22 April 2021

Erneut Afroamerikaner in den USA bei Polizeieinsatz erschossen

Nur einen Tag nach dem Schuldspruch gegen den weissen Ex-Polizisten Derek Chauvin im Fall des get√∂teten Afroamerikaners George Floyd ist in den USA erneut ein Schwarzer bei einem Polizeieinsatz erschossen worden. Der Vorfall ereignete sich am Mittwoch in der Kleinstadt Elizabeth City im Bundesstaat North Carolina, als Beamte einen Durchsuchungsbefehl ausf√ľhrten, wie der Sheriff im Bezirk Pasquotank, Tommy Wooten, sagte. Einen Tag zuvor hatte ein Polizist im Staat Ohio eine 16-j√§hrige Schwarze erschossen, die Videoaufnahmen zufolge mit einem Messer bewaffnet war.

Ebenfalls am Dienstag war der ehemalige Polizist Chauvin im Prozess nach dem Tod von George Floyd in allen Anklagepunkten schuldig gesprochen worden. Die T√∂tung des unbewaffneten 46-J√§hrigen vor knapp einem Jahr hatte in den USA zu Massenprotesten gegen Rassismus und Polizeigewalt gef√ľhrt.

Der Sheriff im Bezirk Pasquotank, Wooten, sagte, bei der Durchsuchung in Elizabeth City sei es um das sp√§tere Opfer, Andrew Brown Junior, gegangen. Er machte allerdings keine genaueren Angaben zum Hergang der Tat oder zum Grund f√ľr den Durchsuchungsbefehl gegen Brown. Nach √∂rtlichen Medienberichten soll der unbewaffnete 40-j√§hrige Familienvater w√§hrend der Durchsuchung in sein Auto gestiegen sein und habe wegfahren wollen. Daraufhin sei geschossen worden, sagten Familienmitglieder demnach.

Der Vorfall wird nun von der zust√§ndigen Beh√∂rde des Bundesstaats (SBI) untersucht. Der Beamte, der die Sch√ľsse feuerte, ist bis auf Weiteres beurlaubt, wie Wooten erkl√§rte. Bezirksstaatsanwalt Andrew Womble versprach eine eingehende Untersuchung.

Einen Tag zuvor hatte ein Polizist im Staat Ohio eine 16-j√§hrige Schwarze erschossen, die Videoaufnahmen zufolge mit einem Messer bewaffnet war. Das M√§dchen habe andere Menschen angegriffen, erkl√§rte der amtierende Polizeichef der Stadt Columbus, Michael Woods. Die vier t√∂dlichen Sch√ľsse waren nur wenige Minuten vor der Verk√ľndung des Schuldspruches gegen Chauvin gefallen.

Die Sprecherin von US-Pr√§sident Joe Biden, Jen Psaki, erkl√§rte am Mittwoch im Weissen Haus: „Die T√∂tung der 16-j√§hrigen Ma’Khia Bryant durch die Polizei in Columbus ist tragisch. Sie war ein Kind.“ Psaki f√ľgte hinzu, es sei bekannt, dass „Polizeigewalt √ľberproportional Schwarze und Latinos trifft“. Die Regierung setze sich daher f√ľr den Kampf gegen strukturellen Rassismus und Vorurteile ein. Zudem werbe das Weisse Haus f√ľr dringend ben√∂tigte Polizeireformen.

Chauvin war am Dienstag im Prozess nach dem Tod von George Floyd schuldig gesprochen worden. Der 46 Jahre alte Floyd war vor einem Jahr bei einer Festnahme ums Leben gekommen. Videos dokumentierten, wie Polizisten den unbewaffneten Mann zu Boden dr√ľckten. Chauvin presste dabei sein Knie gut neun Minuten lang auf Floyds Hals, w√§hrend dieser flehte, ihn atmen zu lassen. Die Beamten hatten ihn wegen des Verdachts festgenommen, mit einem falschen 20-Dollar-Schein bezahlt zu haben.

Allein im vergangenen Jahr wurden in den USA nach einer Datenbank der „Washington Post“ 243 Schwarze von der Polizei erschossen.

(text:sda/bild:pexels)