11 Mai 2021

Israels Armee greift nach Raketenangriffen Ziele im Gazastreifen an

Der aufs Neue eskalierte Konflikt zwischen Israel und den Pal√§stinensern nimmt immer gef√§hrlichere Ausmasse an. Israels Luftwaffe beschoss nach andauernden Raketenangriffen aus dem Gazastreifen auch in der Nacht zum Dienstag Ziele in dem K√ľstengebiet, bei denen angeblich mehrere militante Islamisten gezielt get√∂tet wurden. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza kamen bei der j√ľngsten Eskalation der Gewalt 22 Pal√§stinenser ums Leben, darunter neun Kinder. 106 Menschen wurden verletzt.

Israels Ministerpr√§sident Benjamin Netanjahu hatte den militanten Pal√§stinenserorganisationen mit einer harten Reaktion gedroht. Die EU und die USA verurteilten die j√ľngsten Raketenangriffe aus dem Gazastreifen und forderten ein sofortiges Ende der Gewalt in dem abgeschotteten K√ľstengebiet und im von Israel besetzten Westjordanland. „Auch wenn alle Seiten Schritte zur Deeskalation unternehmen (m√ľssen), hat Israel nat√ľrlich das Recht, sein Volk und Territorium vor diesen Angriffen zu sch√ľtzen“, betonte US-Aussenminister Antony Blinken.

Nach schweren Zusammenstössen hatten die im Gazastreifen herrschenden Islamisten der Hamas per Ultimatum den Abzug aller Polizisten und Siedler vom Tempelberg (Al-Haram al-Scharif/Das edle Heiligtum) sowie aus dem Viertel Scheich Dscharrah in Ost-Jerusalem gefordert. Als Israel dem nicht nachkam, begann am Montagabend kurz nach 18 Uhr Ortszeit der Beschuss. Schon vor Mitternacht sprach das Militär von mehr als 150 abgefeuerten Raketen, Dutzende davon habe die Raketenabwehr Eisenkuppel abgefangen. Bis zum Dienstagmorgen ertönten immer wieder Warnsirenen, vor allem in der Peripherie des Gazastreifens und in der Stadt Aschkelon. Tel Aviv begann damit, öffentliche Schutzräume bereitzustellen.

Ein Hamas-Sprecher sagte, die Raketen seien eine „Botschaft“ an den Feind Israel und eine „Reaktion auf seine Verbrechen und Aggression gegen die heilige Stadt“. Zu den Angriffen bekannte sich auch die Gruppe Islamischer Dschihad.

In Jerusalem wurde am Montagabend nach Militärangaben erstmals seit dem Sommer 2014 Raketenalarm ausgelöst. Der Armee zufolge wurden sechs Raketen auch in Richtung der Stadt abgeschossen. Zu Schaden kam dort ersten Berichten zufolge niemand. In der Stadt begingen viele Israelis da den Jerusalem-Tag. Das Land feiert damit die Eroberung des arabischen Ostteils von Jerusalem einschliesslich der Altstadt während des Sechstagekriegs 1967.

„Die Terrororganisationen in Gaza haben am Abend des Jerusalem-Tags eine rote Linie √ľberschritten und uns in den Vororten Jerusalems mit Raketen angegriffen“, sagte Netanjahu bei einer Ansprache in der Stadt. „Wir werden keine Angriffe auf unser Gebiet, unsere Hauptstadt, unsere B√ľrger und Soldaten dulden. Wer uns angreift, wird einen hohen Preis bezahlen.“ Die israelischen B√ľrger m√ľssten sich darauf einstellen, dass der gegenw√§rtige Konflikt l√§nger dauern k√∂nnte.

Der Tempelberg in Jerusalem mit dem Felsendom und der Al-Aksa-Moschee ist f√ľr Juden wie Muslime von herausragender Bedeutung. Es ist die drittheiligste St√§tte im Islam. Zugleich standen dort fr√ľher zwei j√ľdische Tempel, von denen der letzte im Jahr 70 von den R√∂mern zerst√∂rt wurde. Die Klagemauer ist ein √úberrest jenes zerst√∂rten Tempels und die heiligste St√§tte der Juden.

Auf dem Tempelberg war es am Montag erneut zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und israelischen Polizisten gekommen. Palästinensische Rettungskräfte sprachen von Hunderten Verletzten. Nach Polizei-Angaben wurden fast zwei Dutzend Beamte verletzt.

Die Spannungen im Westjordanland und im arabisch geprägten Osten Jerusalems hatten sich seit Beginn des muslimischen Fastenmonats Ramadan verschärft. Viele Palästinenser sind zornig, weil die Polizei Bereiche der Altstadt abgesperrt hatte, um Versammlungen zu verhindern. Zudem drohen einigen palästinensischen Familien im Stadtteil Scheich Dscharrah Wohnungsräumungen durch israelische Behörden. In den vergangenen Nächten gab es jeweils Konfrontationen.

Seit der gewaltsamen Macht√ľbernahme der Hamas im Gazastreifen im Jahre 2007 haben sich Israel und die radikale Pal√§stinenserorganisation drei Kriege geliefert. Israel und √Ągypten halten das Gebiet unter Blockade und begr√ľnden dies mit Sicherheitserw√§gungen. Rund zwei Millionen Menschen leben dort unter miserablen Bedingungen. Im August 2020 verk√ľndete die Hamas nach Vermittlung Katars eine Waffenruhe mit Israel. Aber auch danach gab es immer wieder Verst√∂sse. Die Hamas wird von Israel, den USA und der EU als Terrororganisation eingestuft. Sie hat die Zerst√∂rung Israels zu ihrem Ziel erkl√§rt.

(text:sda/bild:unsplash)