28 April 2021

Hauptpreis der Swiss Press Awards geht an „Le Temps“-Journalist:innen

Die Fondation Reinhardt von Graffenried hat am Mittwoch in Bern ihre Swiss Press Awards vergeben. Den Hauptpreis gewannen die Journalisten Sylvia Revello, Boris Busslinger und C├ęlia H├ęron von „Le Temps“ f├╝r ihre Enth├╝llungen um ├ťbergriffe und Machtmissbrauch bei RTS.

Laut der Stiftung zeigten sie mit ihren Recherchen auf, dass beim Westschweizer Fernsehen RTS ein Gesetz des Schweigens ├╝ber Anz├╝glichkeiten, ├ťbergriffe und Machtmissbrauch herrschte.

„Die Wellen gingen bis ins Bundeshaus“, w├╝rdigte die Jury die Arbeiten der drei Journalisten von „Le Temps“. Ihnen sei es unter anderem mit Mut, Fingerspitzengef├╝hl und Teamarbeit gelungen, das Gesetz des Schweigens bei einem ├Âffentlich-rechtlichen Medienunternehmen der Schweiz zu brechen, hiess es weiter.

Jahrelang hatte es die Direktion des Westschweizer Fernsehens RTS offenbar zugelassen, dass sich ├╝ber F├Ąlle von meist sexueller Bel├Ąstigung, ├╝bergriffigem Verhalten oder Machtmissbrauch ein Mantel des Schweigens ausbreitete. Die Journalisten Revello, Busslinger und H├ęron deckten diese Missst├Ąnde auf und verdienten daher zu Recht den Titel „Journalisten des Jahres“, begr├╝ndete die Jury ihren Entscheid.

Den zweiten Hauptpreis und damit den Titel „Fotografin des Jahres“ erhielt Sarah Carp. Erstmals in der ├╝ber dreissigj├Ąhrigen Geschichte des Preises erhielt somit eine Frau diese Ehrung. Sie wurde f├╝r ihre Arbeit „Parenth├Ęse – Rester ├á la maison“ bei „Le Matin Dimanche“ ausgezeichnet, weil sie damit besonders eindr├╝cklich Momente w├Ąhrend der Coronavirus-Pandemie aufgriff.

Der zweite Preis in der Kategorie Print ging an Christoph Lenz von „Das Magazin“ f├╝r seinen Beitrag „Die Klimaschande von Visp“. Er thematisierte darin, dass in einer Vitaminfabrik des Chemiekonzerns Lonza in Visp als Abfallprodukt klimasch├Ądliches Lachgas entweicht. Und den dritten Platz in der Print-Kategorie belegte Tugba Ayaz. Sie schrieb ebenfalls f├╝r „Das Magazin“ den Artikel „Die Schweiz der anderen“, in dem sie einer Pr├╝gelei unter Jugendlichen im Shoppingcenter Tivoli auf den Grund ging.

In der Kategorie Online gewannen Valentin Felber und Sylke Gruhnwald f├╝r ihre Arbeit „Bangladesch: Im Stich gelassen“ auf reflekt.ch den ersten Preis. Sie thematisierten, wie die Coronavirus-Krise offenbarte, dass das s├╝dasiatische Land Bangladesch stark von der globalen Textilindustrie abh├Ąngig ist.

Andrea Arezina, Marie-Jos├ę Kolly und Thomas Preusse holten f├╝r „Schwangerschaftsabbruch: Sag, wie hast duÔÇÖs mit der Frist?“ auf republik.ch den zweiten Preis. Der Beitrag widmet sich der Frage, was h├Âher zu gewichten sei – der Schutz des ungeborenen Lebens oder das Recht der Frau auf Selbstbestimmung ├╝ber ihren K├Ârper.

Und Timo Grossenbacher sowie Felix Michel belegten mit „So einfach ist es, eine ├ťberwachungsmaschine zu bauen“ auf srf.ch den dritten Platz in der Online-Kategorie. Die Journalisten zeigten mit einem Experiment, dass Gesichtserkennung im Internet – also die Zuordnung einer Identit├Ąt zum Bild einer Person – funktioniert.

In der Kategorie Audio siegten Simon Meyer, Katharina Bracher und This Wachter mit dem „NZZ am Sonntag“-Podcast „Vermisst: Ursula Koch“. Der erste Preis f├╝r Lokaljournalismus ging an Julian Witschi, Catherine Boss und Marius Aschwanden f├╝r „Umweltskandal Blausee“ in der „Berner Zeitung“.

Die Auszeichnungen der Fondation Reinhardt von Graffenried wurden am Mittwochabend in Bern pro Kategorie – Print, Online, Audio und Video, Lokaljournalismus und Fotografie – verliehen. Insgesamt sind sie in diesem Jahr mit 145’000 Franken dotiert, wie Michael von Graffenried von Swiss Press Awards am Mittwoch gegen├╝ber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA erkl├Ąrte.

Jedem der Gewinner wurde ein Diamant als W├╝rdigung der geleisteten Arbeit ├╝berreicht. Die zwei Hauptgewinner erhielten zudem je 25’000 Franken und die Gewinner der Kategorien Online, Audio, Video und Lokaljournalismus jeweils 15’000 Franken.

Die verlagsunabh├Ąngige Fondation Reinhardt von Graffenried wurde mit dem Ziel gegr├╝ndet, den schweizerischen Journalismus zu f├Ârdern.

(text&bild:keystone-sda)