24 MĂ€rz 2022

FrĂŒhere US-Aussenministerin Madeleine Albright ist tot

Die frĂŒhere US-Aussenministerin Madeleine Albright ist im Alter von 84 Jahren gestorben. Sie sei am Mittwoch im Kreis von Familie und Freunden einer Krebserkrankung erlegen, teilte ihre Familie ĂŒber Twitter in einer Stellungnahme mit. Albright wurde 1993 unter US-PrĂ€sident Bill Clinton Botschafterin der US-Regierung bei den Vereinten Nationen in New York. SpĂ€ter rĂŒckte sie ab 1997 als erste Frau an die Spitze des Aussenministeriums in Washington. Dabei wurde die ursprĂŒnglich aus Osteuropa stammende Demokratin, deren Familie einst als FlĂŒchtlinge in die USA eingewandert war, zu einer fĂŒhrenden Stimme der US-Aussenpolitik im 20. Jahrhundert.

In Anspielung auf den russischen Angriffskrieg in der Ukraine erklĂ€rte Clinton am Mittwoch, “Madeleines Tod ist ein immenser Verlust fĂŒr die Welt – und das zu einer Zeit, in der wir die Lehren ihres Lebens am meisten brauchen”. Albright sei eine der besten Diplomatinnen, eine brillante Professorin und ein “ausserordentlicher Mensch” gewesen, erklĂ€rte Clinton. Als Aussenministerin sei sie eine “leidenschaftliche Vertreterin von Freiheit, Demokratie und Menschenrechten” gewesen, betonte er.

US-PrĂ€sident Joe Biden erklĂ€rte, die Vereinigten Staaten hĂ€tten keine entschlossenere “VorkĂ€mpferin fĂŒr Demokratie und Menschenrechte” gehabt als Albright, die selbst um die Gefahr von Autokratien wusste. Albright sei einst als schutzbedĂŒrftiger FlĂŒchtling in die USA gekommen. “Und so wie viele vor – und nach – ihr war sie eine stolze Amerikanerin. Um das Land, das sie liebte, noch besser zu machen, trotzte sie Gewohnheiten und nahm immer wieder HĂŒrden.”

Der MehrheitsfĂŒhrer der Demokraten im US-Senat, Chuck Schumer, erklĂ€rte: “Madeleine Albright war einzigartig und die erste ihrer Art.” Sie sei ein “Titan” der US-Geschichte gewesen. “Ihre Brillanz ihr leidenschaftlicher Patriotismus und ihr scharfer Humor gaben ihr eine herausragende PrĂ€senz auf der WeltbĂŒhne und ihre Geschichte inspirierte Frauen und MĂ€dchen auf der ganzen Welt”, erklĂ€rte Schumer. Ex-PrĂ€sident Barack Obama erklĂ€rte, Albright habe sich stets fĂŒr demokratische Werte eingesetzt und dabei geholfen, den Balkan zu befrieden und in instabilen LĂ€ndern fĂŒr Fortschritte zu sorgen.

Der frĂŒhere US-PrĂ€sident George W. Bush, der sich wĂ€hrend seiner Amtszeit viel Kritik von Albright gefallen lassen musste, erklĂ€rte, sie habe sich als Ministerin ausgezeichnet fĂŒr Freiheitsrechte und Frieden eingesetzt. Als Tochter von FlĂŒchtlingen habe sie “den amerikanischen Traum gelebt und anderen geholfen, diesen zu verwirklichen”, erklĂ€rte der Republikaner.

Die deutsche Aussenministerin Annalena Baerbock erklĂ€rte ĂŒber Twitter, auch sie stehe heute auf Albrights Schultern. “Mit Haltung, Klarheit und Mut stand Madeleine Albright als erste US-Aussenministerin ein fĂŒr Freiheit und die StĂ€rke von Demokratien”, schrieb die GrĂŒnen-Politikerin. “Mit ihr verlieren wir eine streitbare KĂ€mpferin, wahre Transatlantikerin und Vorreiterin.” Nato-GeneralsekretĂ€r Jens Stoltenberg erklĂ€rte, Albright sei eine starke “Kraft fĂŒr die Freiheit”, eine echte Freundin des BĂŒndnisses und eine “inspirierende Kollegin” gewesen.

Kurz vor ihrem Tod fand Albright noch harte Worte fĂŒr Russlands PrĂ€sidentin Wladimir Putin, einen Tag vor Kriegsbeginn. “Ein Einmarsch in die Ukraine wĂŒrde nicht Russlands Weg zur Grösse ebnen, sondern Herrn Putins Ehrlosigkeit besiegeln, indem er sein Land diplomatisch isoliert, wirtschaftlich angeschlagen und strategisch verwundbar gegenĂŒber einem stĂ€rkeren, geeinten westlichen BĂŒndnis macht”, schrieb sie in der “New York Times”. Wenn Putin sich in die Ecke gedrĂ€ngt fĂŒhle, könne er sich dafĂŒr nur selbst die Schuld geben. Die Ukraine habe ein Recht auf ihre SouverĂ€nitĂ€t, betonte Albright.

Albright war am 15. Mai 1937 als Marie Jana (genannt Madlenka) Korbelova in Prag als Ă€ltestes von drei Kindern einer jĂŒdischen Diplomatenfamilie geboren worden. Nach dem Einmarsch deutscher Truppen wanderte die Familie nach England aus, wo Albright in Unwissenheit ihrer jĂŒdischen Herkunft katholisch erzogen wurde. Ihr Vater Josef Korbel diente nach dem Zweiten Weltkrieg der Tschechoslowakei als Diplomat. Nach der MachtĂŒbernahme der Kommunisten in Prag beantragte die Familie 1948 in den USA Asyl.

Der MilliardĂ€r und einstige demokratische PrĂ€sidentschaftsbewerber Mike Bloomberg schrieb auf Twitter: “Zu einer Zeit, in der Menschen vor einem brutalen Angriffskrieg fliehen, ist Madeleine Albrights Leben eine starke Erinnerung daran, dass jene, die mit nichts ausser TrĂ€umen hierherkommen, unser Land stĂ€rker und die Welt friedlicher gemacht haben.”

(text:sda/bild:unsplash-symbolbild)