1 Mai 2021

Forschungsteam bohrt auf dem Monte Rosa

Ein italienisch-schweizerisches Forschungsteam beginnt am Montag eine Expedition auf dem Monte Rosa-Massiv. Es will aus dem Gornergletscher in 80 Metern Tiefe einen Eiskern entnehmen.

Die Forscherinnen und Forscher werden sich zun√§chst w√§hrend zwei N√§chten in der Gnifetti-H√ľtte akklimatisieren, bevor sie dann am Mittwoch, sofern das Wetter mitspielt, aufbrechen, um im Gletscher auf 4500 Metern √ľber Meer den Eiskern zu extrahieren. Wenn die Entnahme des Eiskerns erfolgreich ist, soll dieser f√ľr weitere Forschung in die Antarktis gebracht werden.

Der Gornergletschter ist mit 40 Quadratkilometern der zweitgrösste Gletscher der Alpen und hat eine maximale Dicke von 80 Metern. Er ist auch der am meisten untersuchte Gletscher.

Am Projekt nehmen Forschende des Schweizerischen Paul Scherrer-Instituts, dem italienischen nationalen Forschungsrat und einer Universität in Venedig teil. Ein ähnliches Projekt war im vergangenen Jahr gescheitert. Die Forscherinnen und Forscher mussten ihre Eiskernbohrungen auf dem Grand-Combin-Gletscher unterbrechen, weil sie in einer Tiefe von 20 Metern auf Wasser gestossen waren. Das hat sie daran gehindert, die Probe zu entnehmen.

Die Expedition ist Teil des internationalen Projekts „Ice Memory“, mit dem Informationen √ľber die Umwelt und das Klima aus den vergangenen 10’000 Jahren gesammelt werden sollen. Das im Jahr 2015 von franz√∂sischen und italienischen Glaziologen lancierte Programm sieht vor, in den n√§chsten zwei Jahrzehnten an etwa 20 Gletschern Bohrungen vorzunehmen. Die ersten Bohrungen wurden in Frankreich, Bolivien und Russland vorgenommen.

Die Proben werden in einem unter Schnee eingegrabenen Keller gelagert. Das antarktische Hochland, wo die Temperaturen normalerweise unter minus 50 Grad Celsius liegen, gilt als einer der zuverl√§ssigsten „nat√ľrlichen Gefrierschr√§nke“ der Welt.

Das Ziel der Wissenschaftler ist es, eine globale Bibliothek von Gletscherarchiven in der Antarktis aus Gletschern aufzubauen, die von der globalen Erw√§rmung bedroht sind. Dies soll zuk√ľnftigen Generationen erm√∂glichen, Umweltbedingungen und Klimaschwankungen in der Vergangenheit zu studieren.

(text:sda/bild:pixabay)