10 Juni 2022

Pariser Terrorprozess: Lebenslang fĂŒr Hauptangeklagten gefordert

Im Prozess um die TerroranschlĂ€ge in Paris vom November 2015 hat die Staatsanwaltschaft eine lebenslange Haftstrafe fĂŒr den Hauptangeklagten gefordert. Salah Abdeslam sei eine SchlĂŒsselfigur bei den islamistisch motivierten AnschlĂ€gen gewesen, sagte StaatsanwĂ€ltin Camille Hennetier am Freitag im Pariser Justizpalast. Wegen der immensen Schwere der Taten, die ihm zur Last gelegt werden, solle die Strafe ohne Möglichkeit zur HaftverkĂŒrzung verhĂ€ngt werden.

Abdeslam gilt als einziger Überlebender des damaligen Terrorkommandos. Hennetier sagte, er selbst habe sich als Soldat der Terrororganisation Islamischer Staat dargestellt und sei seiner Ideologie bis zum Ende treu geblieben.

Der Prozess rollt die Anschlagsserie vom 13. November 2015 auf. Bei den AnschlĂ€gen hatten Extremisten insgesamt 130 Menschen getötet und 350 weitere verletzt. Sie richteten ein Massaker im Konzertsaal „Bataclan“ an und beschossen Bars und Restaurants im Osten der französischen Hauptstadt. Ausserdem sprengten sich drei SelbstmordattentĂ€ter an dem Abend wĂ€hrend eines Fussball-LĂ€nderspiels zwischen Deutschland und Frankreich am Stade de France in die Luft. Der IS reklamierte die AnschlĂ€ge fĂŒr sich.

Neben Abdeslam mĂŒssen sich 19 weitere Beschuldigte in dem seit Herbst laufendem Mammutverfahren verantworten. Die Staatsanwaltschaft forderte fĂŒr sie zwischen fĂŒnf Jahren Haft und Lebenslang. Sie sollen Papiere besorgt, Abdeslam ausser Landes gefahren oder in zwei FĂ€llen verhinderte AttentĂ€ter sein. Gegen sechs weitere Angeklagte wird der Prozess in Abwesenheit gefĂŒhrt. FĂŒnf von ihnen kamen vermutlich in der Zwischenzeit in Syrien ums Leben, einer ist wegen TerrorvorwĂŒrfen in der TĂŒrkei inhaftiert. Zudem sollten ihr zufolge gegen zahlreiche der Beschuldigte ein befristetes oder permanentes Aufenthaltsverbot verhĂ€ngt werden.

Staatsanwalt Nicolas Le Bris sagte, man sei ĂŒberzeugt, dass auch Abdeslam versucht habe, seinen SprengstoffgĂŒrtel zu zĂŒnden – auch wenn dies fĂŒr das Strafmass letztlich unerheblich sei. Abdeslam hatte ausgesagt, den letztlich defekten GĂŒrtel absichtlich nicht gezĂŒndet zu haben. Der Angeklagte sei MittĂ€ter, sagte Le Bris – und so habe er das Blut der Opfer quasi an seinen HĂ€nden.

Nach mehr als 130 Prozesstagen sollen in der kommenden Woche nun die PlĂ€doyers der Verteidigung beginnen. Ein Urteil könnte Ende Juni fallen. Mehrfach wurde der Prozess unterbrochen und Sitzungen wegen Corona-Infektionen verschoben. Abdeslam wurde wegen SchĂŒssen auf die Polizei kurz vor seiner Festnahme bereits in Belgien zu 20 Jahren GefĂ€ngnis verurteilt.

(text:sda/bild:unsplash-symbolbild)