19 April 2022

IWF senkt wegen Krieg in der Ukraine globale Wachstumsprognose

Die Weltwirtschaft d√ľrfte in diesem Jahr wegen des Ukraine-Kriegs deutlich langsamer wachsen. Gleichzeitig erwartet der Internationale W√§hrungsfonds (IWF) f√ľr 2022 eine h√∂here Inflationsrate, angetrieben unter anderem von gestiegenen Energie- und Lebensmittelpreisen.

„Die Aussichten f√ľr die globale Wirtschaft haben einen harten R√ľckschlag erfahren, gr√∂sstenteils wegen Russlands Einmarsch in die Ukraine“, erkl√§rte IWF-Chef√∂konom Pierre-Olivier Gourinchas am Dienstag.

In seiner neuen Prognose rechnet der IWF in diesem Jahr nur noch mit einem globalen Wachstum von 3,6 Prozent. Das sind 0,8 Prozentpunkte weniger als noch im Januar angenommen. F√ľr die Eurozone erwartet der IWF ein um 1,1 Prozentpunkte geringeres Wachstum von 2,8 Prozent.

In Deutschland soll das Bruttoinlandprodukt (BIP) demnach nur noch um 2,1 Prozent wachsen – eine Herabstufung der Prognose vom Januar um satte 1,7 Prozentpunkte. F√ľr die Schweiz hat der IWF keine neuen Prognosen ver√∂ffentlicht.

„Diese Krise passiert, obwohl sich die globale Wirtschaft noch nicht v√∂llig von der Pandemie erholt hat“, sagte Gourinchas. Viele Staaten h√§tten mit hoher Inflation zu k√§mpfen, weswegen eine Straffung der Geldpolitik bevorstehe. Die Unterbrechungen globaler Lieferketten hielten an – wobei j√ľngste Corona-Lockdowns in China diese Probleme erneut versch√§rfen k√∂nnten.

Der IWF hatte seine globale Wachstumsprognose bereits im Januar infolge der Omikron-Welle der Corona-Pandemie um 0,5 Prozentpunkte auf 4,4 Prozent gesenkt. „Gerade als eine dauerhafte Erholung von der Pandemie in Sicht war, brach der Krieg aus und machte j√ľngste Forschritte potenziell zunichte“, erl√§uterte Gourinchas in einem Blog-Eintrag zu der neuen Wirtschaftsprognose.

Die j√ľngste Senkung der globalen Konjunkturprognose um 0,8 Prozentpunkte geht demnach vor allem auf die schlechteren Aussichten f√ľr Russland und die Europ√§ische Union zur√ľck. Russland steht infolge der harten westlichen Sanktionen vor einer tiefen Rezession, was rund 0,3 Prozentpunkte der Herabstufung ausmacht.

Weitere rund 0,2 Prozentpunkte gehen auf die tr√ľberen Aussichten in Europa zur√ľck „wegen der indirekten Effekte des Kriegs“. Positivere Aussichten haben angesichts steigender Preise 2022 derzeit nur die Volkswirtschaften grosser Rohstoffexporteure, so der IWF.

Die neue Wirtschaftsprognose ist dem IWF zufolge mit ungew√∂hnlich hoher Unsicherheit verbunden. „Das Wachstum k√∂nnte sich weiter verlangsamen, w√§hrend die Inflation unsere Prognosen √ľbertreffen k√∂nnte – zum Beispiel falls Sanktionen auf Russlands Energieexporte ausgeweitet werden“, erkl√§rte Gourinchas. Auch k√∂nnten gef√§hrliche Varianten des Coronavirus, die den Impfschutz aushebelten, zu Lockdowns und Produktionsverzerrungen f√ľhren.

Die Inflationsrate soll vor allem wegen des Kriegs länger als zuletzt angenommen hoch bleiben. In diesem Jahr rechnet der IWF in den Industriestaaten mit einer Teuerungsrate von 5,7 Prozent, also 1,8 Prozentpunkte mehr als noch im Januar angenommen. In Schwellen- und Entwicklungsländern soll die Inflationsrate im Durchschnitt 8,7 Prozent betragen, ein Plus von 2,8 Prozentpunkten.

Ein wichtiger Treiber der Teuerungsrate sind die Rohstoffpreise. „Russland ist ein wichtiger Lieferant von √Ėl, Gas und Metallen und – zusammen mit der Ukraine – von Weizen und Mais. Ein geringeres Angebot dieser Rohstoffe hat ihre Preise scharf nach oben getrieben“, erkl√§rte Gourinchas. Der Anstieg der Benzin- und Lebensmittelpreise werde weltweit vor allem Haushalte mit niedrigem Einkommen treffen, machte der IWF klar.

Die Preissteigerungen „k√∂nnten auch die Wahrscheinlichkeit sozialer Unruhen in √§rmeren L√§ndern deutlich erh√∂hen“, hiess es weiter. Hilfsorganisationen warnen, dass vor allem L√§nder im Nahen Osten und in Afrika stark betroffen sein k√∂nnten.

Die russische Wirtschaft d√ľrfte der IWF-Prognose zufolge dieses Jahr um 8,5 Prozent einbrechen, eine Herabstufung um 11,3 Prozentpunkte gegen√ľber dem Januar. Andere Prognosen, etwas jene der Weltbank, rechnen sogar mit einer noch etwas st√§rkeren Rezession.

F√ľr die Ukraine rechnet der IWF mit einer dramatischen Rezession; die Wirtschaft soll wegen des Kriegs um 35 Prozent schrumpfen. Konjunkturprognosen f√ľr die Ukraine sind angesichts der andauernden K√§mpfe allerdings mit besonders hoher Unsicherheit verbunden.

(text:sda/bild:unsplash)