16 März 2021

Schweizer sparten im zweiten Lockdown viel weniger

Spare in der Zeit, so hast du in der Not: das altbekannte Sprichwort kam bei Schweizern in der Coronakrise genau umgekehrt zum Tragen. Vor allem während des ersten Lockdowns wurde viel weniger konsumiert und daher Geld zur Seite gelegt. Im aktuellen, zweiten Lockdown hat sich dieser Effekt jedoch klar abgeschwächt.

„Die erzwungene Konsumpause mit geschlossenen Restaurants und L√§den brachte den durchschnittlichen Haushalt dazu, im ersten Lockdown zus√§tzliche 3000 Franken auf die Seite zu legen“, sagte Credit Suisse-√Ėkonom Claude Maurer, Mitautor des am Dienstag publizierten „Monitor Schweiz“ zu den Medien.

Normalerweise w√ľrden Schweizer im Schnitt rund 15 Prozent ihres Einkommens freiwillig zur Seite legen. „Im ersten Lockdown waren es zeitweise 30 Prozent“, so Maurer. Die vier Millionen Haushalte h√§tten in den drei Monaten Lockdown somit insgesamt ungef√§hr 12 Milliarden Franken zus√§tzlich gespart. Geholfen habe, dass viele Einkommen dank den Zahlungen der Arbeitslosenversicherung weniger stark gesunken seien als der Konsum.

Nach √Ėffnung der L√§den und Restaurants im Sommer h√§tten die Konsumenten das gesparte Geld dann wieder rege ausgegeben. „Wir sahen nach Lockdown-Ende eine markante Zunahme der Wirtschaftsleistung“, f√ľhrte Maurer aus.

Ganz anders sah es hingegen in der zweiten Welle aus. Hier lag der zus√§tzliche Sparbetrag laut den CS-Experten wegen den weniger restriktiven Massnahmen nur noch bei etwa 880 Franken pro Haushalt. „Entsprechend ist das Polster f√ľr den Nachholkonsum deutlich d√ľnner als in der ersten Welle“, sagte Maurer. Konkret w√ľrden derzeit etwa 3,4 Milliarden auf den Konten der Schweizer liegen, die es auszugeben gelte, sobald etwa die Restaurants wieder aufgingen.

Gerade die Gastst√§tten w√ľrden allerdings wohl noch l√§ngere Zeit mit den Folgen der Schliessungen zu k√§mpfen haben, so der Experte weiter. „Ein Restaurant wird gem√§ss unseren Berechnungen etwa 14 Wochen ge√∂ffnet haben m√ľssen, um eine Woche Lockdown zu kompensieren.“ Die Kunden w√ľrden die verpassten Restaurant-Besuche n√§mlich nur bedingt nachholen und nach Wiederer√∂ffnung trotzdem nicht t√§glich ein Speiselokal besuchen.

Schlecht sehe es auch f√ľr die Hotels aus. Diese waren w√§hrend des Lockdowns zwar gr√∂sstenteils ge√∂ffnet, doch blieben die G√§ste weg. Und im Sommer 2021, wenn die Schweizer vielleicht wieder nach Mallorca reisen d√ľrfen, dann w√ľrden auch noch die G√§ste fehlen, die im Winter zwangsweise im Inland ihre Ferien verbrachten.
(text:sda/bild:archiv)