31 Juli 2021

Del Ponte Rang 5, Kambundji Rang 6

Mit den R├Ąngen 5 und 6 im schnellsten 100-m-Olympia-Final der Geschichte sorgen Ajla Del Ponte und Mujinga Kambundji f├╝r eine historische Leistung. Die Gef├╝hlswelt der beiden, die nur zwei Hundertstel trennten, waren aber verschieden.

Ajla Del Ponte hatte das Schweizer Duell auf den letzten Metern zu ihren Gunsten entschieden und blieb nach dem Schweizer Rekord im Vorlauf vom Freitag (10,91) mit 10,97 zum zweiten Mal unter elf Sekunden. Die 25-j├Ąhrige Tessinerin k├Ąmpfte mit den Tr├Ąnen, als sie das Erreichte in Worte zu fassen versuchte. „2012 war ich eine Sechzehnj├Ąhrige, die im Fernsehen den Final von London geschaut hat, und dachte, es w├Ąre sch├Ân, einmal bei Olympia dabei zu sein – und nun bin ich F├╝nfte im Final ├╝ber 100 m.“

Denn Durchbruch hatte Del Ponte im Corona-Jahr 2020 geschafft, den sie mit dem EM-Titel in der Halle ├╝ber 60 m in diesem Fr├╝hjahr best├Ątigte. Ihr Selbstvertrauen stieg in unbekannte H├Âhen – ehe ausgerechnet das Coronavirus sie abrupt stoppe. Zwar zeigte sie keine starken Symptome, dennoch brauchte sie zwei Monate, bis „ich mich wieder mich selbst f├╝hlte“. Pl├Âtzlich fiel die Berichterstattung kritisch aus, einige begannen an ihr zu zweifeln oder trauten ihr nicht mehr viel zu. Doch beim Saisonh├Âhepunkt war Del Ponte auf den Punkt bereit und lief die drei besten Zeiten ihrer Karriere. Dank Rang 5 im Olympia-Final und ihrem Schweizer Rekordlauf ist sie zumindest bis auf Weiteres die Schnellste im Land.

Del Ponte bewies Nerven aus Stahl, denn sowohl im Halbfinal als auch im Final gelang ihr der Start nicht wunschgem├Ąss. Sie verkrampfte aber nicht – im Gegenteil. Ihr Bruder habe ihr vor dem Final eine Nachricht geschickt, die sie sehr ber├╝hrt habe. „Er schrieb mir, ich solle mit meinem Herzen laufen und so frei, wie ich es als Kind getan hatte.“

Gemischte Gef├╝hle hatte Mujinga Kambundji. Die 29-j├Ąhrige Bernerin erreichte zwar ihr Ziel, den ersten grossen Final ├╝ber 100 m, zeigte sich aber mit der Zeit von 10,99 etwas entt├Ąuscht. „Man will nat├╝rlich immer mehr. Und ich hatte das Gef├╝hl, dass ich schneller h├Ątte laufen k├Ânnen.“ Letztlich z├Ąhle aber in einem Final nur der Rang, und da die Medaillen sowieso ausser Reichweite gewesen waren, hielt sich Kambundjis ├ärger in Grenzen.

Sie sei vor allem vor dem Halbfinal sehr nerv├Âs gewesen, weil sie diesen Final unbedingt gewollt habe. „Ich muss das Ganze etwas setzen lassen, vielleicht bin ich morgen schon etwas zufriedener.“ Sie verhehlte nicht, dass der verlorene Rekord sie wurmt. „Ich weiss, dass ich diese Zeit drauf habe“, sagte sie. Aber es sei okay, sie habe ja noch Zeit, den Rekord wieder an sich zu reissen.

Mit Del Ponte und Kambundji standen erstmals ├╝berhaupt Schweizer Athletinnen in einem Olympia-Final ├╝ber 100 m. Neben Jamaika, das alle drei Medaillen holte, stellte die Schweiz als einzige Nation zwei Finalistinnen. „Es ist eine Leistung, die nicht hoch genug bewertet werden kann“, sagte J├╝rg Stahl, der Pr├Ąsident von Swiss Olympic. „Ein weiterer sporthistorischer Moment, und der verdiente Lohn der harten Arbeit, die die Athletinnen und ihr Umfeld leisten und geleistet haben.“

Ged├Ąmpfte Freude bei Kambundji

(bild&text:sda)