1 Juli 2021

Credit Suisse will rasch ├╝ber neue Strategie entscheiden

Die von Skandalen geplagte Credit Suisse will bis zum Ende des Jahres ├╝ber ihre neue Strategie entscheiden. Das k├╝ndigte der neue Verwaltungsratspr├Ąsident Antonio Horta-Osorio in der „Neuen Z├╝rcher Zeitung“ (Donnerstagausgabe) an – in seinem ersten Interview in dieser Funktion.

Horta-Osorio sieht die Grossbank vor einem grundlegenden Wandel auf allen Ebenen. „Wir befinden uns in der Anfangsphase einer strategischen Neupositionierung der Bank“, sagte Horta-Osorio laut Vorabbericht. Zum einen m├╝sse langfristig die Richtung bestimmt werden, zum anderen m├╝ssten parallel in k├╝rzerer Frist die Probleme der Bank gel├Âst werden. Die aktuelle Phase der Meinungsbildung werde in einigen Monaten abgeschlossen sein. „Und wir k├Ânnen mit Entscheidungen gegen Ende des Jahres rechnen.“

Laut Insidern erw├Ągt die Grossbank, das Kerngesch├Ąft mit reichen Privatkunden neu aufzustellen. So k├Ânnte sie die bisher auf drei Divisionen verteilte Verm├Âgensverwaltung in einer Sparte zusammenfassen, wie drei mit der Situation vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters sagten.

Damit k├Ânnten Synergien gehoben und die Zusammenarbeit mit anderen Unternehmensbereichen erleichtert werden. Vollzieht die Bank den Umbau, w├╝rden grosse Teile der 2015 vom damaligen Konzernchef Tidjane Thiam eingef├╝hrten regionalen Organisation wieder r├╝ckg├Ąngig gemacht.

„Ich hatte eine ziemlich gute Vorstellung von der Bank“, sagte Horta-Osorio. Viele Treffen mit Mitarbeitern h├Ątten ihm gezeigt, wie stark die Kundenbeziehungen seien – das gelte f├╝r Privat- und Firmenkunden sowie institutionelle Kunden.

Auf die Frage, woher er die Zuversicht nehme, dass es diesmal klappen werde, die Bank auf Kurs zu bringen, antwortete Horta-Osorio: „F├╝r mich lautet die Frage nicht: Was m├╝ssen wir tun, dass es diesmal klappt? Vielmehr lautet sie: Warum geht es mit der Bank nicht vorw├Ąrts, obwohl sie auf einen phantastischen Stamm von Wealth-Management-Kunden in der Schweiz, in Europa und in der Wachstumsregion Asien zur├╝ckgreifen kann?“

Eine grosse St├Ąrke der Credit Suisse sei es, dass sie auf die Bed├╝rfnisse von Unternehmern und Familien ausgerichtet sei, diese als Kunden ins Zentrum ihres Wirkens r├╝cke und ihnen eine breite Palette von Produkten und Dienstleistungen zur Verf├╝gung stelle.

Das Management der Bank steht unter Druck, einen Plan zu liefern, um den mehr als 5 Milliarden Franken teuren Kollaps des US-Hedgefonds Archegos zu bew├Ąltigen. Hinzu kommt die laufende Liquidation von zusammen mit Greensill betriebenen Lieferkettenfinanzierungsfonds, die zu teuren Rechtsf├Ąllen f├╝hren k├Ânnte.

Kunden, Aktion├Ąre und die Schweizer Regulatoren sind ver├Ąrgert ├╝ber die mangelnde Risiko-Kontrolle bei dem Institut. Der fr├╝here Lloyds-Chef Horta-Osorio hat den Spitzenjob bei der Credit Suisse mitten in dieser schwierigen Gemengelage im April ├╝bernommen.

„Die zwei aktuellen grossen F├Ąlle haben allen in der Bank klargemacht, dass sich etwas ver├Ąndern muss“, sagte er der Zeitung. „Ich muss den Wandel also niemandem aufzwingen.“ Er habe das Vertrauen des Verwaltungsrates, der Regulatoren und Aktion├Ąre der Bank. „Alle Stakeholder wollen eine sichere, gut gef├╝hrte Bank, die zum Wohlergehen der Schweiz beitr├Ągt und auf lange Frist Werte schafft. Ich werde mich konsequent f├╝r diesen Wandel einsetzen.“

(text:sda/bild:unsplash)