9 April 2021

Parkinson ist die am stÀrksten zunehmende neurologische Erkrankung

„Der Bulle von Tölz“ hat’s ebenso wie Michael J. Fox; Roosevelt, Mao und Breschnew litten darunter, auch DalĂ­ und Muhammad Ali – und momentan ĂŒber 15’000 Schweizerinnen und Schweizer: Parkinson. Am Sonntag ist Welt-Parkinson-Tag. Zeit, ĂŒber FrĂŒherkennung aufzuklĂ€ren.

„SchĂŒttellĂ€hmung“ nannte man frĂŒher die Krankheit, weil Zittern ihr hervorstechendstes Merkmal ist. Doch der Tremor „ist nur eines von vielen Symptomen, an denen Parkinson-Patientinnen und -Patienten leiden können“, betont Prof. Dr. med. Dr. phil. Alain Kaelin, Neurologe und PrĂ€sident der Swiss Movement Disorders Society (SMDS), in einer Mitteilung der SMDS und der Schweizerischen Neurologischen Gesellschaft (SNG) vom Freitag.

Parkinson sei „eine missverstandene Erkrankung mit vielen Gesichtern“, die unter anderem erheblich aufs GemĂŒt schlĂ€gt. Alarmzeichen, die auftreten, bevor sich die Krankheit motorisch manifestiert, sind beispielsweise eine Verminderung des Geruchssinns, TagesschlĂ€frigkeit, Blutdruckabfall im Stehen, MuskelkrĂ€mpfe im Nacken- und Schulterbereich. Ob tatsĂ€chlich Parkinson vorliegt, können indes nur Fachpersonen klĂ€ren.

Weil das vielfĂ€ltige Erscheinungsbild die FrĂŒherkennung erschwert, und kĂŒnftig mehr Personen daran erkranken werden, sei „ein verstĂ€rktes gesellschaftliches Bewusstsein fĂŒr die Erkrankung wichtig“, schreiben SMDS und SNG. Grund, aus Anlass des weltweiten Aktionstags ĂŒber die heimtĂŒckische Krankheit, deren Auslöser man immer noch nicht kennt, aufzuklĂ€ren.

Zu den hĂ€ufigsten motorischen Symptomen von Parkinson zĂ€hlen neben einem Tremor eine Bewegungsverlangsamung, eine Gleichgewichtsstörung, Steifheit, RĂŒcken-und Schulterschmerzen sowie eine reduzierte Mimik (Hypomimie). Bei vielen Parkinson-Patientinnen und -Patienten Ă€ussert sich die Erkrankung auch durch nicht-motorische Symptome wie Schlafstörungen und Depressionen.

Parkinson ist gemĂ€ss Weltgesundheitsorganisation (WHO) die weltweit am stĂ€rksten zunehmende neurologische Erkrankung. Grund dafĂŒr ist die zunehmende Alterung der Bevölkerung. Bei der Parkinson-Erkrankung werden unter anderem die Nervenzellen im Gehirn, die den Botenstoff Dopamin produzieren, aus aktuell noch ungeklĂ€rten GrĂŒnden langsam fortschreitend geschĂ€digt.

Der Dopamin-Mangel fĂŒhrt im Körper zu motorischen und nicht-motorischen Funktionsstörungen. „Obwohl eine Heilung derzeit noch nicht möglich ist, können die Symptome mit einer interprofessionellen Behandlung durch Neurologinnen und Neurologen zusammen mit anderen Gesundheitsfachpersonen wie Physiotherapeutinnen und -therapeuten sowie Pflegefachpersonen gut gelindert werden“, heisst es in der Mitteilung.

„Die meisten Patientinnen und Patienten können durch das in der Regel sehr langsame Fortschreiten der Parkinson-Erkrankung bis ins hohe Alter von der bestmöglichen LebensqualitĂ€t profitieren. Voraussetzung dafĂŒr sind eine rechtzeitige Diagnose, eine individuell angepasste Therapie und gewisse Anpassungen des Lebensstils.“

(text:sda/bild:pixabay)