15 August 2021

Mehr als 700 Tote – Hilfsangebote aus dem Ausland

Nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti mit mindestens 724 Toten und 2800 Verletzten hat die internationale Gemeinschaft Hilfe angekĂŒndigt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) drĂŒckte den den Menschen ihr „tief empfundenes Beileid“ aus. „Mein besonderes MitgefĂŒhl gilt den Angehörigen der Opfer und all jenen, die ihr Hab und Gut verloren haben. Den Verletzten wĂŒnsche ich eine schnelle Genesung“, hiess es in einer Mitteilung am Sonntag.

UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres erklĂ€rte, er habe mit grosser Betroffenheit von den tragischen Verlusten an Menschenleben und Verletzungen erfahren. Die Vereinten Nationen unterstĂŒtzten die BemĂŒhungen der Regierung, den von dem Erdbeben Betroffenen zu helfen. Auch Papst Franziskus Ă€usserte Anteilnahme: „Ich möchte meine NĂ€he zu diesen liebenswerten Einwohnern zum Ausdruck bringen, die so hart von dem Erdbeben getroffen wurden“, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche nach dem traditionellen Angelus-Gebet am Sonntag in Rom. Das Erdbeben, dessen StĂ€rke die US-Behörde USGS mit 7,2 angab, ereignete sich am Samstagmorgen gegen 8.30 Uhr nahe der Gemeinde Saint-Louis-du-Sud im SĂŒden Haitis in einer Tiefe von rund zehn Kilometern. Es zerstörte zahlreiche GebĂ€ude, weitere Opfer wurden befĂŒrchtet. In den Stunden nach dem UnglĂŒck bargen RettungskrĂ€fte und BĂŒrger viele Menschen aus den TrĂŒmmern. Am Wochenende erschĂŒtterten mehreren Nachbeben das Land, die nach USGS-Angaben StĂ€rken bis 5,8 erreichten.

Die Ereignisse wecken Erinnerungen an das verheerende Erdbeben im Jahr 2010: Damals waren mehr als 220 000 Menschen ums Leben gekommen, mehr als 300 000 wurden verletzt, ĂŒber eine Million Menschen verloren ihr Zuhause.

„Die Strassen sind erfĂŒllt von Schreien. Die Menschen sind auf der Suche nach Angehörigen, Ressourcen, medizinischer Hilfe, Wasser“, sagte Abiade Lozama, Leiter der Episkopalkirche in der besonders betroffenen Stadt Les Cayes der „New York Times“. Es werde Tage dauern, die genauen SchĂ€den zu beurteilen, sagte die Leiterin der Kinderhilfsorganisation Save the Children in Haiti, Leila Bourahla, dem Blatt und fĂŒgte hinzu: „Es ist klar, dass es sich um eine massive humanitĂ€re Notlage handelt.“

Die Panamerikanischen Gesundheitsorganisation (PAHO) schickte ein Expertenteam. Such- und Rettungsarbeiten des Internationalen Roten Kreuzes konzentrierten sich auf die Gegend um die besonders betroffenen StÀdte Jérémie und Les Cayes. Die Organisation sandte ebenfalls Notfallspezialisten.

Interims-Premierminister Ariel Henry besuchte nach eigenen Angaben das Department Grand‘ Anse und ĂŒberflog Les Cayes, um sich ein Bild vom Ausmass der SchĂ€den zu machen. Er rief einen einmonatigen Notstand aus. Unter anderem die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), Kolumbien, Argentinien, Chile, Mexiko, Kanada und die USA boten Hilfe an. „Die Vereinigten Staaten bleiben dem haitianischen Volk ein enger und bestĂ€ndiger Freund, und wir werden auch nach dieser Tragödie da sein“, erklĂ€rte US-PrĂ€sident Joe Biden.

Japans Tennis-Star Naomi Osaka will ihr Preisgeld vom WTA-Turnier in Cincinnati fĂŒr die Betroffenen des Erdbebens spenden. „Es schmerzt, die vielen SchĂ€den fĂŒr Haiti zu sehen. Es fĂŒhlt sich an, als bekĂ€men wir keine Atempause“, schrieb die Weltranglisten-Zweite bei Twitter. Osakas Vater stammt aus Haiti.

Die Bundesregierung rief dazu auf, die betroffenen Gebiete im SĂŒdwesten des Inselstaates zu meiden. „Es muss mit zahlreichen Toten und Verletzten sowie starken SchĂ€den an GebĂ€uden und Infrastruktur gerechnet werden. Es kommt weiterhin zu starken Nachbeben“, warnte das AuswĂ€rtige Amt.

Haiti wird immer wieder von schweren Erdbeben erschĂŒttert. „Das Land liegt am Rande einer grossen tektonischen Platte, der Karibischen Platte“, sagte Marco Bohnhoff vom Geoforschungszentrum Potsdam der Deutschen Presse-Agentur. „Das Problem ist, dass das Beben fast bis an die OberflĂ€che gereicht hat“, sagt er. Im Mittel versetzte das Erdbeben die Karibische Platte um etwa 1,5 Meter – „hauptsĂ€chlich zur Seite, aber mit einer vertikalen Komponente“.

Die durch Erdbeben angerichteten SchĂ€den hĂ€ngen auch von der Bevölkerungsdichte ab. Das Zentrum des Ă€hnlich starken, verheerenden Erdbebens von 2010 lag unter der Hauptstadt Port-au-Prince – einem Ballungsraum mit mehr als zwei Millionen Einwohnern. Beim aktuellen Beben ist als grosse Stadt Les Cayes mit schĂ€tzungsweise rund 90 000 Einwohnern in etwa 35 Kilometern Entfernung zum Epizentrum betroffen.

Dem Karibikstaat droht weiteres Ungemach: Der Tropensturm „Grace“ könnte am Montag auf die Region treffen, wie das Nationale Hurrikan-Zentrum der USA mitteilte. Heftige Winde und starker Regen könnten Haiti treffen, die Situation in dem vom Erdbeben betroffenen Gebiet verschlimmern und Rettungsmassnahmen behindern.

(text:sda/bild:unsplash)