8 November 2023

Ein Monat nach Hamas-Angriff: Israels Truppen kĂ€mpfen „tief“ in Gaza

Einen Monat nach dem Massaker der islamistischen Hamas in Israel sind Bodentruppen der israelischen StreitkrĂ€fte nach eigenen Angaben „tief“ in die Stadt Gaza vorgedrungen. Die Einheiten seien „derzeit in den Tiefen“ der Stadt und ĂŒbten „grossen Druck“ auf die dort herrschende Hamas aus, sagte MilitĂ€rsprecher Daniel Hagari am Dienstagabend. „Wir verzeichnen Erfolge, aber es liegt noch ein weiter Weg vor uns.“

Seit Beginn des MilitĂ€reinsatzes griffen die israelischen StreitkrĂ€fte nach eigenen Angaben 14 000 Ziele im Gazastreifen an. Unter anderem seien in dem vergangenen Monat mehr als 100 ZugĂ€nge zu Tunneln zerstört und zahlreiche Hamas-Kommandeure getötet worden, sagte MilitĂ€rsprecher Hagari. Zudem hĂ€tten israelische Einheiten ĂŒber 4000 Waffen zerstört. Viele seien in Moscheen, KindergĂ€rten und Wohngebieten versteckt gewesen. „Das ist ein Beweis fĂŒr den zynischen Missbrauch von Zivilisten als menschliche Schutzschilde durch die Hamas“, sagte der Konteradmiral.

Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte zuvor in einer Fernsehansprache gesagt: „Die Hamas stellt fest, dass wir an Orte gelangen, von denen sie dachte, dass wir sie nie erreichen wĂŒrden“. Die Hamas wird von der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft.

Am 7. Oktober hatten Terroristen der Hamas und anderer Gruppen bei Massakern und Angriffen im israelischen Grenzgebiet mehr als 1400 Menschen getötet und zahlreiche Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Die israelischen StreitkrĂ€fte flogen daraufhin Luftangriffe und rĂŒckten mit Bodentruppen in den dicht besiedelten KĂŒstenstreifen ein. Die Zahl der im Gazastreifen getöteten PalĂ€stinenser ist nach Angaben des Hamas-kontrollierten Gesundheitsministeriums auf mehr als 10 300 gestiegen. Die Zahlen lassen sich derzeit nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen.

Baerbock: Mehr als 200 Deutsche und Angehörige aus Gaza ausgereist

Bundesaussenministerin Annalena Baerbock bestĂ€tigte unterdessen die Ausreise von mehr als 200 Deutschen und deren Familienangehörigen aus dem Gazastreifen. „Das gibt Hoffnung inmitten der furchtbaren Lage in Gaza“, schrieb die GrĂŒnen-Politikerin am Mittwoch auf der Plattform X. Die Bundesregierung arbeite „weiter, bis jeder Deutsche, der ausreisen will, dies auch kann“.

Baerbock forderte erneut humanitĂ€re Feuerpausen im Gazakrieg, um die Notlage der Zivilisten zu lindern. „Die Bilder aus Gaza lassen niemanden los“, schrieb sie. „Deswegen werbe ich so sehr fĂŒr humanitĂ€re Feuerpausen.“ Sie habe „unzĂ€hlige GesprĂ€che gefĂŒhrt und mit allen Partnern darĂŒber gesprochen, wie wir humanitĂ€re Feuerpausen zeitlich als auch geographisch endlich auf den Weg bringen können. Es muss jetzt konkret werden.“ Die Menschen in Gaza brauchten Wasser, Brot und medizinische Versorgung. Die Schwerstverletzten mĂŒssten endlich behandelt werden.

