10 November 2021

Mehr als 20 Staaten verabschieden sich vom Verbrennungsmotor

In der heissen Phase der Weltklimakonferenz in Glasgow wollen zwei Dutzend Staaten mit einer konkreten Absage an den Verbrennungsmotor den Ton angeben. 24 Staaten, sechs grosse Auto-Hersteller sowie einige StĂ€dte und Investoren wollen sich auf ein Enddatum fĂŒr den Verkauf von Autos mit Verbrennermotor festlegen, wie der britische Gastgeber des Klimagipfels am Mittwoch mitteilte. Detaillierte Infos zu den Unterzeichnern gab es vorab nicht.

Die beteiligten Regierungen wollen “darauf hinarbeiten, dass alle VerkĂ€ufe von neuen Pkw und leichten Nutzfahrzeugen bis zum Jahr 2040 weltweit und in den fĂŒhrenden MĂ€rkten bis spĂ€testens 2035 emissionsfrei sind”. Die Autokonzerne sollen demnach anstreben, spĂ€testens 2035 in fĂŒhrenden MĂ€rkten nur noch emissionsfreie Autos und Vans zu verkaufen. Zu den beteiligten Unternehmen gehören der britischen Mitteilung zufolge Mercedes, Ford und General Motors.

Bis zum spĂ€ten Dienstagabend rangen die Verhandler nach dpa-Informationen noch um Details. Ob Deutschland die ErklĂ€rung unterzeichnen wird, war bis in die Nacht noch unklar. Aus dem Umweltministerium hiess es, dass es dazu noch keine endgĂŒltige Entscheidung der Bundesregierung gebe. Der geschĂ€ftsfĂŒhrende Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hatte dem Vorstoss zuvor jedoch schon eine Absage erteilt.

“Der fossile Verbrenner wird 2035 auslaufen. Die Verbrennertechnologie wird aber weiterhin gebraucht”, sagte Scheuer vor Journalisten. “Wir wollen sie mit synthetischen Kraftstoffen klimaneutral machen und die Vorteile der Technologie erhalten.” Die geplante ErklĂ€rung berĂŒcksichtige den Antrieb mit synthetischen Kraftstoffen nicht. Deshalb sei sein Ministerium dagegen. Das sei auch Linie der amtierenden Bundesregierung.

Greenpeace-Chef Martin Kaiser sagte der Deutschen Presse-Agentur: “Es wĂ€re megapeinlich, wenn Deutschland nicht dabei wĂ€re.” Eine solche ErklĂ€rung sei ĂŒberfĂ€llig. Über den Verkehrsminister sagte Kaiser: “Andreas Scheuer ist zum GlĂŒck jetzt Geschichte.” Wichtig sei, dass grosse Autokonzerne wie VW, BMW und Daimler mitmachten. Auch nachtrĂ€gliche Zusagen sind nicht ausgeschlossen: So unterzeichnete Deutschland am Dienstag erst nach tagelangem Zögern eine ErklĂ€rung zum Ende der Finanzierung von Öl- und Gasprojekten im Ausland.

Wegen der Verwendung fossiler Kraftstoffe gehört der Verkehrssektor zu den weltweit grössten Verursachern von Treibhausgasen. Eine MobilitĂ€tswende hin zu sauberen Antriebsformen ist nach EinschĂ€tzunmg von Experten fĂŒr das Erreichen der internationalen Klimaziele von entscheidender Bedeutung.

Am Mittwoch will auch der britische Premierminister Boris Johnson nach Schottland reisen, um den Verhandlungen auf den letzten Metern Schwung zu verleihen. Aus Sicht des britischen Gipfel-PrĂ€sidenten Alok Sharma liegt noch viel harte Arbeit vor den Delegationen. “Wir machen Fortschritte, aber wir haben noch immer einen Berg zu erklimmen.” Der deutsche Umwelt-StaatssekretĂ€r Jochen Flasbarth Ă€usserte sich zuversichtlich, dass es eine Lösung zum umstrittenen Artikel 6 des Pariser Klima-Abkommens geben könne.

Am Mittwoch will die PrĂ€sidentschaft einen ersten Entwurf fĂŒr die geplante AbschlusserklĂ€rung veröffentlichen. Die bislang publizierten Stichpunkte werden von UmweltschĂŒtzern als schwach und unkonkret kritisiert. FrĂŒhere Gipfel gingen mehrfach in die VerlĂ€ngerung. Ziel ist es, die Begrenzung der Erderhitzung auf maximal 1,5 Grad gegenĂŒber der vorindustriellen Zeit zu halten und zu regeln, wie das Pariser Klimaabkommen von 2015 konkret umgesetzt werden soll. Bislang reichen die PlĂ€ne bei weitem nicht aus.

(text:sda/bild:pixabay)