10 April 2021

Oberster Polizeidirektor fordert Dialog mit jungen Erwachsenen

Fredy F√§ssler, der oberste Polizeidirektor der Schweiz, fordert im Hinblick auf die Corona-Einschr√§nkungen einen Dialog mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen. „Mit ihnen hat man bisher nicht gesprochen“, sagte er in der Sendung „Samstagsrundschau“ von Radio SRF.

Der St. Galler SP-Regierungsrat und Pr√§sident der Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektorinnen und -direktoren (KKJPD) sprach sich daf√ľr aus, dass junge Menschen k√ľnftig in Entscheidungsfindungen einbezogen werden.

Anlass waren eine zun√§chst friedliche Openair-Party in St. Gallen, bei der es zu Ausschreitungen kam, sowie geplante Partys in weiteren St√§dten. Die Aufgabe der Polizei sei es, f√ľr Ruhe und Ordnung zu sorgen, sagte F√§ssler. Sie sei jedoch nicht dazu da, gesellschaftliche Probleme zu l√∂sen. L√∂sungen m√ľssten zusammen mit den jungen Menschen gefunden werden.

„Ich bin der Meinung, dass man mit den Jungen schauen muss, wie wir die n√§chsten zwei bis drei Monate gemeinsam √ľberstehen k√∂nnen, damit das Virus unter Kontrolle bleibt“, sagte er.

Ob das m√∂glich sei im Rahmen der bestehenden Vorgaben – Treffen von h√∂chstens 15 Personen – k√∂nne er zurzeit nicht sagen. Er schliesse aber auch nicht aus, dass f√ľr junge Menschen spezielle Regeln aufgestellt w√ľrden, immer unter Ber√ľcksichtigung von Schutzmassnahmen wie Abstandsregeln. Junge Menschen h√§tten andere Anspr√ľche an das Leben als 50-J√§hrige und wollten sich treffen k√∂nnen.

Alle, die mit jungen Menschen zu tun h√§tten, seien aufgefordert, kreative L√∂sungen zu entwickeln, um den Bed√ľrfnissen der Jungen etwas entgegen zu kommen. Gefordert sei auch der Bundesrat, der schon seit Anfang M√§rz sportliche und kulturelle Aktivit√§ten f√ľr junge Menschen bis 20 Jahre wieder erlaubt.

Bundesr√§tin Karin Keller-Sutter (FDP) sagte am Samstag gegen√ľber Radio SRF, der Bundesrat suche das Gespr√§ch mit allen. „Dass wir auch mit jungen Erwachsenen das Gespr√§ch suchen, das finde ich wichtig“, sagte die Justizministerin.

Zu den in St. Gallen von der Polizei ausgesprochenen Wegweisungen wollte sich F√§ssler gegen√ľber dem Radio nicht √§ussern. Denn er sei Rekursinstanz.

Im √úbrigen sprach sich F√§ssler daf√ľr aus, dass die Verfahren bei Entscheiden √ľber Corona-Massnahmen eingehalten werden. Bei einer besonderen Lage m√ľsse der Bundesrat gem√§ss Epidemiegesetz die Kantone konsultieren. Bisher seien Konsultationen regelm√§ssig √ľber die Gesundheitsdirektoren erfolgt, die Meinung der Kantone seien dabei jedoch nicht abgebildet worden.

(text&bild:sda)