16 Oktober 2023

Massenflucht in Gaza vor Bodenoffensive – Die Nacht im Überblick

Aus Angst vor Israels erwarteter Bodenoffensive im Gazastreifen gegen die islamistischen Hamas-Angreifer suchen Hunderttausende PalĂ€stinenser unter katastrophalen Bedingungen Schutz im SĂŒden des hermetisch abgeriegelten KĂŒstenstreifens. Nach mehreren Evakuierungsaufrufen an die Zivilbevölkerung hĂ€tten sich dort inzwischen mehr als 600 000 Menschen hinbegeben, teilte Israels Armeesprecher Daniel Hagari am Sonntag mit. Die Versorgung der dicht gedrĂ€ngten Menschenmassen ist jedoch dramatisch. Wenigstens Wasser sollen sie wieder bekommen. Das kĂŒndigte Israels Energieminister Israel Katz am Sonntag auf der Plattform X (vormals Twitter) an. Derweil brachte die Bundeswehr weitere 60 Deutsche aus Israel zurĂŒck.

Israel bereitet sich auf Zerstörung der Hamas vor

Die Wiederherstellung der Wasserversorgung werde dazu beitragen, dass die Zivilbevölkerung – wie von Israels Armee gewĂŒnscht – den Norden der schmalen KĂŒstenenklave rĂ€ume und sich in den SĂŒden bewege, sagte Katz. Israels MilitĂ€r könne so die Zerstörung der Infrastruktur der Hamas im Norden intensivieren, erklĂ€rte der Minister. Beobachter gehen davon aus, dass das israelische MilitĂ€r die mehr als eine Million PalĂ€stinenser im Norden des KĂŒstenstreifens zur Evakuierung in den SĂŒden aufgefordert hat, weil eine Bodenoffensive bevorsteht.

Israel bestĂ€tigt EntfĂŒhrung von 155 Geiseln in Gazastreifen

Israel will die im Gazastreifen herrschende Hamas zerstören, die bei dem beispiellosen TerrorĂŒberfall auf Israel vor mehr als einer Woche mehr als 1300 Menschen getötet und mehr als 3600 Menschen verletzt hatte. Israels Armee konnte inzwischen die EntfĂŒhrung von 155 Menschen aus Israel in den Gazastreifen bestĂ€tigen. Deren Angehörige seien informiert worden. Die Armee werde alles tun, um sie nach Hause zu bringen. Unter den EntfĂŒhrten sind auch acht Deutsche. Die Bundesregierung hat nach Aussagen von Aussenministerin Annalena Baerbock weiter „keinen direkten Kontakt“ zu den deutschen Geiseln.

Abbas: Hamas Taten reprÀsentieren nicht das palÀstinensische Volk

Die Taten und die Politik der Hamas reprÀsentieren nach den Worten von PalÀstinenserprÀsident Mahmud Abbas nicht das palÀstinensische Volk. Er lehne die Tötung von Zivilisten auf beiden Seiten ab, betonte Abbas, der die Autonomiebehörde im Westjordanland leitet, am Sonntag in einem Telefonat mit Venezuelas Staatschef Nicolås Maduro, wie die palÀstinensische Nachrichtenagentur Wafa berichtete. Abbas forderte alle Beteiligten auf, Gefangene freizulassen.

UN-Chef Guterres: Naher Osten „am Rand des Abgrunds“

Angesichts eines Nahen Ostens „am Rande des Abgrunds“ forderte auch UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres eindringlich die sofortige Freilassung der Geiseln sowie einen raschen humanitĂ€ren Zugang zum Gazastreifen. „Jedes dieser beiden Ziele ist berechtigt“, sagte Guterres am Sonntag in New York laut einer Mitteilung. Unterdessen soll der einzige GrenzĂŒbergang aus dem Gazastreifen zum Nachbarland Ägypten einer Ă€gyptischen Sicherheitsquelle zufolge am Montag fĂŒr die Ausreise von auslĂ€ndischen Staatsangehörigen geöffnet werden.

