26 März 2021

Schweizer Filmpreis: „Schwesterlein“ räumt ab

Das sechsfach nominierte Drama „Schwesterlein“ ist der grosse Abräumer am 24. Schweizer Filmpreis 2021. Weniger erfolgreich verlief der Abend fĂĽr „Platzspitzbaby“ – von fĂĽnf möglichen Auszeichnungen gab es eine fĂĽr die „Beste Darstellerin“ Sarah Spale.

Schweizer Filmkritikerinnen und Filmkritiker haben „Platzspitzbaby“ zum besten Schweizer Film des Jahres 2020 gekĂĽrt. Und obwohl das Drama von Regisseur Pierre Monnard um die drogensĂĽchtige Mutter Sandrine (Sarah Spale) und deren Tochter Mia (Luna Mwezi) von der Corona-Pandemie ausgebremst wurde, waren die Kinobesucherzahlen so hoch, dass der Film den Titel Kassenschlager verdient.

An der Verleihung des Schweizer Filmpreises 2021 am Freitagabend in Genf ging dann aber nur einer der fĂĽnf Nominationsträume in ErfĂĽllung. Hauptdarstellerin Sarah Spale erhielt den Quartz in der Kategorie Beste Darstellerin. Auch ihre junge Kollegin Luna Mwezi war fĂĽr den Preis nominiert. Ihr gratulierte die Preisträgerin, die vom Set der Krimiserie „Wilder“ zugeschaltet war, ebenfalls. Der Film lebe schliesslich vom Mutter-Tochter-Gespann.

Zu erwähnen ist an dieser Stelle der Spezialpreis, der dieses Jahr an die Berner KostĂĽmbildnerin und Stylistin Linda Harper vergeben wurde. Sie war fĂĽr die KostĂĽme in den Filmen „Platzspitzbaby“ und „Spagat“ (nominiert in den Sparten Beste Darstellerin und Beste Nebendarstellerin) verantwortlich.

Das GlĂĽck voll und ganz auf seiner Seite hatte „Schwesterlein“ von den Westschweizer Regisseurinnen VĂ©ronique Reymond und StĂ©phanie Chuat. Das Werk gewann in der Königskategorie Bester Spielfilm und wurde ausserdem fĂĽr die Beste Montage (Myriam Rachmuth), die Beste Kamera (Filip Zumbrunn), die Beste Nebendarstellerin (Marthe Keller als Kathy) und das Beste Drehbuch (VĂ©ronique Reymond und StĂ©phanie Chuat) prämiert.

Einzig in der neuen Kategorie Bester Ton musste das Drama um das Zwillingspaar Sven (Lars Eidinger) und Lisa (Nina Hoss) die Trophäe abtreten – sie ging an Peter Bräker fĂĽr „Nemesis“.

Den Quartz fĂĽr den Besten Dokumentarfilm gewann der Berner Regisseur Milo Rau fĂĽr das Sozialdrama „Das Neue Evangelium“. Darin erzählt er die Jesus-Geschichte im Kontext der Jetztzeit. Rau bezieht GeflĂĽchtete mit ein, die vor der Stadt in Lagern leben und auf der Suche nach einem besseren Leben unter katastrophalen Bedingungen und miserabel bezahlt als Erntearbeiter die Tomaten pflĂĽcken, die bei uns auf den Teller kommen.

In der Kategorie Bester Kurzfilm setzte sich die ZĂĽrcher Regisseurin und Drehbuchautorin GĂĽzin Kar mit „Deine Strasse“ durch. Der Quartz fĂĽr den Besten Animationsfilm gewann Georges Schwizgebel fĂĽr „Darwin’s Notebook“. Leer aus ging der dreifach nominierte Film „Mare“ (Bester Spielfilm, Bestes Drehbuch, Bester Ton).

Wie das Bundesamt fĂĽr Kultur (BAK) bereits im Vorfeld bekanntgegeben hatte, durfte Schauspielerin Liselotte Pulver den mit 30’000 Franken dotierten Ehrenpreis entgegennehmen. Eine Auszeichnung, die ihr „noch gefehlt hat“, wie die 91-Jährige im Einspieler sagte.

Bundesrat Alain Berset hatte die Bernerin schon in seiner Eröffnungsrede als eine „grosse Schauspielerin und eine grosse Schweizerin“ gewĂĽrdigt. Wie die ebenfalls ausgezeichnete Marthe Keller habe sie „die Fahne des Schweizer Films international hochgehalten“. Liselotte Pulver arbeitete mit weltbekannten Regisseuren wie Douglas Sirk („A Time to Love and a Time to Die“) oder Billy Wilder („One, Two, Three“) zusammen.

Was denn das Schönste an ihrer Karriere gewesen sei, fragte sie Ivo Kummer, Chef der Sektion Film beim BAK, den Filmstar bei der PreisĂĽbergabe im Berner Burgerspittel. Liselotte Pulver: „Das kann ich nicht beantworten, sonst werden die anderen eifersĂĽchtig.“

(text:sda/bild:vegafilm)