22 MĂ€rz 2021

Finma-Chef Branson wechselt zur deutschen Aufsichtsbehörde

An der Spitze der Finanzmarktaufsicht Finma kommt es zu einem Wechsel. Mark Branson, der die Behörde seit April 2014 leitet, wechselt zur deutschen Aufsichtsbehörde Bafin, wie die Finma am Montag mitteilte.

Branson wird die neue Aufgabe als Bafin-PrĂ€sident laut den Angaben per Mitte 2021 ĂŒbernehmen. Schon ab Mai werde die Finma operativ von Jan Blöchliger gefĂŒhrt, so die Mitteilung weiter. Die Suche nach einer neuen Direktorin oder einem neuen Direktor sei eingeleitet worden.

Der Abgang Bransons wird in der Mitteilung bedauert. Er habe den Aufbau und die nationale und internationale Etablierung der Behörde wesentlich geprÀgt. Und seine Berufung zeuge von ihrer internationalen Anerkennung.

Branson startete seine TÀtigkeit bei der Finma Januar 2010 als Leiter des GeschÀftsbereichs Banken. Nach seiner Wahl zum Direktor 2014 habe er den Kampf gegen die FinanzkriminalitÀt im Rahmen der GeldwÀschereiaufsicht priorisiert.

Zuvor musste sich der frĂŒhere Manager der Grossbank UBS gegen Kritiker wehren, die an seiner UnabhĂ€ngigkeit gezweifelt hatten. Doch Branson ging in seiner Amtszeit gegen die UBS und weitere Banken vor, sodass diese Bedenken schnell in den Hintergrund traten.

Gleichzeitig genoss der 1968 geborene britische und Schweizer DoppelbĂŒrger bei Banken und Versicherern eine breitere UnterstĂŒtzung als sein VorgĂ€nger. Branson hatte an der EliteuniversitĂ€t Cambridge Mathematik und Management studiert und spĂ€ter auch bei der Credit Suisse gearbeitet.

„Finma-Direktor ist ein extrem anspruchsvoller Job. Mark Branson hat ihn hervorragend gemacht“, lĂ€sst sich Finma-VerwaltungsratsprĂ€sidentin Marlene Amstad zum Abgang zitieren. Er habe fĂŒr den Aufbau und die Etablierung der Behörde in einer fĂŒr den Finanzplatz sehr bewegten Zeit „einen herausragenden Beitrag“ geleistet. „Dass die Finma so dasteht, als national und international anerkannte Behörde, ist ein grosser Verdienst von Mark Branson.“

Bransons Nachfolger ad interim, Jan Blöchlinger, ist seit Juli 2018 Leiter des GeschÀftsbereichs Banken und Mitglied der GeschÀftsleitung der Finma. Von 2015 bis 2018 leitete er die Abteilung Aufsicht Credit Suisse Group. Von 2013 bis 2015 war er ausserdem GeneralsekretÀr der Finma.

Von Beruf ist Blöchlinger Rechtsanwalt. Sein Jurastudium an der UniversitĂ€t St. Gallen (HSG) schloss er 2002 ab. 2005 erhielt er die Zulassung als Anwalt im Kanton ZĂŒrich, wie die Finma auf ihrer Website schreibt.

Die deutsche Finanzmarktaufsicht Bafin, zu der Branson nun wechseln wird, befindet sich im Gegensatz zur Finma in einer Krise. Der bisherige PrĂ€sident Felix Hufeld war ĂŒber den Wirecard-Skandal gestĂŒrzt. Er wurde im Januar vom deutschen Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) entlassen, weil ihm Versagen in dem Bilanzskandal vorgeworfen wurde.

Weder der Bafin noch den WirtschaftsprĂŒfern von EY war der mutmassliche jahrelange Milliardenbetrug von Wirecard aufgefallen. Inzwischen hat der insolvente frĂŒhere Dax-Konzern Luftbuchungen von 1,9 Milliarden Euro eingerĂ€umt – insgesamt könnte es nach Ermittlungen der MĂŒnchener Staatsanwaltschaft um mehr als drei Milliarden Euro gehen.

Die Bafin ist auch ins Visier der Frankfurter Staatsanwaltschaft geraten. Es handelt sich nach frĂŒheren Angaben vom Februar um eine VorprĂŒfung. Wirecard-AktionĂ€re hatten Strafanzeigen erstattet. Sie werfen der Behörde vor, sie habe ihre Aufsichtspflichten verletzt.

Zum anderen geht es um die möglicherweise strafbare Verletzung von Insiderwissen. Nebst Hufeld trat auch seine Vizechefin Elisabeth Roegele ab, nachdem der Verdacht aufkam, ein Bafin-Mitarbeiter könnte dank Insiderwissen mit Wirecard-Papieren GeschÀfte gemacht haben.

(text:sda/bild:sda)