7 Juni 2022

EU-UnterhÀndler einigen sich auf Aufsichtsrat-Geschlechterquote

Nach jahrelanger Blockade haben sich UnterhĂ€ndler der EU-LĂ€nder und des EU-Parlaments auf verbindliche Frauenquoten in der EU fĂŒr Leitungspositionen börsennotierter Unternehmen geeinigt. Konkret sollen die Staaten bis 2026 zwischen zwei Modellen wĂ€hlen können.

Entweder sollen mindestens 40 Prozent der Mitglieder von nicht geschĂ€ftsfĂŒhrenden Aufsichtsratsmitgliedern Frauen sein, wie die Vize-PrĂ€sidentin des EU-Parlaments Evelyn Regner am Dienstagabend mitteilte. Die andere Möglichkeit sehe vor, einen durchschnittlichen Frauen-Anteil von 33 Prozent fĂŒr AufsichtsrĂ€te und VorstĂ€nde zu erreichen. Wer sich nicht an die Regeln halte, mĂŒsse zahlen.

Eine solche Vorgabe sei lĂ€ngst ĂŒberfĂ€llig: „Nach SchĂ€tzungen des EuropĂ€ischen Instituts fĂŒr Gleichstellungsfragen sind derzeit nur 30,6 Prozent der Aufsichtsratsmitglieder weiblich und nur 8,5 Prozent der VorstĂ€nde in der EU mit Frauen besetzt“, so die als Chefverhandlerin an den Verhandlungen beteiligte Sozialdemokratin.

Das Vorhaben ist geschlechtsneutral. Sprich: Wenn in einem entsprechenden Gremium mehr Frauen als MĂ€nner sĂ€ssen, profitierten auch MĂ€nner von der Regelung. Formell mĂŒssen EU-Staaten und Europaparlament der Einigung noch zustimmen.

Massgeblich fĂŒr die nun gefundene Einigung war auch der Regierungswechsel in Deutschland. Unter Ex-Kanzlerin Angela Merkel stand Deutschland einer Einigung noch im Weg.

In der Schweiz liegt die Frauenquote in den VerwaltungsrĂ€ten börsenkotierter Unternehmen aktuell bei rund 24 Prozent, wie eine Anfang Juni veröffentlichte Datenanalyse der Finanznachrichtenagentur AWP zeigte. Damit nĂ€hert man sich – zumindest im Durchschnitt ĂŒber alle Unternehmen gesehen – der Vorgabe des Bundes an, die ab 2026 in den VerwaltungsrĂ€ten mindestens 30 Prozent Frauen vorsieht.

(text:sda/bild:unsplash)