17 Oktober 2021

Macron: Massaker von Paris 1961 unverzeihliches Verbrechen

60 Jahre nach dem blutigen Massaker an Algeriern in Paris hat Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron die Taten als unentschuldbar verurteilt. “Die Verbrechen, die in dieser Nacht (…) begangen wurden, sind fĂŒr die Republik unverzeihlich”, hiess es in einem Schreiben des ÉlysĂ©epalastes vom Samstag. Frankreich erkenne seine eindeutige Verantwortung an. Macron hatte zuvor an einer Gedenkveranstaltung in Colombes bei Paris teilgenommen. Laut ÉlysĂ©e ist er der erste PrĂ€sident, der einem solchen Gedenken beiwohnte.

Frankreich hatte gen Ende des Algerienkriegs, in dem die damalige französische Kolonie Algerien von 1954 bis 1962 fĂŒr ihre UnabhĂ€ngigkeit kĂ€mpfte, eine Ausgangssperre fĂŒr die sogenannten muslimischen Franzosen aus Algerien verhĂ€ngt. Zum 17. Oktober 1961 riefen sie zum Boykott auf, der systematisch niedergeschlagen wurde. Die Polizei nahm etwa 12 000 Algerier fest, prĂŒgelte etliche zu Tode und erschoss weitere. Einige Leichen wurden spĂ€ter in der Seine gefunden. Die genaue Opferzahl ist bis heute unbekannt. SchĂ€tzungen gehen teils von etwa 200 aus. Das Pariser Museum fĂŒr Immigrationsgeschichte spricht von der tödlichsten UnterdrĂŒckung in Westeuropa nach 1945. Bereits 2012 hatte der damalige PrĂ€sident François Hollande das Verbrechen anerkannt.

Macrons Worte zu dem Massaker vor 60 Jahren stiessen auf ein geteiltes Echo. WĂ€hrend der Schritt einerseits als historisch gewertet wurde, wurden andererseits Forderungen laut, noch weiter zu gehen und die Ereignisse des 17. Oktobers 1961 als Staatsverbrechen anzuerkennen.

Die Gedenkveranstaltung in Colombes fand am Fusse der Pont de Bezons statt. Zahlreiche Algerier seien 1961 von Colombes aus zu den Boykott-Demonstrationen aufgebrochen, hiess es vom ÉlysĂ©e. Demnach wurden hier auch spĂ€ter mehrere Leichen aus der Seine geborgen. Im Dabeisein von Angehörigen der Opfer und Engagierten legte Macron eine Schweigeminute ein. Auch ein Kranz wurde in Gedenken niedergelegt. Angehörige warfen weisse Rosen in die Seine. Mit Didier Lallement legte nach Angaben der Pariser Polizei am Sonntag erstmals auch ein PolizeiprĂ€fekt einen Kranz in Andenken an die Opfer nieder.

(text:sda/bild:unsplash)