3 Juni 2021

Schweiz unterliegt Deutschland im Penaltyschiessen

Der Traum von der Medaille – von der Goldmedaille – ist an der Eishockey-WM in Riga j├Ąh geplatzt. Die Schweizer verlieren gegen Deutschland nach einer 2:0-F├╝hrung mit 2:3 nach Penaltyschiessen.

Wieder ein Schweizer Drama an einer Weltmeisterschaft! Vor zwei Jahren kosteten in der Slowakei der Schweiz 0,4 Sekunden den Sieg ├╝ber Kanada und die Halbfinalqualifikation. Diesmal f├╝hrten die Schweizer gegen Deutschland im zweiten Abschnitt 2:0, kassierten aber etwas mehr als 43 Sekunden vor Schluss den 2:2-Ausgleich und verloren letztlich – wieder nach einer F├╝hrung – auch das Penaltyschiessen.

Timo Meier traf im Penaltyschiessen f├╝r die Schweiz zum 1:0. Dominik Kahun von den Edmonton Oilers mit dem dritten deutschen Versuch glich umgehend aus. Marcel Noebels spielte mit dem zehnten Penalty (und dem ersten deutschen Match-Puck) Goalie Leonardo Genoni bilderbuchm├Ąssig aus.

Eins muss festgehalten werden: Deutschland gewann diesen Viertelfinal nicht unverdient. Die Partie verlief so ganz und gar nicht so, wie sich Patrick Fischer und seine Mannen das vorgestellt hatten. Die Deutschen legten das spielerische Element und die spielerische Klasse der Schweizer ├╝ber weite Strecken lahm.

Auch das Schussverh├Ąltnis unterstrich diese Tatsache. Deutschland schoss w├Ąhrend 70 Minuten (inklusive 10 Minuten Verl├Ąngerung) 40 Mal auf das Tor von Leonardo Genoni. Die Schweizer kamen nur zu 22 Torsch├╝ssen. Auch im Penaltyschiessen ├╝berzeugten die Schweizer nicht. Nur Timo Meier re├╝ssierte. Er schoss als einziger mit ├ťberzeugung. Enzo Corvi, Sven Andrighetto, Andres Amb├╝hl und Gregory Hofmann verdribbelten sich gegen Mathias Niederberger, den die Deutschen die „Krake von Riga“ nennen.

Bis 44 Sekunden vor Schluss hatten die Schweizer trotz aller M├Ąngel den Sieg vor Augen. Sie gingen 2:0 in F├╝hrung – dank zwei Geniestreichen. In der 16. Minute st├╝rmte Verteidiger Ramon Untersander in die Offensive und sorgte so f├╝r die Unordnung in der deutschen Abwehr. Untersander wurde von Santeri Alatalo angespielt; der SCB-Verteidiger erzielte sein erstes Tor in Riga zum 1:0.

In der 34. Minute erh├Âhte Fabrice Herzog auf 2:0. Tristan Scherwey und Christoph Bertschy hatten Herzog bei diesem Konter musterg├╝ltig freigespielt.

Vier Minuten lang f├╝hrten die Schweizer scheinbar vorentscheidend 2:0. Ausserdem konnten sie im zweiten Abschnitt fast zwei Minuten lang in doppelter ├ťberzahl Powerplay spielen.

Aber die Deutschen waren es, die den Weg zur├╝ck ins Spiel fanden. Tom K├╝hnhackl, dem Sohn von Erich K├╝hnhackl, gelang der Anschlusstreffer. Jonas Siegenthaler erm├Âglichte mit einem Puckverlust hinter dem eigenen Tor dieses deutsche Goal.

Dieser Gegentreffer hinterliess Spuren. Es begann das grosse Zittern und Bangen. Die Schweizer suchten ihr Heil in defensiver Passivit├Ąt. „Diese Passivit├Ąt kann man sich so auf diesem Niveau nicht erlauben“, stellte der 37-j├Ąhrige Andres Amb├╝hl hinterher konsterniert fest.

Die Deutschen profitierten. Sie spielten gut – nicht erst nach dem 0:2. Moritz M├╝ller (48.), Marcel Noebels mit einem „Buebetrickli“ (50.) und Markus Eisenschmid (56.) kamen dem Ausgleich schon vor Leon Gawankes 2:2-Ausgleich (mit sechs Feldspielern auf dem Eis) verschiedentlich sehr nahe.

Der Ausgang im Penaltyschiessen war fast voraussehbar. Schon der Blick in die Gesichter verhiess wenig Gutes. Nur Leonardo Genoni l├Ąchelte. Den Schweizer Feldspielern stand die Angst vor dem Versagen ins Gesicht geschrieben. Derweil strahlten die Deutschen Zuversicht und Lockerheit aus.

Deutschland spielt am Wochenende nun erstmals seit 1953 um eine WM-Medaille. Die Deutschen holten Medaillen in der modernen Ära nur noch an Olympischen Spielen. Die Schweizer dagegen verloren erstmals in der Geschichte ein K.o.-Spiel nach einer Zweitore-Führung. Und sie müssen ein weiteres Jahr warten, um den Traum von der ersten WM-Goldmedaille endlich zu verwirklichen.

(text:sda/bild:sda)