13 Oktober 2021

Norwegen: Land nach Gewalttat mit fĂŒnf Toten im Schock

Eine Gewalttat mit fĂŒnf Toten und zwei Verletzten hat in Norwegen Trauer und Fassungslosigkeit ausgelöst. Wie die Polizei mitteilte, hatte ein mit Pfeil und Bogen bewaffneter Mann in der sĂŒdnorwegischen Kleinstadt Kongsberg am Mittwochabend Menschen angegriffen. Der mutmassliche TĂ€ter konnte gefasst werden. Bei ihm handele es sich um einen 37-jĂ€hrigen DĂ€nen, der in Kongsberg lebe, teilte die Polizei am frĂŒhen Donnerstagmorgen mit. Die Polizei geht davon aus, dass er allein gehandelt hat. Die HintergrĂŒnde der Tat blieben jedoch zunĂ€chst unklar. Auch ein terroristisches Motiv konnte zunĂ€chst nicht ausgeschlossen werden.

Der Vorfall ereignete sich am Vorabend des Regierungsantritts des neuen MinisterprĂ€sidenten Jonas Gahr StĂžre. Der Sozialdemokrat zeigte sich schockiert. “Das, was wir heute Abend aus Kongsberg hören mussten, zeugt davon, dass eine grausame und brutale Tat begangen worden ist”, sagte er am spĂ€ten Abend der Nachrichtenagentur NTB.

Auch die scheidende Regierungschefin Erna Solberg brachte ihre Anteilnahme zum Ausdruck. “Unsere Gedanken gehen zuallererst an die Betroffenen und ihre Angehörigen”, sagte sie am spĂ€ten Mittwochabend auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz in Oslo. Sie wird am Donnerstag nach ihrer Wahlniederlage vor einem Monat von StĂžre an der Regierungsspitze abgelöst. Auswirkungen auf den Regierungswechsel habe die Tat nicht, sagte Solberg.

Die Angriffe ereigneten sich nach Angaben der Polizei an mehreren Orten in der Stadt. Der TĂ€ter habe sich ĂŒber ein grösseres Gebiet hinweg bewegt, teilten die Ermittler mit. Das Zentrum der Stadt wurde weitrĂ€umig abgeriegelt. Der Polizei sei um 18.13 Uhr von mehreren Personen gemeldet worden, dass sich ein Bewaffneter durch die Stadt bewege und mit Pfeil und Bogen auf Menschen schiesse, sagte der zustĂ€ndige Polizeichef Øyvind Aas. Mehrere Medien berichteten von einem Supermarkt als einem Ort des Geschehens. Der Angreifer konnte nach Polizeiangaben rund eine halbe Stunde nach dem ersten Notruf festgenommen werden.

Bei einem der Verletzten handelte sich um einen Polizisten, der aber zum Tatzeitpunkt nicht im Dienst war, wie Aas mitteilte. Über die Toten und die weitere verletzte Person machte er keine genaueren Angaben.

Der Regierungschef im benachbarten Schweden, Stefan Löfven, schrieb auf Twitter, seine Gedanken seien bei den Opfern und ihren Angehörigen. Es handele sich um einen “furchtbaren Angriff”.

Der Vorfall weckt schlimme Erinnerungen: Vor gut zehn Jahren erlebte Norwegen den schwersten Terroranschlag seiner modernen Geschichte. Am 22. Juli 2011 zĂŒndete der Rechtsterrorist Anders Behring Breivik zunĂ€chst im Osloer Regierungsviertel eine in einem Transporter versteckte Bombe und tötete dabei acht Menschen.

Danach fuhr er zur etwa 30 Kilometer entfernten Insel UtÞya, wo er sich als Polizist ausgab und das Feuer auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des jÀhrlichen Sommerlagers der Jugendorganisation der sozialdemokratischen Arbeiterpartei eröffnete.

69 Menschen, vor allem Jugendliche und junge Erwachsene, kamen auf UtĂžya ums Leben. Breivik nannte rechtsextreme und islamfeindliche Motive fĂŒr seine Taten. Er wurde im August 2012 zu der damaligen Höchststrafe von 21 Jahren mit einer Mindesthaftzeit von zehn Jahren verurteilt.

 

(text:sda/bild:unsplash)