15 MĂ€rz 2021

Rekordverlust bei den SBB im Pandemiejahr – Nachfrage bricht ein

Die SBB sind im Pandemiejahr 2020 rekordtief in die roten Zahlen gefahren. Die Nachfrage brach um einen Drittel ein. In der Bilanz schlĂ€gt sich das mit einem Verlust von 617 Millionen Franken nieder. Seit FrĂŒhling 2020 spart der Bundesbetrieb.

2019 hatte die Bahn noch ein positives Ergebnis von 463 Milionen Franken gemeldet. „Die SBB haben ein spezielles Jahr hinter sich“, bilanzierte denn auch VerwaltungsratsprĂ€sidentin Monika Ribar am Donnerstag bei der Bilanzmedienkonferenz mit einem hörbaren Seufzer. Der Verlust sei wegen der Covid-19-Pandemie der höchste seit der Ausgliederung der Bahn in eine AG 1999.

Der Start ins Jahr sei noch geglĂŒckt, doch das habe der Lockdown vor einem Jahr zunichte gemacht. Den Hoffnungsschimmer vom Sommer mit vielen einheimischen Reisenden habe dann die zweite Welle ausgelöscht.

Bahnchef Vincent Ducrot erinnerte an die Schwierigkeiten in dem „speziellen Jahr“. Am 19. MĂ€rz 2020 hatten die SBB das Angebot heruntergefahren. Viele Pendlerinnen und Pendler arbeiteten im Home Office, FahrgĂ€ste aus dem Ausland blieben aus. An die Abonnements-Inhaber zahlten die SBB 100 Millionen Franken zurĂŒck. Die Mieten fĂŒr 1200 GeschĂ€fte in den Bahnhöfen wurden angepasst.

Durch die verschiedenen behördlich verfĂŒgten Massnahmen beförderten die SBB pro Tag durchschnittlich noch 843’000 Reisende, ĂŒber einen Drittel weniger als im Vorjahr.

Die Personenkilometer sanken gesamthaft um 40,6 Prozent. Dabei schlug im Fernverkehr ein Minus von 43,7 Prozent zu Buche und im Regionalverkehr eines von 32,4 Prozent. Im internationalen Personenverkehr war der RĂŒckgang mit 51,2 Prozent noch drastischer.

Auch in den Bahnhöfen versiegten die Besucherströme. Weniger Reisende und Ladenschliessungen sind die Ursache fĂŒr den RĂŒckgang um einen Drittel.

Die finanziellen ErtrĂ€ge im Personenverkehr sanken gegenĂŒber dem Vorjahr um 28,9 Prozent, die DrittumsĂ€tze in Bahnhöfen um 26,8 und die ErtrĂ€ge aus den Trassen um 12,4 Prozent. Der GĂŒterverkehr war auf Tonnenkilometer bezogen um 2,4 Prozent rĂŒcklĂ€ufig.

Wie SBB-Finanzchef Christoph Hammer erklĂ€rte, verursachte der PassagierrĂŒckgang im Personenverkehr einen Verlust von 661 Millionen Franken. Bei SBB Cargo Schweiz resultierte ein Verlust von 34,7 Millionen Franken, bei Cargo International ein Gewinn von 4,6 Millionen Franken.

Mit ihren Immobilien erwirtschafteten die SBB 244 Millionen Franken. Sie sind damit ein wichtiges Ertragsbein und stĂŒtzen die Pensionskasse, wie Hammer sagte. Die Infrastruktur fuhr 45,8 Millionen Franken Verlust wegen gesunkener Trassenerlöse und ProduktivitĂ€tsverluste durch Corona ein.

Die SBB betreiben den Fernverkehr und die Immobilien eigenwirtschaftlich, beim GĂŒterverkehr ist das teilweise der Fall. Regionalverkehr und Infrastruktur sind subventioniert. Die Nettoverschuldung der Bahn stieg um 1,5 Milliarden Franken. Die LiquiditĂ€t ist durch den Bund gesichert.

Angesichts der angespannten Finanzlage schnallen die SBB den GĂŒrtel enger. So herrscht in der Verwaltung ein Anstellungsstopp, wie die Bahn am Montag an ihrer Bilanzmedienkonferenz mitteilte. Zudem stellen die SBB Investitionen zurĂŒck und fĂŒhren Projekte nach Wichtigkeit aus. Das ergab einen Spareffekt in dreistelliger Millionenhöhe.

Neben den wirtschaftlichen Hiobsbotschaften berichteten die SBB-Verantwortlichen auch Positives. So normalisiert sich Mitte 2021 der Personalbestand bei LokomotivfĂŒhrern und Kundenbegleitern, wie Ducrot erklĂ€rte.

Bei der Flotte der Dosto-FernverkehrszĂŒge und bei anderem neuen Rollmaterial werden die Kinderkrankheiten ausgemerzt. Und am 1. April startet die Metro Ticino, das S-Bahnnetz des SĂŒdkantons.

Bei den Aussichten hielten sich die Verantwortlichen zurĂŒck. Das MobilitĂ€tsverhalten sei in der aktuellen Pandemie schlecht vorauszusehen. 2021 wollen die SBB ihr Augenmerk auf die Kundinnen und Kunden richten.

Insgesamt zeigte sich die Kundschaft 2020 mit den SBB zufrieden. 76,3 Punkte ihre Zufriedenheit, 0,5 Punkte mehr als 2019. Die Personalzufriedenheit legte um 4 auf 70 Punkte zu.

(text:sda/bild:unsplash)