29 Juli 2021

Klima, Corona und Welterbe – G20-Kulturminister beraten in Rom

Mit einer umfassenden Agenda zum Kulturschutz und den Auswirkungen des Klimawandels und der Corona-Pandemie sind die Kulturminister der G20-Staaten in Rom zusammengekommen. Die Politiker der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenl├Ąnder wollen bis Freitag dar├╝ber sprechen, wie Kulturerbe und -g├╝ter vor Umweltver├Ąnderung und kriminellen Machenschaften gesch├╝tzt werden k├Ânnen. Ein Thema wird auch die Unterst├╝tzung f├╝r den Sektor sein, der hart von der Corona-Pandemie getroffen wurde.

Den Organisatoren zufolge ist es das erste offizielle G20-Kulturministertreffen. Im vergangenen November kamen die Kulturminister im Rahmen der G20 unter dem damaligen Vorsitz Saudi-Arabiens bereits zusammen – allerdings digital per Videoschalte.

Am Donnerstagabend er├Âffnete das Gastgeberland Italien, das derzeit den G20-Vorsitz h├Ąlt, das Treffen mit einer Zeremonie im ber├╝hmten Kolosseum in Rom. Ministerpr├Ąsident Mario Draghi sagte, die Unterst├╝tzung der Kultur sei entscheidend f├╝r den Wiederanfang Italiens nach der Corona-Pandemie. Der Reise- und Tourismussektor erwirtschafte 13 Prozent des Bruttoinlandsprodukt Italiens und besch├Ąftige direkt oder indirekt dreieinhalb Millionen Menschen.

„Der Schutz des k├╝nstlerischen Erbes erfordert auch eine mehr ├Âkologische Nachhaltigkeit“, erkl├Ąrte der fr├╝here Chef der Europ├Ąischen Zentralbank weiter. Mehr als zehn Welterbest├Ątten seien vom steigenden Meeresspiel gef├Ąhrdet. Hochwasser bedrohten 15 bis 20 Prozent des kulturellen Erbes Italiens. „Wir m├╝ssen jetzt handeln, damit die Generationen von morgen die Sch├Ątze geniessen k├Ânnen, die wir heute bewundern.“

Im Anschluss wurden die G├Ąste im unweit entfernten Quirinalspalast erwartet. Dort stand ein Konzert, geleitet vom italienischen Stardirigenten Riccardo Muti, im Palast des Staatspr├Ąsidenten auf dem Programm.

Aus Deutschland reiste die Staatsministerin f├╝r Internationale Kulturpolitik, Michelle M├╝ntefering, an. Mit im Gep├Ąck hat die SPD-Politikerin zwei Programme, die sie auf dem Treffen vorstellen will. Eines ist ein Plan, um im Katastrophenfall Kulturg├╝ter schneller zu sch├╝tzen, wie sie am Donnerstag mitteilte. Mit dem Mechanismus sollen Geb├Ąude oder Objekte rasch gerettet werden k├Ânnen. Daf├╝r sieht der Plan vor, Experten und Technik-Equipment bereitzustellen – und zwar binnen weniger Stunden.

Der Deutsche Kulturrat zeigte sich erfreut ├╝ber M├╝nteferings Vorhaben. Man unterst├╝tze die Initiative, sagte der Gesch├Ąftsf├╝hrer des Verbands, Olaf Zimmermann. „Wir haben gerade im eigenen Land erleben m├╝ssen, welchen fundamentalen Schaden ├ťberschwemmungen anrichten“, sagte er mit Blick auf die j├╝ngsten Unwetter-Katastrophen in Deutschland. Weltweit sei eine Taskforce n├Âtig, die Expertise und technische Ausstattung schnell an Orte bringen k├Ânne, wo Kulturgut in Gefahr sei.

Das zweite Programm M├╝nteferings dreht sich um die internationale Vernetzung von wissenschaftlichen Institutionen, die im Bereich Kulturerhalt t├Ątig sind. Mit Blick auf die Auswirkungen von Corona sagte sie, die Pandemie habe gezeigt, wie entscheidend der Kultur- und Kreativsektor sei – nicht nur f├╝r die Wirtschaft, sondern auch f├╝r das soziale und psychische Wohlergehen unserer Gesellschaften.

Italien setzte ausserdem das Thema Digitalisierung auf die Agenda f├╝r das Treffen in Rom. Ausserdem soll es auch um den illegalen Handel mit Kunstwerken gehen. In Italien ist daf├╝r eine spezielle Polizei-Einheit der dem Verteidigungsministerium zugeh├Ârigen Carabinieri zust├Ąndig. Neben Politikern wurden ausserdem Vertreter von Organisationen wie der UN-Kulturbeh├Ârde Unesco erwartet.

(text:sda/bild:unsplash)