22 MĂ€rz 2021

Die Mannschaft steht, der Ablauf der EM noch nicht

Am Donnerstag startet die Schweiz mit dem ersten Spiel in der WM-Qualifikation auswÀrts gegen Bulgarien ins LÀnderspieljahr 2021. Das sind die wichtigsten Fragen.

Nach dem kurzen und nur mit Nations-League- und Testspielen belegten (Corona-)Jahr 2020 ist in diesem Jahr wieder alles möglich: von himmelhochjauchzend bis zu Tode betrĂŒbt. Also zum Beispiel von einem EM-Viertelfinal und der Qualifikation fĂŒr die WM 2022 bis zu einem frĂŒhen Ausscheiden an der EM und dem Verpassen der WM-Endrunde. Was sicher ist: Es wird ein langes LĂ€nderspieljahr. Schon jetzt stehen 14 Partien auf dem Programm. Die Zahl könnte sich im Verlaufe der EM-Endrunde erhöhen, ausserdem könnten im Herbst noch ein bis zwei Testspiele organisiert werden. Der Rekord stammt aus dem Jahr 1994, als die SFV-Auswahl 15 LĂ€nderspiele absolvierte.

Der Weg an die WM mit nur 13 Teilnehmern aus Europa ist deutlich schwieriger als an die EM mit ihren 24 Mannschaften. In den zehn Gruppen qualifiziert sich nur der Sieger direkt. Die Schweiz ist in ihrer Gruppe nicht Favorit; diese Rolle gehört Italien, das in der EM-Qualifikation alle zehn Spiele gewann, sich in der Nations League fĂŒr das Finalturnier qualifizierte und seit ĂŒber zweieinhalb Jahren in 22 Spielen ungeschlagen geblieben ist. Der Zweite bestreitet im MĂ€rz 2022 die Playoffs und muss dort zwei K.o.-Spiele ĂŒberstehen („Halbfinal“ und „Final“, ohne Hin- und RĂŒckspiel). Neben den zehn Gruppenzweiten nehmen an den Playoffs auch zwei Gruppensieger aus der letztjĂ€hrigen Nations League teil, die in der WM-Qualifikation nicht auf die PlĂ€tze 1 oder 2 kommen. Die Schweiz wurde in der Nations League Gruppendritter; diese HintertĂŒr öffnet sich fĂŒr sie also nicht.

Vor 13 Monaten, kurz bevor die EM um ein Jahr verschoben wurde, unterzeichnete Vladimir Petkovic einen Vertrag bis und mit Ende WM-Qualifikation. Er verlÀngert sich bei einer WM-Teilnahme automatisch bis und mit Endrunde im SpÀtherbst 2022.

Der Umbruch scheint abgeschlossen. Petkovic hat die Gruppe gefunden, mit der er das Jahr bestreiten wird. Ein Indiz dafĂŒr: Von den jetzt 23 aufgebotenen Spielern waren 20 schon im vergangenen November dabei. Wer jetzt nicht im Aufgebot steht, dĂŒrfte es im Normalfall schwer haben, in den nĂ€chsten Monaten ins Team zu kommen. Dies gilt nicht fĂŒr die verletzten Fabian SchĂ€r und Renato Steffen, die ein Aufgebot erhalten, wenn sie fit sind. Ausserdem scheint auch die Stammformation auf acht Positionen gegeben: Yann Sommer, Nico Elvedi, Fabian SchĂ€r, Manuel Akanji, Ricardo Rodriguez, Granit Xhaka, Xherdan Shaqiri und Haris Seferovic sind Fixstarter in Petkovics 3-4-1-2 oder 3-5-2. Silvan Widmer oder Kevin Mbabu sowie zwei aus dem Trio Breel Embolo, Remo Freuler oder Denis Zakaria komplettieren die Mannschaft.

Die unbestrittenen Leader sind die Spieler, die schon vor dem Umbruch viel Gewicht hatten: Captain Xhaka und TorhĂŒter Sommer. Ein FĂŒhrungsspieler ist auch Fabian SchĂ€r, doch ist mehr als ungewiss, ob sich der Ostschweizer bis zur EM von seiner Knieverletzung erholt haben wird. In der zweiten Reihe stehen Spieler wie Manuel Akanji, Nico Elvedi, Remo Freuler oder Xherdan Shaqiri. Die ersten drei sind eher Leader auf dem Platz und (noch) weniger in der Kabine. Über Elvedi etwa sagte Petkovic: „Er ist eine leise FĂŒhrungsperson, er muss lauter werden“. Bei Shaqiri ist das Problem, dass er zuletzt zu oft nicht dabei war. In den letzten anderthalb Jahren hat er von 14 LĂ€nderspielen nur vier bestritten. In der EM-Qualifikation 2019 war er gar nie dabei.

Das weiss womöglich nicht einmal er selber. Immerhin hat Shaqiri vor zwei Wochen erstmals seit 15 Monaten in der Premier League ein Spiel ĂŒber 90 Minuten bestritten. Und Fakt ist auch, dass er seit Anfang Jahr nicht mehr verletzt war. Ob das schon reicht, um in der WM-Qualifikation innerhalb von drei Tagen zweimal ĂŒber 90 Minuten dominant zu sein, bleibt abzuwarten.

Petkovic muss auf keinen Spieler verzichten, obwohl die Klubs von der Abstellungspflicht befreit sind, wenn bei der RĂŒckkehr eine QuarantĂ€ne-Pflicht besteht. Diese gilt fĂŒr RĂŒckkehrer aus der Schweiz nach Deutschland, Italien oder England nicht. Allerdings gilt die QuarantĂ€ne-Pflicht, wenn man aus Bulgarien in die Schweiz einreist. Die Schweizer Behörden sehen davon aber ab, wenn es sich um eine „nicht aufschiebbare GeschĂ€ftsreise“ handelt. Im Falle der Schweizer Fussballer mit ihrem Termin in der WM-Qualifikation greift dieser Passus.

„Wir leben von Tag zu Tag und hoffen jeden Tag, dass es besser wird“, sagte Petkovic. In der Woche vom 19. April will die UEFA den Entscheid fĂ€llen, ob das Turnier wie geplant in zwölf StĂ€dten in zwölf verschiedenen LĂ€ndern durchgefĂŒhrt wird, oder ob sie sich auf weniger StĂ€dte beschrĂ€nken will, um Spiele mit Zuschauern zu ermöglichen. Die Schweiz spielt – Stand jetzt – in der Vorrunde in Baku und Rom, „aber wir haben keine BestĂ€tigung“, so Petkovic. Der SFV ist auf einige Szenarien vorbereitet. Petkovic: „Wir haben einen Plan A, B und C.“

Was ist vom LĂ€nderspiel-Jahr 2021 zu erwarten?

Wer qualifiziert sich fĂŒr die WM-Endrunde?

Was ist mit dem Vertrag von Vladimir Petkovic?

Wie steht es um den Umbruch?

Wer sind die Leader im Team?

Wie steht es um den Formstand von Xherdan Shaqiri?

Wie betreffen die ReisebeschrÀnkungen das Team?

Wie und wo wird die EM-Endrunde durchgefĂŒhrt?

(text:sda)