25 Mai 2021

Rebellen töten 14 Menschen in Peru

Zwei Wochen vor der PrĂ€sidentenwahl haben mutmassliche Rebellen in Zentralperu 14 Menschen getötet. Unter den Opfern des Massakers in einer Bar im Dorf San Miguel del Ene in einer von Drogenanbau geprĂ€gten Unruheregion seien auch zwei Kinder, teilte das Verteidigungsministerium des sĂŒdamerikanischen Landes am Montag mit. Die Leichen der MinderjĂ€hrigen seien verbrannt gewesen.

Hinter dem Angriff steckt nach EinschĂ€tzung des MilitĂ€rs die Guerillaorganisation Sendero Luminoso (Leuchtender Pfad). In einem am Tatort zurĂŒckgelassenen Bekennerschreiben riefen die TĂ€ter dazu auf, bei der PrĂ€sidentenwahl am 6. Juni nicht fĂŒr die Rechtspopulistin Keiko Fujimori zu stimmen.

„Ich bedauere, dass es in unserem Land wieder zu blutigen Gewalttaten kommt. Die Terrorgruppen wollen uns lĂ€hmen und Angst sĂ€en – das werden wir nicht zulassen“, sagte PrĂ€sidentschaftskandidatin Fujimori. „Ich spreche den Familien der Opfer mein Beileid aus und unterstĂŒtze die Polizei und die StreitkrĂ€fte. Wir mĂŒssen unser Vaterland verteidigen und am 6. Juni zur Wahl gehen.“

Bei der Stichwahl in zwei Wochen kommt es in dem sĂŒdamerikanischen Land zu einem Schlagabtausch der politischen Extreme: Die Tochter des autoritĂ€ren Ex-PrĂ€sidenten Alberto Fujimori (1990-2000) tritt gegen den Sozialisten Pedro Castillo an. Der ehemalige Lehrer von der marxistisch-leninistischen Partei PerĂș Libre will im Falle eines Wahlsiegs einen sozialistischen Staat aufzubauen, die Medien stĂ€rker kontrollieren und das Verfassungsgericht abschaffen.

Fujimori warb im Wahlkampf fĂŒr eine politisches System, das demokratische Modelle mit einer Politik der harten Hand vereint. Ihr Vater Alberto Fujimori verbĂŒsst wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen eine 25-jĂ€hrige Haftstrafe. In seiner Amtszeit (1990-2000) liess Fujimori im Kampf gegen den Leuchtenden Pfad seine SicherheitskrĂ€fte rigoros gegen linke und angeblich subversive KrĂ€fte vorgehen, das Parlament wurde entmachtet. Zudem wurden Zehntausende indigene Frauen zwangssterilisiert. Im Falle eines Wahlsiegs will Keiko Fujimori ihren Vater begnadigen.

ÜbergangsprĂ€sident Francisco Sagasti verurteilte die Bluttat. „Ich habe einen Einsatz der StreitkrĂ€fte und der Polizei in der Region angeordnet. Dieser Terrorakt darf nicht ungesĂŒhnt bleiben“, schrieb der Staatschef auf Twitter. „Im Namen der Übergangsregierung versichere ich den Familien der Opfer mein Beileid.“

Die Tat ereignete sich in den TĂ€lern der FlĂŒsse ApurĂ­mac, Ene und Mantaro (Vraem). In der Region ist der Leuchtende Pfad sehr aktiv, staatliche Institutionen sind hingegen nur schwach vertreten. Das Gebiet ist ein wichtiges Anbaugebiet fĂŒr die Koka-Pflanze. Neben Kolumbien und Bolivien ist Peru der grösste Kokain-Produzent der Welt.

Bei Auseinandersetzungen zwischen dem Sendero Luminoso und staatlichen SicherheitskrĂ€ften waren zwischen 1980 und 2000 fast 70 000 Menschen ums Leben gekommen. Im Gegensatz zu vielen anderen BĂŒrgerkriegen in der Region war in Peru die Guerilla fĂŒr einen Grossteil der Toten verantwortlich. Heute widmen sich die verbliebenen Einheiten des Leuchtenden Pfads vor allem dem Drogenhandel.

(text:sda/bild:unsplash)