16 Juli 2022

Russland droht NZZ nach Kritik an Putin mit Klage

Russland hat der „Neuen Z├╝rcher Zeitung“ nach der Publikation von kritischen Berichten und einer Karikatur von Kremlchef Wladimir Putin mit einer Klage gedroht. Die russische Botschaft ver├Âffentlichte einen entsprechenden Brief an NZZ-Chefredaktor Eric Gujer.

„Wir sind ├Ąusserst emp├Ârt ├╝ber die Ver├Âffentlichung der beleidigenden Karikatur vom Pr├Ąsidenten der Russischen F├Âderation“, hiess es in dem Schreiben. Dieses ver├Âffentlichte der Pressedienst der Russischen Botschaft in der Schweiz am Samstag auf seiner Internetseite.

„Wir glauben, dass die Meinungsfreiheit in keiner Weise mit Freiheit der Verbreitung der Beleidigungen und Fakes kompatibel ist“, schrieb die russische Botschaft. Man behalte sich das Recht vor, den Artikel sowie m├Âgliche k├╝nftige „verleumderische und beleidigende“ Publikationen hinsichtlich der russischen Staatsf├╝hrung wegen ├╝bler Nachrede und Verleumdung anzuzeigen, hiess es.

Anlass ist den Angaben zufolge ein Artikel in der NZZ-Ausgabe von vor einer Woche am 9. Juli unter dem Titel „Superhelden und Schurken entfalten Schlagkraft im Internet“. Darin schrieb die Zeitung, dass der Krieg in der Ukraine auch ein Gefecht der Narrative sei. Sogenannte Memes w├╝rden „aufsteigende Underdogs und gefallene B├Âsewichte“ zeigen.

Illustriert war der Text unter anderem mit einem retuschierten Foto von Putin mit roter Clownnase und Regenbogenfarben auf dem Gesicht. Das Foto war zuvor auf Twitter unter dem Hashtag „#PutinWarCriminal“ (zu Deutsch „#PutinKriegsverbrecher“) verbreitet worden.

Die russische Botschaft hatte die NZZ bereits fr├╝her f├╝r Berichte ├╝ber Russland und den Ukraine-Krieg kritisiert. Von der NZZ lag zun├Ąchst keine Stellungnahme vor.

Seit der Entsendung von Truppen in die Ukraine geht Russland im Inland in beispielloser Weise gegen Medien und die Opposition vor. Das Land erkl├Ąrte mehrere Organisationen f├╝r „unerw├╝nscht“ und bezeichnete sie als „Bedrohung“. Wenn ausl├Ąndische Organisationen, Stiftungen oder Unternehmen als „unerw├╝nscht“ eingestuft werden, drohen Russen mit Verbindungen zu solchen Organisationen hohe Geldstrafen oder Haftstrafen von bis zu sechs Jahren.

(text:sda/bild:unsplash)