Hunderte gedenken in Jerusalem der Opfer des Anschlags der Hamas

Vier Wochen nach dem Massaker der islamistischen Hamas in Israel gedachten in Jerusalem Hunderte Menschen der Opfer. Mit einer 30-minĂŒtigen Mahnwache erinnerten sie Medienberichten zufolge an die von Terroristen am 7. Oktober getöteten und verschleppten Menschen. Nach Angaben der Zeitung „Haaretz“ errichteten Angehörige der Geiseln in der NĂ€he des israelischen Parlaments zudem ein Protestcamp. Sie forderten demnach den RĂŒcktritt von MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu. In Israel gibt es massive Kritik an dem Regierungschef, der bisher keine direkte Verantwortung fĂŒr das politische und militĂ€rische Versagen am 7. Oktober ĂŒbernommen hat.

Weitere Raketenangriffe aus Gaza auf Israel

Die im Gazastreifen herrschende islamistische Hamas feuerte am Dienstagabend erneut Raketen auf das Zentrum von Israel ab. Auch im Grossraum Tel Aviv heulten mehrfach die Warnsirenen. Der militĂ€rische Arm der Hamas reklamierte die Attacken auf Telegram fĂŒr sich. Verletzt wurde SanitĂ€tern zufolge nach ersten Erkenntnissen niemand. Aus dem Gazastreifen wurden laut israelischen Angaben seit Kriegsbeginn am 7. Oktober mehr als 9000 Raketen auf israelische Ortschaften abgefeuert. FĂŒr einen Grossteil ĂŒbernahm die in dem KĂŒstengebiet herrschende Hamas die Verantwortung.

IKRK: Bisherige Hilfen in Gaza sind „nur Tropfen auf heissen Stein“

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) forderte mehr Hilfe fĂŒr die Menschen im Gazastreifen. Die bisher eingetroffenen Lieferungen seien nur „ein Tropfen auf dem heissen Stein“, sagte Imene Trabelsi, Regionalsprecherin des IKRK im Nahen und Mittleren Osten, der Deutschen Presse-Agentur. Die humanitĂ€re Lage fĂŒr die Bevölkerung verschlechtere sich von Tag zu Tag. FĂŒr die Hunderttausenden geflohenen Familien sei die Situation besonders schlimm, da die NotunterkĂŒnfte ĂŒberfĂŒllt seien. „Viele sind gezwungen, auf offenen FlĂ€chen auf der Strasse zu schlafen“, sagte Trabelsi. Ihnen fehlten Dinge wie Decken oder Babynahrung.

Rotes Kreuz: Hilfskonvoi in Stadt Gaza beschossen

Ein Konvoi des Roten Kreuzes mit medizinischen HilfsgĂŒtern geriet nach Angaben der Organisation in der Stadt Gaza unter Beschuss. Wie das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) mitteilte, wurden am Dienstag zwei der fĂŒnf Lastwagen beschĂ€digt und ein Fahrer leicht verletzt. Der Transport sei unter anderem zum Al-Quds-Krankenhaus des PalĂ€stinensischen Roten Halbmondes unterwegs gewesen. „Unter diesen UmstĂ€nden können humanitĂ€re Helfer nicht arbeiten“, sagte IKRK-Vertreter William Schomburg. Er wies darauf hin, dass Konfliktparteien nach internationalem Recht verpflichtet seien, die Versorgung von Gesundheitseinrichtungen mit lebenswichtigen GĂŒtern zu ermöglichen.

Was am Mittwoch wichtig wird

Der UN-Hochkommissar fĂŒr Menschenrechte, Volker TĂŒrk, will in die Krisenregion im Nahen Osten reisen. Er werde sich unter anderem in Ägypten und Jordanien ĂŒber die Menschenrechtssituation in der Region austauschen, teilte sein BĂŒro mit. So werde sich der österreichische UN-Diplomat in Kairo mit dem Aussenminister Ägyptens sowie Vertretern regionaler Organisationen und dem GeneralsekretĂ€r der Liga der Arabischen Staaten treffen. Am Mittwoch will TĂŒrk ausserdem den GrenzĂŒbergang Rafah zwischen dem Gazastreifen und Ägypten besuchen.

(text:sda/bild:keystone)