17 Juli 2022

„Drogenboss der Drogenbosse“ festgenommen – USA will Auslieferung

Mexiko ist um einen „Helden auf vier Pfoten“ („El Universal“) reicher: Such- und Rettungshund Max war es, der einen der einst m├Ąchtigsten Kriminellen des nordamerikanischen Landes im Geb├╝sch aufsp├╝rte, so dass dieser erneut festgenommen und inhaftiert werden konnte. Die erste Nacht nach der Festnahme verbrachte Rafael Caro Quintero – der von den USA meistgesuchte mexikanische Drogenboss – bereits im Hochsicherheitsgef├Ąngnis von Almoloya, 85 Kilometer westlich von Mexiko-Stadt, wie die mexikanische Zeitung „El Universal“ am Samstag (Ortszeit) berichtete. Dort sollte er laut Generalstaatsanwaltschaft untergebracht werden.

Die Marine hatte die Festnahme von Caro Quintero am Freitag best├Ątigt. Er galt im Mexiko der 1980er Jahre – wie Pablo Escobar in Kolumbien – als „Narco de Narcos“, als „Drogenboss der Drogenbosse“. In einem Video war zu sehen, wie er in Jeans und Hemd von Mitgliedern der Marine abgef├╝hrt wurde. Die Festnahme erfolgte laut US-Botschafter Ken Salazar allein durch die mexikanische Regierung. Die Chefin der US-Anti-Drogen-Polizei DEA, Anne Milham, hatte vom „unglaublichen DEA-Team in Mexiko“ geschw├Ąrmt, das mit den mexikanischen Beh├Ârden zusammenarbeitete.

Caro Quintero hatte 1985 den Mord an Enrique „Kiki“ Camarena, einem Beamten der DEA, angeordnet. Der Mitgr├╝nder des ehemaligen Guadalajara-Kartells, des ersten grossen Drogen-Kartells in Mexiko, war seit 2013 auf der Flucht.

Damals war er nach 28 von 40 Jahren Haft wegen angeblicher Verfahrensfehler frei gekommen. Der Oberste Gerichtshof Mexikos hob diese Entscheidung auf, da war Caro Quintero aber bereits untergetaucht. Das US-Aussenministerium setzte 20 Millionen US-Dollar Kopfgeld aus. „Die Festnahme ist f├╝r die USA sehr, sehr wichtig, weil Caro Quintero der Drahtzieher hinter dem Mord an unserem Agenten Enrique „Kiki“ Camarena war“, sagte Mike Vigil, Ex-DEA-Chef f├╝r internationale Operationen, dem Nachrichtenportal „Sin Embargo“.

US-Generalstaatsanwalt Merrick B. Garland dankte den mexikanischen Beh├Ârden f├╝r die Festnahme des 69-J├Ąhrigen. „Es gibt kein Versteck f├╝r jemanden, der US-amerikanische Beamte entf├╝hrt, foltert und t├Âtet“, hiess es in einer Mitteilung des US-Justizministeriums. Man wolle seine sofortige Auslieferung an die USA beantragen, damit er dort vor Gericht gestellt werden k├Ânne. Mexikanische Beamte, auf die sich die Zeitung „La Jornada“ berief, wiesen darauf hin, dass der Prozess mindestens ein Jahr dauern k├Ânne.

Der Drogenboss wurde in der Ortschaft San Sim├│n in den Bergen des nordwestlichen Bundesstaates Sinaloa festgenommen. Zuletzt soll er das kleinere Caborca-Kartell angef├╝hrt haben.

Beim Absturz eines Marine-Hubschraubers nach seiner Festnahme ebenfalls in Sinaloa kamen 14 Passagiere ums Leben. Zudem wurde ein Beamter schwer verletzt. Sie alle h├Ątten den Einsatz f├╝r die Festnahme unterst├╝tzt, schrieb der mexikanische Pr├Ąsident Andr├ęs Manuel L├│pez Obrador in sozialen Netzwerken. Der Absturz habe beim Landen in der Ortschaft Los Mochis stattgefunden, die Ursachen w├╝rden untersucht. Auch verschiedene Senatoren forderten eine Aufkl├Ąrung, wie „El Universal“ am Sonntag berichtete.

Vor wenigen Tagen war L├│pez Obrador in Washington von seinem US-Kollegen Joe Biden offiziell empfangen worden. Die Festnahme des einst m├Ąchtigsten Drogenbosses Mexikos k├Ânnte als Geste des guten Willens gegen├╝ber Washington interpretiert werden, nachdem es zu Spannungen in Bereichen wie Sicherheit und Migration gekommen war.

In Mexiko sind nach Angaben der International Crisis Group rund 200 kriminelle Gruppen aktiv. Sie sind etwa in Drogenhandel, Entf├╝hrung und Erpressung verwickelt. 2006 begann der Staat, den „Drogenkrieg“ milit├Ąrisch zu f├╝hren. Die Gewalt hat Hunderttausende Menschenleben gekostet, ├╝ber 100 000 Menschen gelten als verschwunden.

(text:sda/bild:unsplash-symbolbild)