31 M├Ąrz 2021

Bundesrat will Wolfsschutz auf Verordnungsstufe lockern

Kantone sollen k├╝nftig bereits ab zehn gerissenen Nutztieren Wolfsbest├Ąnde regulieren und Einzelw├Âlfe abschiessen d├╝rfen. Der Bundesrat will die Jagdverordnung entsprechend anpassen. Er hat die Vorlage am Mittwoch in die Vernehmlassung geschickt.

Nach dem Nein zum revidierten Jagdgesetz an der Urne im vergangenen September soll der Wolfsschutz nun auf Verordnungsstufe gelockert werden. Mit den vorgeschlagenen ├änderungen setzt der Bundesrat zwei Vorst├Âsse aus dem Parlament um.

Die Regulierung von Wolfsbest├Ąnden sollen auch mit den Anpassungen wie bisher klar eingegrenzt bleiben: Um ein Tier zu schiessen, m├╝ssen konkrete Sch├Ąden vorliegen, der Bund muss dem Abschuss zustimmen, und die regionalen Best├Ąnde m├╝ssen erhalten bleiben.

Neu sollen aber die Kantone bereits ab zehn gerissenen Nutztieren Wolfsbest├Ąnde regulieren und Einzelw├Âlfe abschiessen d├╝rfen. Bisher lag die Schwelle bei 15 gerissenen Tieren. Zudem soll bei gerissenen grossen Nutztieren wie Rindern, Pferden und Lamas die Verordnung dahingehend pr├Ązisiert werden, dass drei Risse ausreichen, damit in ein Wolfsrudel eingegriffen werden kann.

Risse sollen wie bisher nur angerechnet werden, wenn zuvor zumutbare Herdenschutzmassnahmen ergriffen wurden. F├╝r Gebiete, wo W├Âlfe bislang keine Sch├Ąden an Nutztieren angerichtet haben, soll die Schadenschwelle neu bei 15 statt 25 Nutztieren in einem Monat oder 25 statt 35 Nutztieren in vier Monaten liegen.

Der Herdenschutz solle in der Verantwortung des Tierhalters bleiben, heisst es in der Mitteilung weiter. Die finanzielle Unterst├╝tzung des Bundes solle k├╝nftig jedoch grossz├╝giger ausfallen. So soll die Palette der unterst├╝tzenden Massnahmen erweitert werden. Die Finanzhilfebeitr├Ąge werden f├╝r konkrete Herdenschutzmassnahmen auf 80 Prozent und f├╝r Planungsarbeiten der Kantone zum Herdenschutz auf 50 Prozent festgelegt. Dies entspreche der bisherigen Praxis.

Deutlich erh├Âht werden soll der Beitrag f├╝r die von den Kantonen als wirksam erachteten Massnahmen, die sogenannten „weiteren wirksamen Massnahmen der Kantone“. Die finanzielle Entsch├Ądigung soll bei diesen Vorkehrungen von 50 auch 80 Prozent erh├Âht werden.

Die Umweltorganisationen Pro Natura, Bird Life Schweiz, Gruppe Wolf Schweiz und WWF Schweiz teilten in einer ersten Stellungnahme mit, man werde die Vorschl├Ąge des Bundesrats genau pr├╝fen. Das entscheidende Standbein beim Umgang mit dem Wolf sei der Herdenschutz. Diesem Umstand m├╝sse die Revision Rechnung tragen.

Entt├Ąuscht sei man, dass der Bundesrat darauf verzichtete, gleichzeitig mit der Jagdverordnung auch das Jagd- und Schutzgesetz (JSG) zu revidieren. Mit einer solchen Revision h├Ątte der Schutz von bedrohten Tierarten und Wildtieren verbessert werden k├Ânnen, heisst es weiter in der Mitteilung.

Das revidierte Jagdgesetz wurde gem├Ąss Nachwahlbefragung auch abgelehnt, weil es keine Verbesserungen f├╝r bedrohte Tierarten vorsah. „Nur mit einem Gesamtpaket, bestehend aus verst├Ąrktem Schutz der Wildtiere und pragmatischem Umgang mit dem Wolf, kann der Volkswille umgesetzt werden“, halten die Organisationen fest.

Die Vernehmlassung für die Änderungen in der Jagdverordnung dauert bis am 5. Mai 2021. Sie soll am 15. Juli 2021 in Kraft treten.

(text:sda/bild:archiv)