9 Juni 2022

Heftige K├Ąmpfe: Ukrainer wehren sich in entscheidender Schlacht

In der Stadt Sjewjerodonezk haben sich ukrainische Soldaten am Donnerstag weiter in erbitterten K├Ąmpfen gegen eine russische ├ťbermacht zur Wehr gesetzt. Pr├Ąsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete die Schlacht um die Stadt im Osten des Landes mit einst mehr als 100 000 Einwohnern als die vielleicht schwerste des Krieges.

In Bunkern unter der Chemiefabrik Azot haben sich ukrainische Soldaten und Zivilisten in Sicherheit gebracht. Das erinnert fatal an das Asow-Stahlwerk in Mariupol, wo die letzten ukrainischen Verteidiger nach wochenlangen Abwehrk├Ąmpfen und heftigen russischen Bombardierungen am 21. Mai in russische Gefangenschaft gegangen waren.

Gouverneur: Russland kontrolliert Grossteil der Stadt

Der Gouverneur der Region Luhansk, Serhij Hajdaj, gestand nach schweren K├Ąmpfen zwar ein, die russische Armee kontrolliere mehr als 90 Prozent des Luhansker Gebiets und auch den gr├Âssten Teil von Sjewjerodonezk. Die Verteidiger w├╝rden sich im Industriegebiet der Stadt halten, es gebe aber auch K├Ąmpfe in anderen Stadtteilen. Er bestritt, dass die Lage schon so wie zuletzt in Mariupol sei. „Stand heute besteht keine Gefahr einer Einkesselung“, meinte Hajdaj. Die Angaben sind nicht unabh├Ąngig zu pr├╝fen.

In Sjewjerodonezk entscheidet sich Schicksal des ukrainischen Donbass

Selenskyj bezeichnete die Schlacht um Sjewjerodonezk als richtungsweisend f├╝r den Kampf um den Osten des Landes. „Sjewjerodonezk bleibt das Epizentrum der Auseinandersetzungen im Donbass“, sagte er in einer Videobotschaft. Das ukrainische Milit├Ąr f├╝ge dem Gegner dort sp├╝rbare Verluste zu. „Das ist eine sehr brutale und schwere Schlacht. Vielleicht eine der schwersten dieses Krieges (…) In vielem entscheidet sich dort das Schicksal unseres Donbass.“

Berichte ├╝ber Tote und Verletzte bei russischen Angriffen

Bei Angriffen auf ukrainische Orte sind den Beh├Ârden zufolge mehrere Zivilisten get├Âtet oder verwundet worden. Der Gouverneur des Gebiets Donezk, Pawlo Kyrylenko, machte Russland f├╝r vier Tote und f├╝nf Verletzte in dem von Regierungstruppen kontrollierten Teil der Region im Osten des Landes verantwortlich. „Die Lage bleibt schwierig. Die Frontlinie steht unter st├Ąndigem Beschuss“, teilte Kyrylenko mit. Die ukrainische Armee sprach von sieben abgewehrten russischen Angriffen im Donbass. Dabei seien 31 K├Ąmpfer get├Âtet und mehrere gepanzerte Fahrzeuge zerst├Ârt worden. Das russische Milit├Ąr habe beim Beschuss ukrainischer Orte etwa 20 H├Ąuser sowie zwei Schulen und eine Bahnstation zerst├Ârt.

EU stellt Ukraine weitere 205 Millionen Euro zur Verf├╝gung

„Mit diesen Mitteln sorgen unsere humanit├Ąren Partner f├╝r Nahrungsmittel, Wasser, medizinische Versorgung, Unterk├╝nfte, Schutz und Bargeldhilfen“, sagte der f├╝r EU-Krisenmanagement zust├Ąndige Kommissar Janez Lenarcic w├Ąhrend eines Ukraine-Besuches am Donnerstag. Bisher wurden Leistungen im Wert von mehr als 700 Millionen Euro an EU-Hilfen bereitgestellt – 13 Millionen hiervon seien laut EU-Kommission f├╝r Projekte im benachbarten Moldau bestimmt. Nach Angaben der Vereinten Nationen ben├Âtigen rund 16 Millionen Menschen in der Ukraine humanit├Ąre Hilfe. Bereits mehr als 14 Millionen Menschen mussten ihre Heimat verlassen – davon seien knapp 7 Millionen Menschen in die Nachbarl├Ąnder gefl├╝chtet.

EU-Kandidat Ukraine? Empfehlung der EU-Kommission wohl am 17. Juni

Die EU-Kommission wird voraussichtlich kommende Woche Freitag (17. Juni) ihre Empfehlung abgeben, ob der Ukraine der EU-Kandidatenstatus gew├Ąhrt werden sollte. Nach der Empfehlung der EU-Kommission will der EU-Gipfel am 23. und 24. Juni ├╝ber den Antrag der Ukraine beraten. Eine Entscheidung muss einstimmig von den EU-Staaten getroffen werden. Das Land hatte kurz nach Beginn des russischen Kriegs gegen die Ukraine den Beitritt zur EU beantragt.

Nato-Generalsekret├Ąr Jens Stoltenberg erkrankt

Nato-Generalsekret├Ąr Jens Stoltenberg musste seinen f├╝r Donnerstag geplanten Berlin-Besuch kurzfristig absagen. Ein Nato-Beamter erkl├Ąrte auf Anfrage, bei Stoltenberg sei G├╝rtelrose diagnostiziert worden und er arbeite von zu Hause aus. Dies k├Ânne nach einer Corona-Erkrankung auftreten. Stoltenberg wollte in Berlin Bundeskanzler Olaf Scholz und Verteidigungsministerin Christine Lambrecht treffen. Dabei sollte es unter anderem um die Vorbereitung des Nato-Gipfels vom 28. bis 30. Juni in Madrid gehen.

(text&bild:sda)