7 Juni 2021

Ehefrau und Schw├Ągerin erstochen – Beschuldigter vor Gericht Brugg

Vor dem Bezirksgericht Brugg AG steht ab heute Montag ein Mann, der im Januar 2018 in Hausen AG seine Frau und deren Schwester erstochen haben soll. Die Verhandlung ist auf vier Tage angelegt.

Die vorab ver├Âffentlichte Anklageschrift der Staatsanwaltschaft gibt praktisch keine Details ├╝ber den Beschuldigten und die Opfer preis. Gem├Ąss fr├╝heren Angaben der Oberstaatsanwaltschaft Aargau ist der Angeklagte mittlerweile 57 Jahre alt und stammt aus dem Kosovo.

Er befindet sich im vorzeitigen Strafvollzug. Bei den Opfern handelt es sich um seine 38-j├Ąhrige Ehefrau und um deren 31-j├Ąhrige Schwester.

Der Staatsanwalt beantragt eine lebensl├Ąngliche Freiheitsstrafe wegen mehrfachen Mordes, eventuell eine Freiheitsstrafe von 20 Jahren wegen mehrfacher vors├Ątzlicher T├Âtung. Nach Verb├╝ssung der Strafe sei der Mann f├╝r 15 Jahre des Landes zu verweisen und dies im Schengener Informationssystem (SIS) einzutragen. Dies bedeutet eine Sperre f├╝r den gesamten Schengen-Raum.

Gem├Ąss Staatsanwalt hatte die Ehefrau rund ein Jahr vor der Bluttat ihren Ehemann wegen h├Ąuslicher Gewalt angezeigt. Offenbar hatte sie genug von seinen Gewaltausbr├╝chen, Beschimpfungen und seiner kontrollierenden, einengenden Art – sie wollte die Scheidung.

Dies h├Ątte f├╝r den Ehemann laut Anklageschrift erstens finanzielle Nachteile gehabt, zweitens h├Ątte er die Obhut ├╝ber die Kinder verlieren k├Ânnen, und drittens drohte „ein innerfamili├Ąrer und gesellschaftlicher Gesichtsverlust“. Er beabsichtigte, die Scheidung zu verhindern.

Weil er zudem den Verdacht hegte, seine Frau gehe fremd, installierte er – immer gem├Ąss Anklage – heimlich an versteckter Stelle in ihrem Auto ein Mobiltelefon. Mit einer Ortungs-App beobachtete er nun, wo die Frau hinfuhr. Er fuhr auch selber zu diesen Standorten, um sicher zu sein, dass er sich nicht t├Ąuschte.

Am 30. Dezember 2017 stellte er fest, dass sich die Frau in einer leerstehenden Liegenschaft mit einem Mann traf, den er kannte. In der Silvesternacht fuhr die Frau unter dem Vorwand, ihre Schwester nach einer Autopanne abholen zu wollen, in einen Club, und am Nachmittag des 6. Januar fuhr sie wieder zu einem Treffen in das leere Haus.

Am Montag, dem 8. Januar 2018, als die Kinder zum ersten Schultag nach den Weihnachtsferien aufgebrochen waren, t├Âtete der Beschuldigte gem├Ąss Anklage seine Ehefrau, die noch im Bett lag, indem er ihr ein langes, spitzes Messer zweimal in den Oberk├Ârper stiess.

Anschliessend erstach er auch seine Schw├Ągerin, die im Kinderzimmer ├╝bernachtet hatte. Damit beseitigte er „eine f├╝r ihn l├Ąstige Zeugin und verhasste Verb├╝ndete seiner Ehefrau“, schreibt der Staatsanwalt. Dann habe er der Schw├Ągerin ein K├╝chenmesser in die Hand gelegt und sich selbst Stichverletzungen zugef├╝gt, um einen Angriff der Frauen beziehungsweise eine Notwehrsituation zu suggerieren.

Nach der Tat brachte er der Nachbarin Geld f├╝r die Kinder und bat seinen ├Ąltesten Sohn aus erster Ehe, sich um die Kinder zu k├╝mmern. Dann rief er seinen Anwalt an, damit dieser die Polizei benachrichtigte. Noch am gleichen Tag wurde von der Polizei festgenommen.

Das Bezirksgericht Brugg verhandelt den Mordprozess unter erh├Âhten Sicherheitsvorkehrungen in der Mehrzweckhalle Hausen. Der Prozess war im November kurzfristig verschoben worden: Eine Person aus den Reihen der Parteien war positiv auf Covid-19 getestet worden.

(text:sda/bild:unsplash)