23 Juni 2022

Brics-Gipfel: China und Russland kritisieren Westen

China und Russland haben den diesj√§hrigen Brics-Gipfel f√ľr deutliche Kritik am Westen genutzt.

Die Brics-L√§nder, zu denen auch Brasilien, Indien und S√ľdafrika geh√∂ren, sollten mehr „Verantwortung √ľbernehmen“ und sich f√ľr „Gleichheit und Gerechtigkeit“ in der Welt einsetzen, forderte der chinesische Pr√§sident Xi Jinping in seinen Er√∂ffnungsworten zum virtuellen Gipfel. „Einseitigen Sanktionen“ m√ľsse man sich entgegenstellen.

Die f√ľnf sogenannten Brics-Staaten – benannt nach ihren Anfangsbuchstaben – treffen sich seit 2009 einmal pro Jahr. Der diesj√§hrige Gipfel findet wegen der strengen Corona-Massnahmen in China, das formeller Gastgeber ist, jedoch nur als Videoschalte statt.

Russlands Pr√§sident Wladimir Putin warf dem Westen Egoismus vor. „Nur auf der Basis einer ehrlichen und gegenseitig vorteilhaften Zusammenarbeit k√∂nnen wir Auswege aus der Krise suchen, in die die Weltwirtschaft geraten ist wegen der undurchdachten egoistischen Handlungen einzelner L√§nder, die mittels finanzieller Mechanismen ihre eigenen Fehler in der Makro√∂konomie auf die ganze Welt abw√§lzen“, sagte Putin.

Der Kremlchef wies in dem Zusammenhang der Brics-Gruppe eine besondere Rolle zu. Die Organisation m√ľsse vorangehen bei der Schaffung einer „multipolaren Welt“, in der die Beziehungen der Staaten untereinander auf dem V√∂lkerrecht beruhten.

Anders als die grossen Industrienationen (G7), die am Sonntag in Deutschland unter deutschem Vorsitz zu ihrem diesjährigen Gipfel zusammentreffen, haben die Brics-Mitglieder Kritik an Russland bislang vermieden und die Sanktionen des Westens wiederholt verurteilt.

Indien etwa nimmt in dem Konflikt eine neutrale Haltung ein, weil das Land lange und enge Beziehungen zu Russland hat und ein Grossteil seiner Milit√§rausr√ľstung von dort kommt. Zuletzt hat es genau wie China seine √Ėl-Einfuhren aus Russland deutlich erh√∂ht. Auch Brasilien hat sich wegen der negativen Auswirkungen auf Handel und Wirtschaft gegen Sanktionen ausgesprochen.

Russland selbst erklärt immer wieder, angesichts der massiven westlichen Sanktionen seine Wirtschaftsbeziehungen mit Partnerländern ausbauen zu wollen. Viele Experten haben allerdings erhebliche Zweifel daran, dass Russland den westlichen Sanktionsdruck langfristig ohne grössere Schäden abfedern kann.

Trotz der ablehnenden Haltung bei Sanktionen sind die Brics-Partner sich keinesfalls in allen Fragen einig. Es gibt sogar handfeste Konflikte zwischen ihnen. Vor allem die Beziehungen zwischen Indien und China sind weiterhin angespannt, seit es vor zwei Jahren zu einem t√∂dlichen Zwischenfall an der gemeinsamen Grenze in der Himalaya-Region gekommen war. Indien bildet zudem gemeinsam mit den USA, Japan und Australien das so genannte Quad-B√ľndnis. Das Quartett f√ľhrender Demokratien im Indopazifik-Raum will den Einfluss Chinas in der Region zur√ľckdr√§ngen.

Nach den Beratungen der Brics-F√ľhrer ist am Freitag ein weiteres Online-Forum geplant, zu dem eine Reihe von Entwicklungsl√§ndern geladen wurden. China hatte im Vorfeld angek√ľndigt, dass es anstrebe, das Brics-Format um weitere Staaten zu erweitern. Die Pl√§ne wurden jedoch noch nicht weiter konkretisiert.

(text:sda/bild:unsplash)