Den Angaben zufolge laufen dafĂŒr die Vorbereitungen. Auch die Einfuhr von humanitĂ€ren Hilfslieferungen ĂŒber den GrenzĂŒbergang Rafah soll demnach ermöglicht werden. Wegen der israelischen Luftangriffe ist der GrenzĂŒbergang derzeit ausser Betrieb. FĂŒr die Menschen im Gazastreifen gibt es keine Möglichkeit, das Gebiet zu verlassen.

Zahl der Toten steigt weiter

Israels Luftangriffe als Antwort auf die beispiellosen Massaker der Hamas haben schwere VerwĂŒstungen angerichtet. Mehr als 1000 Menschen seien unter TrĂŒmmern verschĂŒttet worden, darunter seien Verletzte und Tote, teilte der Zivilschutz im Gazastreifen am Sonntag mit. Die Zahl der Toten im Gazastreifen stieg unterdessen auf 2670. Dies teilte das Gesundheitsministerium in Gaza, das auch der Hamas untersteht, am Sonntagabend mit. Rund 9600 weitere Menschen seien verletzt worden. Das waren binnen einer Woche schon mehr Todesopfer als bei dem bislang letzten grossen Gaza-Krieg von 2014, der 50 Tage dauerte.

Sorge vor Ausweitung des Konflikts

Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron warnte den Iran vor einer Eskalation und Ausweitung des Konflikts, insbesondere im Libanon. Angesichts der engen Beziehungen Irans zur Hisbollah-Miliz im Libanon und zur Hamas im Gazastreifen trage die FĂŒhrung in Teheran Verantwortung, sagte Macron in einem Telefonat mit dem iranischen PrĂ€sidenten Ebrahim Raissi. Er forderte ihn auf, alles tun, um einen regionalen FlĂ€chenbrand zu verhindern. Die vom Iran finanzierte Hisbollah gilt als wesentlich schlagkrĂ€ftiger als die Hamas.

Erneut Schusswechsel an Grenze zu Libanon

Seit den Terrorattacken der Hamas auf Israel und den GegenschlĂ€gen Israels auf den Gazastreifen kam es regelmĂ€ssig zu ZwischenfĂ€llen an der Grenze zwischen Israel und dem Libanon. Am Sonntagabend attackierte Israels Armee nach eigenen Angaben erneut Stellungen der Hisbollah. Stunden zuvor hatte die Hisbollah Ziele im Nachbarland angegriffen. Israelischen Medienberichten zufolge wurden acht Menschen in Israel verletzt, einige davon schwer. Am Sonntag wurde das Unifil-Hauptquartier im sĂŒdlibanesischen Nakura von einer Rakete getroffen. Niemand sei verletzt worden. Unklar war zunĂ€chst, wer die Rakete abfeuerte.

Die Bundeswehr holte derweil weitere 60 deutsche Staatsangehörige aus Israel zurĂŒck. Der MilitĂ€rtransporter vom Typ A400M sei am Montagmorgen um 02:45 Uhr aus Tel Aviv kommend gelandet, teilte das EinsatzfĂŒhrungskommando auf X (vormals Twitter) mit. Bisher habe man 222 Personen aus Israel nach Deutschland ausgeflogen.

US-PrÀsident Biden erwÀgt Reise nach Israel

US-PrĂ€sident Joe Biden zieht US-Medien zufolge eine Reise nach Israel in den kommenden Tagen in Betracht. Das berichtete unter anderem das Portal Axios am Sonntagabend (Ortszeit) unter Berufung auf Quellen in der israelischen und US-amerikanischen Regierung. Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu habe Biden wĂ€hrend eines Telefonats am Samstag nach Israel eingeladen. Die endgĂŒltige Entscheidung ĂŒber eine Reise sei aber noch nicht getroffen.

Das wird am Montag wichtig

Bidens Aussenminister Antony Blinken will derweil nach seinem Besuch verschiedener LĂ€nder im Nahen Osten an diesem Montag erneut nach Israel reisen. Welche Termine dort geplant sind, war zunĂ€chst nicht bekannt. Der einzige GrenzĂŒbergang aus dem Gazastreifen zu Ägypten soll fĂŒr die Ausreise auslĂ€ndischer Staatsangehöriger geöffnet werden. Auch die Wasserversorgung der PalĂ€stinenser im SĂŒden des Gazastreifens soll wiederhergestellt werden.

(text:sda/bild:keystone/sda)