9 Januar 2022

Corona-Tote in Grossbritannien: Johnson beklagt “furchtbaren Tribut”

Der britische Premierminister Boris Johnson hat sich betrĂŒbt gezeigt ĂŒber die hohe Zahl an Corona-Toten in seinem Land. Am Wochenende hatte die Zahl der TodesfĂ€lle bei mittels PCR-Test bestĂ€tigten Corona-Infizierten die Marke von 150 000 ĂŒberschritten. Grossbritannien ist das erste Land Europas, mit Ausnahme Russlands, das so viele Tote in der Pandemie zu beklagen hat.

“Das Coronavirus hat einen furchtbaren Tribut in unserem Land gefordert (…)”, schrieb Johnson am Samstagabend auf Twitter. Den Angehörigen der Gestorbenen sprach der konservative Politiker sein MitgefĂŒhl aus und fĂŒgte hinzu: “Unser Ausweg aus dieser Pandemie ist, dass jeder seinen Booster bekommt, oder die erste oder zweite Impfung, wenn noch nicht erhalten.”

Die tatsĂ€chliche Zahl der Corona-Toten im Vereinigten Königreich dĂŒrfte sogar noch höher sein. So wurde bereits auf etwa 174 000 Totenscheinen in Grossbritannien Covid-19 vermerkt. Das Land mit etwa 67 Millionen Einwohnern ist weiter fest im Griff der Omikron-Welle. Allein am Sonntag wurden rund 141 000 Neuinfektionen registriert.

Die Zahl der Neuinfektionen auf 100 000 Einwohner innerhalb einer Woche (Sieben-Tage-Inzidenz) wurde zuletzt mit knapp 2000 angegeben (Stand: 4. Januar). WĂ€hrend die Kurve in London inzwischen aber abzuflachen scheint, steigen die Zahlen im Norden Englands weiterhin stark an.

SchÀrfere Massnahmen zur EindÀmmung der Pandemie im grössten Landesteil England lehnt die Regierung in London bislang unter Verweis auf die nicht im selben Mass gestiegenen Krankenhauseinweisungen und TodesfÀlle ab. Immer mehr KrankenhaustrÀger schlagen jedoch Alarm, weil ihnen wegen der vielen InfektionsfÀlle zunehmend Personal fehlt.

Die Regierung von Johnson steht unterdessen wegen angeblicher Missachtung der eigenen Lockdown-Regeln weiter in der Kritik. Neues Öl ins Feuer goss der ehemalige Chefberater Johnsons, Dominic Cummings. Ihm zufolge hatte ein fĂŒhrender Regierungsmitarbeiter im Mai 2020 per Email zu Drinks im Garten des Regierungssitzes 10 Downing Street geladen. Warnungen, es handle sich um einen Verstoss gegen die damals geltenden Lockdown-Regeln, seien ignoriert worden, schrieb der im Streit aus der Regierung ausgeschiedene Cummings in einem am Freitag veröffentlichten Blogeintrag.

Bereits Ende vergangenen Jahres war Johnson wegen Berichten ĂŒber Lockdown-Partys im Regierungssitz erheblich unter Druck geraten. Eine interne Untersuchung soll derzeit klĂ€ren, ob dabei gegen die Corona-Regeln verstossen wurde. Im Fokus stehen Berichte ĂŒber Partys im Dezember 2020.

(text:sda/bild:keystone)