20 Juni 2021

Terrorverdächtiger Soldat in Belgien tot aufgefunden

Der wochenlang gesuchte terrorverd√§chtige Soldat J√ľrgen Conings ist in Belgien tot aufgefunden worden. Dies best√§tigte die belgische Staatsanwaltschaft am Sonntagabend vor Journalisten. Bei einer von einem J√§ger entdeckten Leiche handele es sich tats√§chlich um Conings. Damit endet eine beispiellose Fahndung und die Terrorfurcht vor dem 46-j√§hrigen mutmasslichen Rechtsextremisten.

Der belgische Berufssoldat war am 17. Mai nach Todesdrohungen gegen den prominenten Virologen Marc Van Ranst in der Nähe des Nationalparks Hoge Kempen in der Region Limbourg verschwunden. Der Fundort der Leiche in Dilsen-Stockem liegt in der Nähe. Die Grenzen zu den Niederlanden und zu Deutschland sind nur wenige Kilometer entfernt. Als Todesursache vermutet die Staatsanwaltschaft Selbsttötung mit einer Schusswaffe.

Nach Conings Verschwinden wurde bef√ľrchtet, dass der Berufssoldat einen Anschlag auf staatliche Strukturen oder √∂ffentliche Personen plant. Im abgestellten Auto des Gesuchten war nach Angaben der Beh√∂rden ein „verd√§chtiger Mechanismus“ gefunden worden, m√∂glicherweise eine Sprengvorrichtung. In dem Wagen lagen ausserdem schwere Waffen. Gegen den Mann wurde wegen versuchten Mordes und illegalen Waffenbesitzes in einem terroristischen Kontext ermittelt.

Wochenlang lief eine beispiellose Suchaktion. Die Armee half mit Hunderten Soldaten, gepanzerten Fahrzeugen und Kampfhubschraubern, Interpol wurde eingeschaltet. Die Fahndung verschlang nach einem Bericht der Zeitung „Le Soir“ bis Mitte Juni rund 650 000 Euro.

Das Verschwinden des 46-Jährigen zog zudem politische Kreise. Denn wegen rechtsextremer Sympathien stand Conings auf einer Verdächtigenliste der belgischen Anti-Terror-Behörde Ocam. Trotzdem hatte Conings direkten Zugang zur Waffenkammer seiner Armee-Einheit.

Verteidigungsministerin Ludivine Dedonder musste mehrfach vor belgischen Parlamentsabgeordnete Rede und Antwort stehen. Die Eintragung des Soldaten als Gefährder der Stufe drei von vier auf der Terroristenliste wurde nach Regierungsangaben nicht rechtzeitig an den Geheimdienst SGRS weitergeleitet.

Chefvirologe Van Ranst hatte sich am Sonntag erleichtert √ľber die wahrscheinliche Aufkl√§rung des Falls ge√§ussert. Es sei aber noch nicht klar, wann er mit seiner Familie sein staatlich gesichertes Versteck verlassen k√∂nne, hatte er der Nachrichtenagentur Belga am Telefon gesagt. Die Anti-Terror-Beh√∂rde Ocam erkl√§rte: „Auf Basis der neuen Informationen, die jetzt aus den Ermittlungen verf√ľgbar sind, besteht keine unmittelbare Bedrohung mehr.“

(text:sda/bild:unsplash)