14 Juni 2021

Pressestimmen zur CO2-Abstimmung

Einige Schweizer Zeitungen verweisen auf die tiefe Kluft, die sich anl├Ąsslich der CO2-Abstimmung zwischen St├Ądtern und Menschen auf dem Lande gezeigt habe. Andere schliessen: Die Schweiz hat mit dem Portemonnaie gew├Ąhlt.

“Mit dem Nein zu den beiden Agrarinitiativen und zum CO2-Gesetz erleidet die urbane Schweiz eine schwere Niederlage. Die Abstimmung offenbart ein tief gespaltenes Land….Die Landschweiz begehrt auf,” unterstreicht der “Tages-Anzeiger” in einem Leitartikel. Nach dem Supersonntag st├╝nden sich zwei Schweizen gegen├╝ber, die sich nicht verst├╝nden und an einander vorbeiredeten.

Auch “Le Temps” diagnostiziert eine tiefe Spaltung in der Schweiz. Auf der einen Seite st├╝nden die St├Ądter und ungest├╝me Klimaaktivisten, auf der anderen die Bauern, die sich und ihre Arbeitsmethoden mit den Agrarinitiativen angegriffen f├╝hlten. Die Abstimmung ├╝ber das CO2-Gesetz sei dabei zum Kollateralschaden geworden.

Die “Neue Z├╝rcher Zeitung” sieht vor allem finanzielle Motive hinter der Ablehnung des CO2-Gesetzes. “Die Debatte ├╝ber das CO2-Gesetz wurde von der Frage des Portemonnaies beherrscht…. Die Sorge um die finanziellen Konsequenzen der Klimaschutzmassnahmen war gr├Âsser als die Angst vor dem Klimawandel.” Das Nein zum CO2-Gesetz sei ein Hammerschlag f├╝r die Schweizer Politik. Nun liege die Klimapolitik der Schweiz in Tr├╝mmern.

“La Libert├ę” sieht das ├Ąhnlich. ” Die Schweizer sind “gr├╝n, aber nicht zu gr├╝n” und unterst├╝tzen die Umwelt, solange es sie fast nichts kostet – und solange keine Windr├Ąder in ihren Hinterh├Âfen wachsen.” Das Abstimmungsergebnis sei ein durchschlagender Erfolg f├╝r die SVP, die es geschafft habe, die Debatte vom Klimanotstand auf die finanziellen Auswirkungen der in Bern beschlossenen Reform zu verlagern.

Auch die “Berner Zeitung” sieht die Ablehnung des CO2-Gesetzes als einen Sieg der SVP – und der Erd├Âlwirtschaft – und warnt vor ernsten Konsequenzen. Es werde nun kaum m├Âglich sein, den Treibhausgasausstoss bis 2030 wie geplant zu halbieren.

Die Zeitungen sind sich einig, dass es nun Alternativen zum CO2-Gesetz geben muss. “Le Temps” fordert daf├╝r vor allem von den Klimaaktivisten ein wenig politischen Realismus.

Nach Meinung der “Neue Z├╝rcher Zeitung” m├╝ssen die Gegner des CO2-Gesetzes nun einen Plan vorlegen, der aufzeige, wie der Ausstoss von Treibhausgasen eleganter reduziert werden k├Ânne. F├╝r eine Neujustierung der Schweizer Klimapolitik bleibe wenig Zeit. “Einen Stillstand im Klimaschutz kann sich die Schweiz auch nach diesem Volksnein nicht leisten.”

Die “Berner Zeitung” sorgt sich, dass es nun weiter wertvolle Zeit kosten werde , bis eine neue L├Âsung f├╝r die Klimapolitik vorliegen k├Ânne. “Der Weg zur Klimaneutralit├Ąt ist gestern Sonntag von einer beschwerlichen Bergwanderung zur riskanten Klettertour geworden: Die Chancen, das Ziel zur erreichen, sind kleiner denn je, umso gr├Âsser ist daf├╝r die Absturzgefahr.”

Um Fortschritte zu erreichen, m├╝sse es Kompromisse im Kampf gegen, den Klimawandel geben, betont der “Tages-Anzeiger”. “Es muss eine Klimal├Âsung her. Wenn wir politisch vorw├Ąrtskommen wollen, m├╝ssen wir wieder mehr miteinander reden und einen neuen Kompromiss schmieden. Ohne Austausch gibt es keine Deals. Sondern Blockade.”

(text:sda/bild: