16 Juni 2021

Chancenlose Schweizer verlieren gegen Italien 0:3

Die Schweiz steht an der EM nach zwei sieglosen Spielen und mit nur einem Punkt mit dem R├╝cken zur Wand. Gegen Italien verliert sie in Rom auch in der H├Âhe verdient 0:3.

Das Beste an diesem Abend im R├Âmer Olympiastadion war aus Schweizer Sicht, dass die SFV-Auswahl noch immer Chancen auf die Achtelfinal-Qualifikation hat. Gewinnt sie am Sonntag zum Abschluss der Vorrunde in Baku gegen die T├╝rkei, ist sie mit vier Punkten mindestens Gruppendritter. Das m├╝sste im Normalfall reichen f├╝r die K.o.-Phase. Italien steht derweil nach dem zweiten 3:0-Sieg als erster Achtelfinalist fest.

Als Schiedsrichter Karasew das Spiel abpfiff, muss das f├╝r die Schweizer wie eine Erl├Âsung gewesen sein. Sie hatten soeben eine Partie erlebt wie schon lange nicht mehr. Sie hatten erleben m├╝ssen, wie viel an Qualit├Ąt fehlt zu einem Top-Team. Hier war es nicht die Probeb├╝hne der Nations League. Hier war es die EM-Endrunde, an welcher der Gegner, ein Mitfavorit auf den Titel, ernst machte. Und so wurde es ein Spiel, in welchem die Schweizer nur Staffage waren beim Sturmlauf der Italiener.

Die Leiden der Schweizer fingen fr├╝h an, eigentlich ohne Verz├Âgerung. Ciro Immobile, der beste italienische Torsch├╝tze der Serie A, hatte die erste grosse Chance mit dem Kopf nach einem Vorstoss von Leonardo Spinazzola ├╝ber die linke Seite. Gerademal elf Minuten waren da gespielt. Kurz darauf hatten die Schweizer Gl├╝ck, dass der VAR ein Tor von Giorgio Chiellini wegen Handspiels annullieren liess (19.). Doch schon da sp├╝rte man: Das kann nicht lange gut gehen.

Das tat es auch nicht, denn sieben Minuten sp├Ąter f├╝hrte Italien dann doch. Manuel Locatelli leitete den Angriff mit einem gerissenen Seitenwechsel ein und schloss ihn Sekunden sp├Ąter vor dem leeren Tor ab. In der Zwischenzeit war Ricardo Rodriguez am Fl├╝gel von Domenico Berardi ├╝berlaufen worden, und kam in der Mitte Remo Freuler Locatelli nicht hinterher. Die Szene war Dokument italienischer Spielfreude und Schweizer ├ťberforderung.

Es ging in diesem Stil weiter. St├╝rmende Italiener und leidende Schweizer. Und man fragte sich, weshalb Vladimir Petkovic diesem ├╝berragenden italienischen Mittelfeld mit Doppel-Torsch├╝tze Locatelli, Champions-League-Sieger Jorginho und Nicolo Barella von Meister Inter Mailand ein 3-4-1-2 gegen├╝berstellte. Das italienische Trio z├╝ndete ein Feuerwerk, unterst├╝tzt durch die Fl├╝gel Domenico Berardi und Lorenzo Insigne, ab und zu auch durch den Aussenverteidiger Spinazzola. Ja, diese Squadra Azzurra brachte Spielfreude, Raffinesse und taktische Qualit├Ąt fast ohne Ende auf den Platz.

Remo Freuler und Granit Xhaka waren im Zentrum jedenfalls stets in Unterzahl und ohne Einfluss – der Schweizer Dreimann-Sturm mit Xherdan Shaqiri, Breel Embolo und Haris Seferovic hing vorne entsprechend in corpore in der Luft. Kevin Mbabu und Ricardo Rodriguez waren auf den Seiten nur schon dem Tempo ihrer Gegenspieler nicht gewachsen. Kurz: Die Schweizer waren von A bis Z unterlegen.

Dass Petkovic nach der Pause den Mittelst├╝rmer Seferovic durch Mario Gavranovic ersetzte, war bloss Kosmetik. Es ├Ąnderte weder taktisch noch an der Richtung des Spiels etwas. Kaum hatte die zweite H├Ąlfte begonnen, verschlimmerte sich die Situation weiter. Zwei, drei P├Ąsse am Schweizer Strafraum, und Locatelli stand 18 Meter vor dem Tor frei, nahm Mass und traf zum zweiten Mal.

Erst jetzt, mit dem beruhigenden Vorsprung im R├╝cken, liessen die Italiener die Schweizer ein wenig zum Atmen kommen. Die Schweizer bekamen ihre Spielanteile, und auch die eine oder andere Szene im gegnerischen Strafraum. Xherdan Shaqiri schoss einmal dar├╝ber, ein Abschluss des eingewechselten Steven Zuber wurde abgeblockt. Es waren wie das sp├Ąte, haltbare dritte Gegentor durch Immobile wertlose Muster f├╝r die Statistikbl├Ątter.

Das Verdikt war n├Ąmlich l├Ąngst gesprochen. Die Schweizer wurden dominiert wie nie mehr seit einem 0:2 in Portugal vor knapp vier Jahren in der WM-Qualifikation. Damals wurden die Schweizer in die Barrage gegen Nordirland relegiert. Auch dieses Mal kriegen sie eine letzte Chance. Am Sonntag braucht es gegen die T├╝rkei einen Sieg, um vielleicht doch noch in die Achtelfinals vorzustossen.

(text:sda/bild:sda)