12 April 2022

Sch├╝sse und Rauch in New Yorker U-Bahn: Mindestens 16 Verletzte

Dramatische Szenen in der New Yorker U-Bahn: Bei einem Vorfall mit Sch├╝ssen und Rauchschwaden sind am Dienstag mitten in der morgendlichen Rush Hour im New Yorker Stadtteil Brooklyn mindestens 16 Menschen verletzt worden. Zehn von ihnen erlitten Schussverletzungen, f├╝nf seien in einem kritischen, aber nicht lebensgef├Ąhrlichen Zustand, teilten Polizei und Feuerwehr wenige Stunden nach dem Vorfall bei einer Pressekonferenz mit.

Ein Mann habe in einem Zug der Linie N Richtung Manhattan kurz vor der Station 36th Street pl├Âtzlich eine Art Gasmaske angezogen und dann einen Kanister ge├Âffnet, aus dem Nebel oder Rauch str├Âmte, sagte Polizeichefin Keechant Sewell. Danach habe er das Feuer er├Âffnet. B├╝rgermeister Eric Adams sprach von „Rauchbomben“. Der Mann, der eine Art gr├╝ne Bauarbeiter-Weste und einen grauen Kapuzen-Pullover trug, war zun├Ąchst auf der Flucht. Die New Yorker Polizei erh├Âhte ihre Pr├Ąsenz in der U-Bahn.

Der Sch├╝tze sei „gef├Ąhrlich“, sagte New Yorks Gouverneurin Kathy Hochul. Die Beh├Ârden forderten alle B├╝rger auf, „sehr vorsichtig und wachsam“ zu sein, sagte sie. Wer Hinweise habe, solle die Polizei verst├Ąndigen.

Sein Motiv sei vorerst unklar, sagte Sewell. „Dies wird derzeit nicht als terroristischer Akt untersucht.“ Die Ermittlungen liefen aber erst seit wenigen Stunden, die Situation k├Ânne sich noch ├Ąndern, man schliesse auch nichts aus. Aktuell gebe es keine aktiven Sprengs├Ątze in der New Yorker U-Bahn.

Auf Videos war zu sehen, wie Menschen in der Station 36th Street im Viertel Sunset Park aus einem U-Bahn-Wagen str├Âmten, umgeben von Nebel- oder Rauchschwaden, einige blieben am Boden liegen, Blut war zu sehen, andere k├╝mmerten sich um die Verletzten.

Es kam zu zahlreichen Versp├Ątungen und Ausf├Ąllen im U-Bahn-System. Die Schulen in der Umgebung der Station schlossen vor├╝bergehend, wie US-Medien einen Sprecher des New Yorker Schulsystems zitierten. Es durften nur noch Schulkinder hinein, aber niemand anderes und auch niemand mehr hinaus.

Das Viertel Sunset Park war fr├╝her vor allem industriell gepr├Ągt, heute leben und arbeiten dort aber auch viele junge Menschen und Familien. Um die Ecke liegt auch eine Trainingshalle des Basketball-Teams Brooklyn Nets. Zahlreiche U-Bahn-Linien f├╝hren durch die Gegend, die unter anderem Menschen von Brooklyn nach Manhattan bringen, beispielsweise zur Arbeit und zur├╝ck nach Hause.

US-Pr├Ąsident Joe Biden wurde umgehend ├╝ber den Vorfall informiert. F├╝hrende Mitarbeiter des Weissen Hauses st├╝nden in Kontakt mit dem New Yorker B├╝rgermeister Adams und der Polizeif├╝hrung, erkl├Ąrte Bidens Sprecherin Jen Psaki ├╝ber Twitter. Die Bundesregierung stehe bereit, den New Yorker Beh├Ârden im Bedarfsfall jegliche ben├Âtigte Hilfe zukommen zu lassen. Auch B├╝rgermeister Adams und Gouverneurin Hochul teilten mit, sie w├╝rden laufend ├╝ber das aktuelle Geschehen informiert.

Chuck Schumer, der Mehrheitsf├╝hrer der Demokraten im US-Senat, schrieb auf Twitter, er verfolge die Situation „in unserem geliebten Brooklyn“ sehr genau. „Ich bete f├╝r alle Opfer, deren Familien, alle Betroffenen“, schrieb er. Schumer dankte den Hilfskr├Ąften f├╝r ihren schnellen Einsatz. Der Senator forderte die B├╝rger auf, gut auf sich aufzupassen. „An alle in New York: Stay safe“, schrieb er.

In New York hatten in den vergangenen Monaten zahlreiche Schiessereien und andere Kriminalf├Ąlle f├╝r Schlagzeilen gesorgt – auch in der U-Bahn. 2017 hatte es einen versuchten Terroranschlag in einem unterirdischen Verbindungstunnel zwischen dem Busbahnhof Port Authority und der U-Bahn-Station Times Square gegeben, der damals 27 Jahre alte T├Ąter war im vergangenen Jahr zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Er hatte zur Hauptverkehrszeit versucht, sich mit einer selbstgebauten Rohrbombe in die Luft zu sprengen.

B├╝rgermeister Adams, ein fr├╝herer Polizist, der erst Anfang des Jahres seinen Job angetreten hatte, hatte versprochen, scharf gegen Kriminalit├Ąt vorzugehen. Wegen einer Infektion mit dem Coronavirus musste Adams aus seiner Isolation heraus die Informationen zu dem Vorfall beobachten.

„Normale New Yorker sind heute Morgen aufgewacht und haben einen relativ normalen Tag erwartet“, sagte Gouverneurin Hochul. Dieses „Gef├╝hl von Ruhe und Normalit├Ąt“ sei dann von einem „kaltherzigen“ Menschen brutal zerst├Ârt worden. „Heute ist der Tag, an dem wir New Yorker zusammenkommen mit dem gemeinsamen Ziel zu sagen: Es reicht!“

(text:sda/bild:unsplash-symboldbild)