18 August 2021

Fast 2000 Tote: Opferzahlen nach Beben in Haiti deutlich gestiegen

Die vorl├Ąufige Zahl der Erdbeben-Todesopfer in Haiti ist noch einmal um mehr als 500 auf 1941 gestiegen. Mehr als 9900 Menschen seien verletzt worden, teilte die haitianische Zivilschutzbeh├Ârde am Dienstag auf Twitter mit. Einen Tag zuvor waren es noch 1419 best├Ątigte Tote gewesen. Die Such- und Rettungsarbeiten gingen am Dienstag weiter, nachdem der Tropensturm „Grace“ in der Nacht ├╝ber das betroffene Gebiet auf der s├╝dhaitianischen Halbinsel Tiburon hinweggefegt war und mancherorts ├ťberschwemmungen verursacht hatte. Zehntausende Menschen, die im Beben ihr Zuhause verloren hatten, konnten sich mit Zelten und Planen nur notd├╝rftig sch├╝tzen.

Es gab allerdings auch Hoffnungsschimmer: Am Dienstagmorgen (Ortszeit), drei Tage nach dem Beben, wurden nach Angaben des Zivilschutzes in der Ortschaft Bref├Ęt aus den Tr├╝mmern eines fr├╝heren UN-Geb├Ąudes 16 Menschen lebend geborgen. Auch kam allm├Ąhlich Hilfe in der Erdbebenregion an. Die US-Beh├Ârde f├╝r Entwicklungszusammenarbeit (USAID) flog nach eigenen Angaben 52 Menschen zur medizinischen Behandlung aus. Die Krankenh├Ąuser in der Gegend waren ├╝berlastet, schlecht ausgestattet, personell unterbesetzt und selbst besch├Ądigt.

Das Beben der St├Ąrke 7,2 hatte sich am Samstagmorgen (Ortszeit) nahe der Gemeinde Saint-Louis-du-Sud ├Âstlich von Les Cayes in einer Tiefe von rund zehn Kilometern ereignet. Gut 37 000 H├Ąuser wurden laut Zivilschutzbeh├Ârde zerst├Ârt, fast 47 000 besch├Ądigt. Nach Unicef-Angaben waren 1,2 Millionen Menschen betroffen. Die Not war gross in dem Gebiet, das f├╝nf Jahre zuvor von Hurrikan „Matthew“ verw├╝stet worden war. Es fehlte am N├Âtigsten. „Die humanit├Ąre Lage ist sehr besorgniserregend“, erkl├Ąrte das B├╝ro des Interims-Premierministers Ariel Henry.

Bei einem Erdbeben der St├Ąrke 7,0 im Januar 2010 waren in Haiti, dem ├Ąrmsten Land Amerikas, mehr als 220 000 Menschen ums Leben gekommen und mehr als eine Million Menschen obdachlos geworden. Der Wiederaufbau litt stark unter Korruption und Verschwendung.

Haitis ohnehin schwer unterfinanziertes Gesundheitssystem ist durch die sich zuletzt verschlimmernde Pandemie ├╝berstrapaziert. Hinzu kommt eine tiefe politische Krise, die sich nach der Ermordung des Staatspr├Ąsidenten Jovenel Mo├»se durch eine Kommandotruppe in seiner Residenz in der Nacht zum 7. Juli noch versch├Ąrft hat. K├Ąmpfe zwischen Banden um Territorium legen Teile der Hauptstadt Port-au-Prince immer wieder lahm und trieben allein im Juni nach UN-Zahlen rund 15 000 Menschen in die Flucht.

Banden kontrollieren auch die Hauptstrasse in den S├╝den des Landes und blockieren sie. Die Regierung und UN-Vertreter h├Ątten ausgehandelt, dass zwei Hilfskonvois die Strasse befahren d├╝rften, teilte die UN-Agentur zur Koordinierung humanit├Ąrer Hilfe (OCHA) mit.

Die haitianische Menschenrechtsorganisation RNDDH kritisierte die Katastrophenhilfe der Regierung als „totales Chaos“. „Sie sind v├Âllig sich selbst ├╝berlassen“, hiess es hinsichtlich der Erdbebenopfer. Im Sturm seien viele der wenigen Zelte und Planen gerissen, so dass sie „nun wirklich gar kein Dach ├╝ber dem Kopf mehr haben“, sagte Sibille Buehlmann von der Organisation Handicap International aus Port-au-Prince der Deutschen Presse-Agentur. Auch in den noch stehenden H├Ąusern in der Erdbebenregion schlafe niemand mehr – weil sie instabil geworden sein k├Ânnten und wegen st├Ąndiger Nachbeben.

(text:sda/bild:unsplash)