20 Juli 2021

Merkel besucht erneut Katastrophengebiete

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) macht sich an diesem Dienstag (11.55 Uhr) ein Bild von der Hochwasserkatastrophe in Nordrhein-Westfalen.

Zusammen mit NRW-Ministerpr├Ąsident Armin Laschet, der zugleich Unionskanzlerkandidat ist, kommt sie nach Bad M├╝nstereifel. Der Ort im Kreis Euskirchen ist von dem Unwetter der vergangenen Tage heftig betroffen. Merkel spricht mit Vertretern von Hilfsorganisationen sowie Helferinnen und Helfern. Nach einem Treffen mit betroffenen B├╝rgern steht ein Gang durch das Gebiet auf dem Programm.

Merkel war am Wochenende in Rheinland-Pfalz und hatte sich dort mit Ministerpr├Ąsidentin Malu Dreyer (SPD) ein Bild von der Lage im Hochwassergebiet rund um Adenau gemacht. Der Bundespr├Ąsident war bereits am Samstag nach NRW gekommen: Frank-Walter Steinmeier hatte sich auf Einladung von Laschet die Situation im vom Hochwasser zerst├Ârten Erftstadt angeschaut. Dort hatte im Stadtteil Blessem ein gewaltiger Erdrutsch Strassen und H├Ąuser mitgerissen. Die Abbruchkante am Rand des Kraters galt zuletzt weiter als Risikozone.

Seit Montag gibt es mehrere Tage nach Beginn der Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen immerhin einen Grund zum Aufatmen: Die seit Tagen vom Hochwasser bedrohte Steinbachtalsperre in der N├Ąhe von Euskirchen scheint zu halten. Ein Dammbruch war dort nicht mehr zu bef├╝rchten, hatten die Beh├Ârden mitgeteilt. Bewohnerinnen und Bewohner umliegender Orte konnten zur├╝ck in ihre H├Ąuser.

Bis Montag stieg die Zahl der Todesopfer auf mindestens 164: Aus Rheinland-Pfalz wurden 117 und aus NRW 47 Unwetter-Tote best├Ątigt. In beiden Bundesl├Ąndern wurde nicht ausgeschlossen, dass noch weitere Opfer gefunden werden k├Ânnten.

F├╝r die ├ťberlebenden der Fluten gilt es weiter, Schlamm und Tr├╝mmer aus ihren H├Ąusern und von den Strassen beiseitezuschaffen. Vielerorts ist die Infrastruktur mit Strassen, Bahngleisen, Br├╝cken, Mobilfunkmasten, Strom- und Gasleitungen sowie Trinkwasserversorgung zerst├Ârt. Der Bund rechnet mit mindestens rund zwei Milliarden Euro Sch├Ąden alleine bei der Deutschen Bahn sowie bei Strassen, wie die Deutsche Presse-Agentur am Montag aus Regierungskreisen erfuhr.

Die Landesregierung in Rheinland-Pfalz will daf├╝r sorgen, dass die Katastrophe nicht zu steigenden Corona-Infektionszahlen f├╝hrt, etwa durch Hilfsaktionen oder die Unterbringung in Notunterk├╝nften. „Derzeit kommen viele Menschen auf engstem Raum zusammen, um die Krise gemeinsam zu bew├Ąltigen. Wir m├╝ssen jetzt aufpassen, dass die Bew├Ąltigung der Katastrophe nicht zu einem Superspreader-Event wird“, sagte David Freichel vom Corona-Kommunikationsstab der Staatskanzlei in Rheinland-Pfalz dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Dienstag). Das Landesgesundheitsministerium bereite in Absprache mit den Beh├Ârden der betroffenen Landkreise eine Sonderimpfaktion in den Katastrophengebieten vor.

Auch in Nordrhein-Westfalen sieht man die Gefahr erh├Âhter Corona-Risiken. „Eine erh├Âhte Gefahr der Ausbreitung von SARS-CoV-2 k├Ânnte sich vor allem durch die Unterbringung von Personen in Notunterk├╝nften entwickeln“, zitierte der RND das D├╝sseldorfer Gesundheitsministerium. Die Gesundheits├Ąmter vor Ort seien sich aber der zus├Ątzlichen Gefahr bewusst. Sie k├Ânne durch Testungen, Masken und L├╝ften reduziert werden.

Auch im Berchtesgadener Land in Bayern hatten heftige Unwetter mit Starkregen zu Wasserfluten und Erdrutschen gef├╝hrt. Manche Orte rund um Watzmann und K├Ânigssee wurden verw├╝stet. Das bayerische Kabinett ber├Ąt an diesem Dienstag (09.00 Uhr) ├╝ber Hilfen.

(text:sda/bild:unsplash)