3 Juli 2021

Schweiz hinkt dem EU-Verbot fĂŒr Plastik-Einwegprodukte hinterher

Seit Samstag sind in den 27 EU-Mitgliedstaaten zahlreiche Einwegprodukte aus Plastik verboten. Betroffen sind unter anderem Einmalbesteck und -teller sowie Trinkröhrchen. Die Schweiz ist noch nicht so weit, hat sich doch der Bundesrat gegen ein nationales Verbot ausgesprochen – allerdings haben einzelne Branchen und Kantone Schritte unternommen.

So mĂŒssen in Basel-Stadt seit dem 1. September 2019 GetrĂ€nke und Esswaren im öffentlichen Raum in Mehrweggeschirr verkauft werden. Anfang 2020 verbot auch die Stadt Genf Einweg-Plastikprodukte wie Trinkröhrli, Besteck, Becher und andere BehĂ€ltnisse. Das Verbot betrifft VerkaufsstĂ€nde und alle von der Stadt bewilligten AnlĂ€sse auf öffentlichem Grund.

Einzelne Detail- und GrosshÀndler wie die Migros haben unterdessen freiwillig verschiedene Kunststoffprodukte aus dem Sortiment genommen oder ersetzt.

Wie der Bundesrat im Mai vergangenen Jahres in einer Stellungnahme im Parlament klarstellte, besteht eine Branchenvereinbarung aus dem Jahr 2016 zur Verringerung des Verbrauchs von Einweg-PlastiksÀcken zwischen der Swiss Retail Federation und der Interessengemeinschaft Detailhandel Schweiz.

Die Massnahmen sollen diejenigen Branchen betreffen, die vor allem Einwegplastikartikel verkaufen wie der Detailhandel, Tankstellen-Shops, Kioske, Take-Aways und Fastfood-VerkÀufer.

Nach einer SchĂ€tzung des Bundesamtes fĂŒr Umwelt (Bafu) gelangen pro Jahr rund 14’000 Tonnen Kunststoffe in Schweizer Böden und GewĂ€sser. Hauptverantwortlich sind dafĂŒr der Reifenabrieb und das Littering. Die Ergebnisse stammen aus einer vom Bafu in Auftrag gegebenen Metastudie, die im Mai vergangenen Jahres veröffentlicht wurde.

Rund eine Million Tonnen Kunststoffe wird in der Schweiz jedes Jahr zu Wegwerfprodukten wie Verpackungen oder Einweggeschirr verarbeitet, aber auch zu GĂŒtern mit einer lĂ€ngeren Lebensdauer wie Fensterrahmen oder Karosserieteile fĂŒr Autos.

780’000 Tonnen dieser Kunststoffe landen im MĂŒll. Dank der Abfallentsorgung, der Reinigung des öffentlichen Raums, der StrassenentwĂ€sserung und der Abwasserbehandlung könnten zwar grosse Mengen dieser AbfĂ€lle zurĂŒckgehalten werden, so das Bafu. Doch trotzdem gelangten schĂ€tzungsweise immer noch jĂ€hrlich rund 14’000 Tonnen Plastikpartikel in Böden, Luft und GewĂ€sser.

Und die Schweiz ist alles andere als eine MusterschĂŒlerin: Pro Jahr und Person fĂ€llt nach Angaben der Meeresschutzorganisation OceanCare rund dreimal mehr Plastikabfall an als im europĂ€ischen Durchschnitt. Demnach wird der grösste Teil des MĂŒlls in der Schweiz nach wie vor verbrannt. Dabei entstĂŒnden pro 1000 Kilogramm Abfall rund 170 Kilogramm hochgiftiger SondermĂŒll, der eingelagert werden muss.

Weil in den Kompostierungsanlagen nicht alle dieser Kunststoff-Fragmente entfernt werden können, gelangen sie via Kompost und GÀrgut in die Böden und belasten laut dem Bafu so die Umwelt. Dort zersetzen sie sich nach und nach zu Mikroplastik und verbleiben dort SchÀtzungen zufolge bis zu mehreren Hundert Jahren, bis sie abgebaut sind.

GemĂ€ss dem Bundesamt fĂŒr Umwelt finden sich Kunststoffe in allen untersuchten Schweizer Seen, FlĂŒssen und wohl auch fast in allen Böden. Menschen und Tiere nehmen Mikroplastik ĂŒber Nahrung oder Atmung auf, scheiden sie aber zu einem grossen Teil wieder aus.

(text:sda/bild:unsplash)