22 April 2021

Giulia Steingruber an der EM in drei Finals dabei

Giulia Steingruber schafft an den Europameisterschaften in Basel in der Qualifikation den Einzug in drei Finals. Am Sprung und am Boden k├Ąmpft sie um die Medaillen.

Mehr als 17 Monate war es her, seit Giulia Steingruber im November 2019 am Swiss Cup Z├╝rich ihren letzten Wettkampf bestritten hatte. Dementsprechend aufgeregt war die 27-j├Ąhrige Ostschweizerin in der zwar leeren, aber dennoch stimmungsvollen St. Jakobshalle. Viele Athleten unterst├╝tzten ihre Kolleginnen auf der Trib├╝ne, zudem waren auf drei grossen Bildschirmen Zuschauer in Echtzeit von zuhause zugeschaltet.

Steingruber entt├Ąuschte diese nicht. Nach einem verhaltenen Start an ihrem schw├Ąchsten Ger├Ąt Stufenbarren und einem Sturz am Schwebebalken drehte die f├╝nffache Europameisterin im zweiten Wettkampfteil auf. Am Boden zeigte sie ein ebenso spektakul├Ąres wie ausdrucksstarkes neues Programm zu irischer Musik. Und am Sprung konnte sie sich den Luxus leisten, nicht alles riskieren zu m├╝ssen. Nach einem sauberen Tschussowitina zeigte sie den Jurtschenko nur noch mit einer Schraube.

Auch so erreichte Steingruber an ihrem Paradeger├Ąt als Drittbeste den Final. Nur die Britin Jessica Gadirova und die Mehrkampf-Beste Angelina Melnikowa aus Russland waren minim besser als die Schweizerin, die – wenn ihr im Final auch der Jurtschenko mit einer doppelten Schraube gelingt – die Topfavoritin auf Gold ist. Es w├Ąre ihr vierter EM-Titel am Sprung nach 2013, 2014 und 2016.

Nur als Aussenseiterin im Kampf um die Medaillen startet sie am Boden. „Das Niveau ist sehr hoch“, so die St. Gallerin, die als F├╝nfte die Qualifikation abschloss. Die Landungen gl├╝ckten zwar vorz├╝glich, „aber ein wenig besser geht es immer“. W├Ąhrend Gold die Russinnen Melnikowa und Viktoria Listunowa unter sich ausmachen d├╝rften, ist der Kampf um Bronze offen.

Den Auftakt in die Finals macht am Freitag der Mehrkampf, in dem Steingruber als Einzige den STV vertreten wird. Kommt sie ohne Sturz durch ihr Programm, liegt sogar ein Platz in den Top 8 drin. Im Gegensatz zu ihrer Teamleaderin verpassten Lilli Habisreutinger, Stefanie Siegenthaler und Anina Wildi den Einzug in den Final der besten 24 klar.

Habisreutinger feierte dennoch ein gelungenes Deb├╝t an internationalen Titelk├Ąmpfen bei der Elite. Die 16-J├Ąhrige aus Frauenfeld konnte zwar eine gewisse Nervosit├Ąt nicht verbergen, kam aber mit Ausnahme eines Sturzes am Schwebebalken ohne groben Fehler durch ihr Programm. Sie sei sehr unsicher gewesen, sagte die Thurgauerin. Dennoch k├Ânne sie f├╝r die Zukunft viel von diesem Anlass mitnehmen. Ihr n├Ąchstes grosses Ziel sind die Weltmeisterschaften im Oktober. Eine Teilnahme in Japan strebt auch Wildi an.

F├╝r Aufsehen sorgte die Deutsche Sarah Voss. Die 21-J├Ąhrige absolvierte ihren Wettkampf in einem schwarzen Ganzk├Ârperanzug als Zeichen des Protests gegen die Sexualisierung im Kunstturnen. Am Freitag im Mehrkampf-Final wollen auch ihre Teamkolleginnen Elisabeth Seitz und Kim Bui mit langen Gymnastikanz├╝gen antreten. J├╝ngst hatte Seitz kritisiert, dass immer wieder Fotos von ihr mit anz├╝glichen Motiven ver├Âffentlicht werden.

(text:sda/bild:sda)