es vor allem um die St├Ąrkung der Ostflanke gegen Russland geht. Stoltenberg sagte zur Frage, ob Selenskyj nach Madrid kommen werde: „Er ist willkommen, pers├Ânlich zu kommen. Wenn das f├╝r ihn nicht m├Âglich ist, wird er per Videokonferenz zu uns sprechen.“

Zu den engen internationalen Kontakten der Ukraine w├╝rde auch ein erwarteter Besuch von Scholz, Frankreichs Pr├Ąsident Emmanuel Macron und Italiens Regierungschef Mario Draghi passen. Wie bei anderen Besuchen in Kiew unter Kriegsbedingungen war aber nicht zu erwarten, dass diese Reise offiziell best├Ątigt wird, bevor die drei Politiker sicher angekommen sind.

K├Ąmpfe um das Gebiet Luhansk

„Um unsere Truppen zu vertreiben, setzt der Feind Flugzeuge, Mehrfach-Raketenwerfer und Artillerie ein“, schrieb der Oberkommandierende Saluschnyj ├╝ber die K├Ąmpfe im Osten. Der Schl├╝ssel der ukrainischen Verteidigungsoperation sei die seit Tagen umk├Ąmpfte Stadt Sjewjerodonezk. Die Grossstadt als Sitz der ukrainischen Verwaltung im Gebiet Luhansk ist bereits zu grossen Teilen in russischen H├Ąnden. F├╝r die Ukraine w├Ąre die Aufgabe der Stadt eine bedeutende symbolische Niederlage. F├╝r Russland wiederum ist die vollst├Ąndige Eroberung des Gebietes Luhansk ein wichtiges Kriegsziel.

Noch weniger russisches Gas f├╝r Deutschland

Der russische Energiekonzern Gazprom hat die Gasliefermengen durch die Ostseepipeline Nord Stream 1 nach Deutschland erneut reduziert. Von der Nacht zu Donnerstag an sollten t├Ąglich nur noch maximal 67 Millionen Kubikmeter durch die Leitung gepumpt werden, k├╝ndigte Gazprom an. Erneut begr├╝ndete das Staatsunternehmen diesen Schritt mit Verz├Âgerungen bei Reparaturarbeiten. Schon am Dienstag hatte Gazprom die Reduktion des Tagesvolumens von 167 Millionen um rund 40 Prozent auf 100 Millionen Kubikmeter Gas pro Tag verk├╝ndet und auf Verz├Âgerungen bei der Reparatur von Gasverdichtern verwiesen.

Nach Einsch├Ątzung von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck will Russland mit den Lieferk├╝rzungen Unruhe stiften. „Die Begr├╝ndung der russischen Seite ist schlicht vorgeschoben. Es ist offenkundig die Strategie, zu verunsichern und die Preise hochzutreiben“, hatte der Gr├╝nen-Politiker gesagt. Aktuell k├Ânnten die Mengen am Markt beschafft werden, wenn auch zu hohen Preisen. Es werde aktuell noch eingespeichert: „Die Versorgungssicherheit ist gew├Ąhrleistet.“

(text:sda/bild:sda)