25 November 2021

Mehr als 50 Tote bei Grubenungl├╝ck in Russland

Bei dem schwersten Grubenungl├╝ck in Russland seit Jahren sind im Westen Sibiriens 52 Menschen ums Leben gekommen. Das meldeten die Staatsagenturen Tass und Ria Nowosti am Donnerstagabend ├╝bereinstimmend unter Berufung auf den Rettungsdienst. Darunter seien sechs Rettungskr├Ąfte gewesen, die bei Sucharbeiten in dem Bergwerk starben. ├ťber Stunden galten mehr als 30 Bergleute als vermisst.

In dem Bergwerk hatte sich am Morgen aus zun├Ąchst unbekannter Ursache eine Explosion ereignet. Insgesamt wurden nach Angaben des Zivilschutzes 239 Arbeiter aus dem Schacht „Listwjaschnaja“ im Kusnezker Kohlebecken (Kusbass) gerettet. Mehr als 40 von ihnen seien in Krankenh├Ąusern, teilte der Gouverneur des Gebiets Kemerowo, Sergej Ziwiljow, mit. Er besuchte Verletzte im Krankenhaus.

├ťber Stunden war der Zustand der Bergarbeiter im Schacht unklar. Die Grubeng├Ąnge seien stark mit Rauch gef├╝llt, hiess es. Die Arbeiter k├Ânnten sich nicht selbst retten. Die Sucharbeiten mussten Stunden nach dem Ungl├╝ck wegen Explosionsgefahr vor├╝bergehend unterbrochen werden. Zudem war der Kontakt zu den Rettungskr├Ąften abgebrochen.

Die Explosion soll sich in 250 Metern Tiefe ereignet haben. Der russische Pr├Ąsident Wladimir Putin dr├╝ckte den Angeh├Ârigen der Opfer der „Trag├Âdie“ sein Beileid aus und ordnete an, den Hinterbliebenen und ├ťberlebenden zu helfen. „Die Lage wird leider nicht leichter. Es gibt auch eine Gefahr f├╝r das Leben der Rettungskr├Ąfte“, sagte Putin.

Nach Angaben der Ermittler wurden der 47-j├Ąhrige Bergwerksdirektor, sein Stellvertreter und ein Abteilungsleiter festgenommen. Sie m├╝ssten sich wegen Verletzung von Arbeitsvorschriften verantworten.

Das Gebiet um das 1954 er├Âffnete Bergwerk wurde abgesperrt. Psychologen betreuten Angeh├Ârige. Der Gouverneur ordnete eine ├ťberpr├╝fung aller Bergwerke in der Region an und setzte eine dreit├Ągige Trauer an – von diesem Freitag bis Sonntag (28. November).

Die Arbeit im Kohlebergbau in Russland gilt als lebensgef├Ąhrlich. Wegen Verst├Âssen gegen elementare Sicherheitsvorschriften kommt es dort immer wieder zu schweren Ungl├╝cken. Oft explodiert etwa Methangas. Das leicht entz├╝ndliche Grubengas wird durch die Arbeiten im Bergbau freigesetzt und sammelt sich bei schlechter Bel├╝ftung in den Sch├Ąchten und Strecken unter Tage an. In dem jetzt betroffenen Bergwerk gab es bereits 2004 eine Explosion mit 13 Toten.

Bei dem schwersten Grubenungl├╝ck der vergangenen Jahre in Russland waren im M├Ąrz 2007 insgesamt 107 Menschen in der Stadt Nowokusnezk in Sibirien ums Leben gekommen. 91 Tote hatte es 2010 bei zwei Methan-Explosionen in dem Ort Meschduretschensk in Sibirien gegeben.

F├╝r die Rohstoffgrossmacht ist der Kohleabbau neben ├ľl und Gas eine wichtige Einnahmequelle. Im vergangenen Jahr wurden der offiziellen Statistik zufolge 402,1 Millionen Tonnen gef├Ârdert, ein Teil davon geht auch nach Deutschland. Umweltsch├╝tzer machen vor allem den Bergbau f├╝r massive Umweltverschmutzung in Sibirien verantwortlich.

(text:sda/bild:unsplash)